27/07/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Biel (VS)

Ehem. polit. Gem. VS, seit 2000 Teil der polit. Gem. Grafschaft. 1277 Buele. 1850 124 Einw.; 1900 94; 1950 101; 1990 58. 1980 wurde in Ritzingen ein kelt. Grab entdeckt. B. bildet das hist. Zentrum der sog. Grafschaft (urkundlich 1344 erw.), die vom Walibach bei Selkingen bis zum Reckingerbach reichte und die bis 2000 politisch selbstständigen Gem. Gluringen, Selkingen, B. und Ritzingen umfasste. Der Name Grafschaft geht evtl. zurück auf die Gf. von Mörel, die nach 1224 das bischöfl. Lehen Mörel verwalteten und deren Geschichte mit jener der Grafschaft verknüpft war. 1277 erklärte Marquard, Ritter von Mörel, die Leute von B. zu freien "Eigensässen" (Allodbesitzern). Mit einem vom Volk gewählten, vom Bischof ernannten Ammann (ab 1367 belegt) bildete die Grafschaft einen eigenen Gerichtsverband, unabhängig vom bischöfl. Viztum bzw. später vom Meier im Goms. Die Grafschaftsverwaltung war bis zum Untergang des Freigerichts 1799 dem oberen Zenden Goms (Pfarrei Münster) eingegliedert. Kirchlich gehörte B. bis zur Pfarreigründung 1678 zur Mutterkirche Münster, besass aber seit 1322 eine Kapelle und ein Rektorat. Nach der Pfarreigründung wurden Gluringen (seit 1920 selbstständige Pfarrei), Selkingen und Ritzingen von Münster losgelöst und B. unterstellt. 1827 zerstörte eine Lawine fast die Hälfte des Dorfes. Seit 1915 besteht eine Station der Furka-Oberalp-Bahn. In der Nachkriegszeit ging die Zahl der hauptberuflichen landwirtschaftl. Betriebe stark zurück (1955 13; 1990 2). In der Viehzucht- und Sennereigenossenschaft ist Selkingen mit B. zusammengeschlossen, 1958 wurden die Burgeralpen von B. und Ritzingen vereinigt. Am 6. Juni 2000 beschloss das Stimmvolk die Wiedervereinigung der drei Gem. B., Ritzingen und Selkingen. Seit den 1970er Jahren profitiert B. vom Langlauf- und Wandertourismus im Goms.


Literatur
– S. Noti, «Zur Gesch. der Grafschaft Selkingen, B., Ritzingen und Gluringen», in Vallesia 30, 1975, 1-48
Kdm VS 1, 1976, 382-408
– C. Biderbost et al., Grafschaft einst und heute, 1991

Autorin/Autor: Alma Treyer