Oberwald

Ehemalige politische Gemeinde VS, Bezirk Goms, seit 2009 mit Obergesteln und Ulrichen Teil der neuen Gemeinde Obergoms. Auf 1370 m am nördl. Talhang rechts der Rhone gelegen. Zum ehemaligen Gemeindegebiet gehörte auch Unterwassern (ab 1838), das sich links der Rhone über den ganzen Talgrund erstreckt, ausserdem das Gerental mit den heute verlassenen Weilern Untergeren, Obergeren und Bergdorf, die Hotelsiedlungen Gletsch und Belvédère an der Furka sowie der Rhonegletscher. 1386 Superiore Valde, 1419 Oberwaldt. 1850 280 Einw.; 1900 240; 1950 321; 2000 260. Die ligur.-kelt. Urbevölkerung wurde zuerst romanisiert und im 8. und 9. Jh. von Alemannen, die über die Grimsel einwanderten, germanisiert. Kirchlich gehörte O. zur kath. Grosspfarrei Münster und kam 1493 zur im selben Jahr gegr. Pfarrei Obergesteln. 1719 wurde O. ein Rektorat und 1736 eine selbstständige Pfarrei. Die 1710 erbaute Hl.-Kreuz-Kapelle (seit 1736 Pfarrkirche) besitzt wertvolle Altäre und Schnitzereien aus den Werkstätten von Johann Ritz und Anton Sigristen (1716). Die bäuerl. Bevölkerung gab sich 1515 mit Unterwassern und Obergesteln die erste gemeinsame Bauernzunft (Benutzung der Alpen, Gemeingüter und Wälder) und 1636 eigene Burgerstatuten. Im Ancien Régime war O. das oberste der neun Viertel des Zendens Goms. O. wurde 1860-61 durch die Strasse Fiesch-O. und 1915 durch die Furka-Oberalp-Bahn erschlossen. 1982 wurde der Furkabasistunnel O.-Realp (ganzjähriger Betrieb mit Autoverlad) eröffnet. Der Kindergarten und die Primarschule werden seit 1972 von O., Obergesteln und Ulrichen gemeinsam geführt. O. verfügte zu Beginn des 21. Jh. über rund 2'500 Fremdenbetten, ein gut ausgebautes Wanderwegnetz, Langlaufloipen im Talgrund und Pisten für den Alpinskisport am Hungerberg. Im einstigen Bergbauerndorf bot der 3. Sektor 2005 73% der Arbeitsplätze.


Literatur
Kdm VS 1, 1976, 164-193
– F. Kreuzer, Goms, 31995, 307-315

Autorin/Autor: Robert Walpen