Niederwald

Ehemalige politische Gemeinde VS, Bezirk Goms, seit 2017 mit Blitzingen, Grafschaft, Münster-Geschinen und Reckingen-Gluringen Teil der neuen Gemeinde Goms. Das typ. Haufendorf liegt über der Talstufe von Fiesch und an der alten Landstrasse, die hier von Ernen her beim ehemaligen Weiler Rottenbrigge über die Rhonebrücke auf die rechte Talseite wechselte. 1526 Zniderwaldt. 1850 123 Einw.; 1900 123; 1950 145; 2000 70. Als eigenständiges Gemeinwesen liess sich N. ab dem 14. Jh. seine Gemeingüter und Alpen wiederholt durch die Lehensträger des Landesherrn bestätigen. Im 14. Jh. besassen der Bischof von Sitten und die Herren von Raron Güter sowie Herrschaftsrechte über Lehensleute in N. 1565 schloss sich das Dorf mit dem 1250 erstmals erwähnten Rottenbrigge zu einer sog. Bauernzunft mit eigener Ordnung zusammen; 1772 gaben sie sich neue Burgerstatuten. Im HochMA unterstand das Dorf dem bischöflichen Meier in Ernen, vom SpätMA bis 1798 bildete N. eines der neun Viertel im Zenden Goms. Kirchlich gehörte N. zu Ernen, ehe es 1666 eine eigene Pfarrei gründete. Von Rottenbrigge blieben Heuställe und die Kapelle St. Sebastian erhalten. Die Pfarrkirche St. Theodul wurde 1678 geweiht. Nach 1950 setzte im fast ausschliesslich auf Land- und Alpwirtschaft ausgerichteten N. die Abwanderung ein. Der grösste Arbeitgeber im Dorf, die Gomina AG, eine Fabrik für Feinmechanik, beschäftigte zu Beginn des 21. Jh. rund 20 Personen.


Literatur
– F. Kreuzer, Goms, 31995, 357-361
Kdm VS 2, 1979, 258-289

Autorin/Autor: Robert Walpen