19/08/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken

Bourg-Saint-Pierre

Polit. Gem. VS, Bez. Entremont, an der Grenze zu Italien. Die Gem. umfasst im Wesentlichen das Dorf B. und das Hospiz auf dem Gr. St. Bernhard. Der Weiler Allèves wurde Ende des 19. Jh. aufgegeben. 1125 Burgus Sancti Petri, dt. früher St. Petersburg. 1850 305 Einw.; 1870 400; 1900 335; 1950 227; 1960 524 (Tunnelbau); 1990 200; 2000 212.

B. war Etappenort an der Passstrasse über den spätestens seit dem 4. Jh. v.Chr. begangenen Gr. St. Bernhard und wahrscheinlich bereits in röm. Zeit besiedelt. Das Hospizkloster Saint-Pierre du Mont-Joux ist erstmals 812/820 erwähnt. Es wurde mehrmals verwüstet und verlor nach 1050 gegenüber dem neuen Hospiz auf der Passhöhe an Bedeutung. Mitte des 11. Jh. kam B. in Besitz der Gf. von Savoyen, die den Einwohnern als Gegenleistung für die Offenhaltung und den Unterhalt des Passwegs Freiheiten und Vorrechte gewährten. Nach der Eroberung durch die Oberwalliser 1475 bestätigte ihnen der Bf. von Sitten das Sustenrecht und das Monopol, Reisende über den Pass zu führen. 1809 verlor B. diese Vorrechte, zog jedoch danach Nutzen aus der durch die Handelsfreiheit begünstigten Zunahme des Passverkehrs.

Im 13. Jh. wurde B. befestigt und durch die Burgen Quart und Allinges geschützt, die 1475 zerstört worden sind. 1475-1536 gehörte B. zur Landvogtei Unterwallis, 1536-1798 zur Landvogtei Saint-Maurice. Die erste Kirche (8. Jh.?) wurde von den Sarazenen im 10. Jh. (vielleicht um 940) zerstört. Um 1000 baute Hugo, ca. 993-1020 Bf. von Genf, eine neue Kirche. Beim Bau der bestehenden barocken Kirche von 1739 wurde der alte rom. Glockenturm beibehalten. Die hochgelegene Gem. - das Dorf liegt auf 1632 m - hat ein rauhes Klima, wenig Kulturland und lebte stets v.a. vom Passverkehr. Seit der Eröffnung des Simplontunnels 1906 und infolge der Modernisierung der Verkehrsmittel im frühen 20. Jh. ist die Einwohnerzahl allmählich zurückgegangen. Der 1964 eröffnete Strassentunnel durch den Gr. St. Bernhard und der dadurch belebte Durchgangstourismus schufen neue Arbeitsplätze und verlangsamten den Bevölkerungsschwund.


Literatur
– L. Blondel, «L'Eglise et le Prieuré de B.», in Vallesia 1, 1946, 21-41
– L. Moret-Rausis, B., souvenirs d'autrefois et images d'aujourd'hui, 1956
– L. Quaglia, La Maison du Grand-Saint-Bernard des origines aux temps actuels, 21972
– L. Quaglia, «Les services du passage du Saint-Bernard établis à B.», in Ann. val., 1973, 43-76
HS III/1, 248-252
– P. Dubuis et al., Une région, un passage, 1989

Autorin/Autor: Catherine Raemy-Berthod / AW