Vétroz

Polit. Gem. VS, Bez. Conthey, im Mittelwallis auf der rechten Seite des Rhonetals am Hangfuss gelegen, umfasst die Dörfer V. und Magnot. 11. Jh. Vertriacum, 1417 Vetro. 1870 584 Einw.; 1900 761; 1950 1'126; 2000 3'691. V. war Teil der Domäne Conthey, die Sigismund angeblich 515 dem Kloster Saint-Maurice geschenkt hatte. Vom 11. Jh. an gehörte es zum Gebiet der Gf. von Savoyen und ab 1254 unterstand es der Kastlanei Conthey. Nach der Eroberung des savoy. Wallis durch die Oberwalliser Zenden 1475 zählte V. zur Landvogtei Saint-Maurice. 1798 wurde es dem Bez. Martigny angegliedert, 1802 dem Bez. Sitten und 1815 dem Bez. Conthey. Die Gem. konstituierte sich nach der Trennung von Conthey 1862. Die Pfarrei V. wurde wahrscheinlich zwischen 1146 - zu diesem Zeitpunkt ist in V. eine Kapelle als Filiale der Pfarrei Plan-Conthey bezeugt - und 1178 gegründet; noch vor 1215 wurde sie mit jener von Conthey vereinigt. Vom 14. bis ins frühe 16. Jh. bestand in V. ein Prioriat des Klosters Saint-Maurice. Die heutige neorom. Kirche datiert von 1922. V. wurde erst 1935 wieder eine eigenständige Pfarrei. Die Bewohner lebten von Reb- und Getreidebau sowie Viehzucht. Die Trockenlegung der Sümpfe in der Rhoneebene in der 1. Hälfte des 20. Jh. erschloss neues Kulturland. Die Nähe zu Sitten und zur Einkaufszone von Conthey führte ab 1980 zu einer starken Bevölkerungszunahme. Obwohl sich der Ort damit zu einer Wohngemeinde entwickelt hat - 2005 waren 73% der aktiven Bevölkerung Wegpendler -, identifiziert er sich zu Beginn des 21. Jh. immer noch mit dem Rebbau (insgesamt 170 ha Rebland), was u.a. in der Kultivierung einer besonderen einheim. Rebsorte (Amigne) zum Ausdruck kommt.


Literatur
– J.-E. Tamini et al., Essai d'histoire du district de Conthey, 1933 (Neudr. 1999)
– C. Cotter, Si V. m'était Conthey, 1993
– G. Cassina, L'église de V., 1996
HS IV/1, 312, 491-493

Autorin/Autor: Catherine Raemy-Berthod / GL