Wohlgemuth-Affäre

Der kaiserl. Polizeibeamte August Wohlgemuth von der Kreisdirektion Mülhausen versuchte zur Überwachung der SPD in der Schweiz Spitzel anzuwerben. Der in Basel wohnhafte bayer. Schneider Balthasar Anton Lutz ging auf die Anfrage ein, sprach sich aber mit dem Sozialisten Eugen Wullschleger ab. Diesem gelang es, dem freisinnigen Rheinfelder Bezirksamtmann Emil Baumer Wohlgemuth als Lockspitzel zu präsentieren. Der von Lutz an Ostern 1889 zum Bahnhof Rheinfelden bestellte Wohlgemuth wurde verhaftet und ins Bezirksgefängnis gebracht, wo er zehn Tage festgehalten wurde. Aargauer Regierung und Bundesrat billigten Baumers Vorgehen, was Reichskanzler Otto von Bismarck - vorübergehend mit Unterstützung von Russland und Österreich-Ungarn - zu massiven Angriffen auf die Schweiz veranlasste. Konkrete Repressalien scheiterten aber; Schikanen an der Grenze unterliefen die zuständigen süddt. Länder. Eines der Druckmittel war die Kündigung des Niederlassungsvertrags von 1876; aber schon die am Konflikt nicht mehr interessierte nächste Reichsregierung handelte 1890 einen neuen Vertrag aus.


Literatur
– H. Renk, Bismarcks Konflikt mit der Schweiz, 1972

Autorin/Autor: Bernard Degen