• <b>Sembrancher (Gemeinde)</b><br>Blick auf das Dorf am Zusammenfluss der Dranse de Bagnes und der Dranse d'Entremont. Fotografie von  Oscar Darbellay,  1952 (Mediathek Wallis, Martigny). Der Bau der Eisenbahnbrücke über die Dranse an der Strecke Martigny–Sembrancher–Le Châble ermöglichte ab 1953 auch die Erschliessung des Val de Bagnes mit der Martigny–Orsière-Bahn.

Sembrancher (Gemeinde)

Polit. Gem. VS, Hauptort des Bez. Entremont. Das Dorf liegt am Zusammenfluss der Dranse de Bagnes und der Dranse d'Entremont, an der Strasse zum Grossen Sankt Bernhard. 1177 Sancti Pancratii de Branchi, dt. früher St. Branschier. 1802 567 Einw.; 1850 739; 1900 716; 1950 664; 2000 792. Siedlungsreste und Gräber vom Typ Chamblandes aus dem mittleren Neolithikum bis zur Spätlatènezeit bei Crettaz-Polet. Etappenort an der Passstrasse über den Mont-Joux. Im FrühMA unterstand S. als Gut des Bf. von Sitten der Gerichtsbarkeit des Viztums von Orsières. Ende des 11. Jh. gelangte es unter die Herrschaft der Gf. von Savoyen. 1239 gewährte Amadeus IV. von Savoyen dem Dorf Freiheiten, die 1322 und 1324 erweitert wurden. Es besass das Messe-, Markt- und Sustrecht. 1359 wurde S. Hauptort der Kastlanei Entremont. Ab Ende des 13. Jh. verfügte S. über eine gut organisierte Dorfgenossenschaft. Die Bürger unterzeichneten 1376 einen Burgrechtsvertrag mit Aigle, der 1676, 1736, 1766 und 1776 erneuert wurde. Nach der Eroberung des Unterwallis 1475 bildete die Kastlanei bis 1798 eines der Panner der Landvogtei Saint-Maurice. S. gehörte ab 1798 zunächst zum Distrikt S., 1802-10 zum Zenden, 1810-13 zum Kanton, ab 1814 zum Zenden und ab 1848 zum Bez. Entremont. Im ehem. Spital (1365 erw., 1813 und 1850 renoviert) ist das Bezirksgericht und seit 1999 das Maison de l'Entremont untergebracht. Zur Pfarrei, die seit 1150 von den Chorherren des Gr. St. Bernhard betreut wird, gehörte bis 1747 Bovernier. Die Kirche Saint-Etienne (bis 1286 Saint-Pancrace) wurde um 1686 barockisiert. Kapellen bestehen in Chamoille (1686) und La Garde (1695). 1796 liessen sich aus Frankreich vertriebene Trappisten und Trappistinnen in S. nieder, doch mussten sie den Ort Anfang 1798 wieder verlassen. Mit dem 1906 begonnenen Bau der Eisenbahn Martigny-Orsières kamen viele Arbeiter nach S. Anfang des 20. Jh. bestanden rund 50 Geschäfte. Seither sind Kleinhandel und Handwerk zurückgegangen. Ein Mineralwasser mit dem Markennamen S. gelangte 2008 in den Handel. Das 1990 gegr. Centre régional d'études des populations alpines hat seinen Sitz in S.

<b>Sembrancher (Gemeinde)</b><br>Blick auf das Dorf am Zusammenfluss der Dranse de Bagnes und der Dranse d'Entremont. Fotografie von  Oscar Darbellay,  1952 (Mediathek Wallis, Martigny).<BR/>Der Bau der Eisenbahnbrücke über die Dranse an der Strecke Martigny–Sembrancher–Le Châble ermöglichte ab 1953 auch die Erschliessung des Val de Bagnes mit der Martigny–Orsière-Bahn.<BR/>
Blick auf das Dorf am Zusammenfluss der Dranse de Bagnes und der Dranse d'Entremont. Fotografie von Oscar Darbellay, 1952 (Mediathek Wallis, Martigny).
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Literatur
– A. Pellouchoud, «Essai d'histoire de S.», in Ann. val. 42, 1967, 5-136
HS III/3, 1066-1068
Das Wallis vor der Gesch., Ausstellungskat. Sitten, 1986, 208-215
– P. Dubuis et al., S., 1989
– Y. Klecki-Voutaz, S. de mon enfance, 2010

Autorin/Autor: David Rey / EM