Blitzingen

Ehemalige politische Gemeinde VS, Bezirk Goms, seit 2017 mit Grafschaft, Münster-Geschinen, Niederwald und Reckingen-Gluringen Teil der neuen Gemeinde Goms. Die 1848 entstandene Gemeinde umfasste das Dorf B. sowie die Siedlungen Ammere, Bodme, Wiler und Gadme (alle ab dem 14. Jh. erwähnt). 1203 Blicingen. 1850 152 Einw.; 1880 208; 1900 188; 1950 180; 2000 99. Im MA besassen der Bf. von Sitten und die adligen Herren von Raron, Restin und Blandrate Lehensansprüche in B., das zum obersten Viertel des Untergoms gehörte. Der sog. Chaschtebiel bei B. (1743 Kapelle erwähnt, 1837 eingestürzt) war Versammlungsort des Zenden Goms. Kirchlich war B. bis 1663 Teil der Pfarrei Ernen, dann bis zur Pfarreigründung 1877 Teil der Pfarrei Niederwald. 1932 brannte das Dorf bis auf die Kirche sowie wenige Häuser nieder und wurde 1933 unter dem Einfluss des Heimatstils wieder aufgebaut. Gut erhalten sind der Weiler Bodme mit Kapelle (erwähnt 1684) und die Häuser im Dorfkern (Ende 16. Jh. bis um 1630). B. bewahrte bis in die Neuzeit das traditionelle zweistufige Landnutzungssystem mit Heimgütern (Flachs, Hanf) im Tal und Viehwirtschaft in den Alpen. Neben einer Schreinerei und der Landwirtschaft (1999 noch zwei Grossbetriebe) entwickelte sich ab den späten 1970er Jahren der Tourismus zum hauptsächlichen Wirtschaftsfaktor. Nach 1960 Aufgabe von Ammere (heute privates Freilichtmuseum), Gadme und Wiler als ganzjährig bewohnte Siedlungen.


Literatur
Kdm VS 2, 1979, 221-258
– T. Antonietti, «Das Dorf als Kulisse und Lebensraum», in Ethnologica Helvetica 13/14, 1989/90, 35-65

Autorin/Autor: Alma Treyer Lehner