29/11/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Fiesch

Polit. Gem. VS, Bez. Goms. Weitläufige Siedlung in einer Senke und an den Hängen beidseits des Weisswassers. 1203 Vios, 1438 Viesch, seit 1905 Fiesch. 1809 415 Einw.; 1850 245; 1900 467; 1950 517; 2000 996. 1862 Waffenfund aus der Bronzezeit. Die Gerichtsbarkeit lag im 13. und 14. Jh. vorwiegend in der Hand der Fam. Blandrate. F. bildete bis 1798 mit Lax einen der neun Viertel des Goms. F. entstand im SpätMA aus den ehemals selbstständigen Vierteln (Quartarien) F., Uberegga, Spembule (heute Biel, Gem. Grafschaft), Fuxwiler, Birchwiler und Moos; dazu kam um 1835 die Gem. Wiler. Ab dem 14. Jh. wurde die Bewässerung geregelt, 1470 entstand die Bauernzunft (Ordnung) des Viertels F. Im 16. und 17. Jh. kaufte F. von Privaten den ursprünglich bischöfl. Zehnten zurück. Der sog. Zehntenstadel stammt aus den Jahren 1572-73, das erste Alpreglement von 1592, das zweite von 1594 und die Grenzregelung mit Fieschertal von 1590. Im MA war F. nach Ernen pfarrgenössig, wurde 1540 Rektorat, besass aber seit damals Pfarreirechte (Begräbnis- und Taufrecht). Eine Johannes dem Täufer geweihte Kirche wird 1342 erwähnt, der heutige Bau stammt von 1883-84, der Turm teilweise aus dem 14. Jh., das Pfarrhaus von 1667. Neben der Kirche befand sich einst das Augustinerinnenkloster Gnadenberg (Montis Gratiae), das 1339 in Ernen gegründet, 1343 nach F. verlegt und 1489 aufgehoben wurde. Die Kapelle des hl. Augustinus besteht in ihrer heutigen Form seit 1771-72.

Im 17. und 18. Jh. war F. ein Zentrum der Untergommer Malerei. Die Lage als Ausgangspunkt zur Jungfrauregion, die Erstbesteigung des Eggishorns 1840, der Ausbau der Strasse ins Goms (1836 Lax-F., 1852-63 F.-Fürgangen) sowie die Einrichtung einer Poststation mit Pferdewechsel 1865 machten das Dorf in der Belle Epoque zu einem Zentrum des Fremdenverkehrs. 1856 wurde das Berghotel Jungfrau am Fuss des Eggishorns begründet, um 1870 entstanden im Dorf selbst die Hotels Des Alpes und Glacier et Poste. Seit 1915 ist F. Station der Furka-Oberalp-Bahn. 1966 wurde die Luftseilbahn nach Kühboden, 1968 die auf das Eggishorn errichtet, 1967-71 entstand das sog. Feriendorf, seit 1970 zudem zahlreiche Ferienchalets am Dorfrand. Zu Beginn des 21. Jh. verfügte F. über ein ganzjährig besuchtes Tourismusgebiet (v.a. aber Wintersport) mit 4'000 Gästebetten und einem Dutzend Hotels. 2000 waren fast 90% der erwerbstätigen Einwohner im Dienstleistungssektor tätig.


Literatur
– A. Briw, Aus Gesch. und Brauchtum der Pfarrgem. F., 1961
Kdm VS 2, 1979, 348-396
Heimattagung F.-Fieschertal in F., 1981
50 Jahre Verkehrsverein F.-Fieschertal 1938-1988, [1988]
– A. Grigis, Le Couvent des Augustines du Mont-de- Grâce à Ernen et F. (1339-1489), Liz. Lausanne, 1989

Autorin/Autor: Philipp Kalbermatter