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Naters

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Polit. Gem. VS, Bez. Brig. Am rechten Rhoneufer auf der sanft ansteigenden Schwemmlandhalde des Kelchbachs gelegen, umfasst den ganzen Natischer Berg zwischen Kelchbach und der Massa von Grund bis Grat mit zahlreichen im MA noch selbstständigen Gemeinwesen wie Hegdorn, Geimen, Mehlbaum, Rischinen, Blatten. 1018 Nares. 1798 ca. 700 Einw.; 1850 763; 1900 3'953; 1950 3'243; 2000 7'515.

Im FrühMA war N. im Besitz der Abtei Saint-Maurice. 1079 schenkte Ks. Heinrich IV. den Hof N. dem Bf. von Sitten. N. wechselte noch dreimal den Besitzer, bis es 1148 durch Schiedsspruch des Ebf. von Tarentaise endgültig dem Bischof zugesprochen wurde. N. bildete das bischöfl. Verwaltungszentrum des Zendens mit Vizedominat und Meiertum, beides Ämter, die meist adligen Fam. als Erblehen vergeben wurden. Der Viztum residierte im Ornavassoturm, der um 1260 von den Herren de Augusta errichtet worden war und später durch Erbschaft den Herren von Urnavas zufiel. Das Vizedominat kam 1345 an die Fam. de Chevron-Villette und verlor nach und nach an Bedeutung. Das Meieramt lag ab 1214 bei der Fam. Manegoldi. Sie wohnte im Schloss Auf der Flüe (heute Supersaxoschloss), das wohl Ende des 12. Jh. erbaut worden war und noch im 15. und 16. Jh. zeitweise als bischöfl. Residenz diente. Hier wurden Bf. Wilhelm III. von Raron 1446 die Artikel von N. abgetrotzt, die den Bischof seiner weltl. Macht berauben sollten. Die Vereinbarung hatte aber nur fünf Jahre Bestand. Im 14. Jh. wurde das Meiertum in eine Kastlanei umgewandelt, die vorübergehend bei den Gf. von Blandrate lag. Vor 1418 kam sie an den Zenden, der fortan den Kastlan wählte.

Die 1018 erstmals erw. Kirche St. Mauritius war Mittelpunkt der wohl vor 1000 entstandenen Grosspfarrei, die den ganzen Zenden Brig (mit Ausnahme des Gebiets Gondo-Zwischbergen und Eggerberg) umfasste. Die heutige Kirche wurde, abgesehen vom rom. Turm, der vermutlich aus dem 12. Jh. stammt, 1659-64 von den Prismeller Baumeistern Balthasar und Peter Bodmer gebaut. Neben der Kirche steht das von Ulrich Ruffiner 1514 erbaute Beinhaus mit mehr als 30'000 aufgeschichteten Totenschädeln.

Infolge des zunehmenden Verkehrs über den Simplonpass im SpätMA verlor N. seine führende Stellung im Zenden. 1518 wurde die Gerichtsbank nach Brig verlegt. Die Gem. N. und Rischinen (entstanden aus der Vereinigung aller kleinen Gemeinwesen am Natischer Berg) galten als zwei der sechseinhalb Gumper des Zendens, bis sie sich 1617 nach einer Pestepidemie zusammentaten und sich gemeinsame Statuten gaben, jedoch ihre je eigene Verwaltung bis 1852 beibehielten. Markante Bauten im alten Dorfkern von N. wie das Megetschenhaus, das Lergienhaus oder das Michel-Supersaxohaus zeugen vom Wohlstand und Einfluss einzelner Burgergeschlechter des Ancien Régime.

Die meisten Weiler am Natischer Berg wurden beim Einfall der Franzosen 1799 niedergebrannt. Nur langsam erholte sich im 19. Jh. die durch Krieg und militär. Einquartierungen verarmte Bevölkerung. In mehreren Schüben wanderten ganze Fam. nach Argentinien (San Jeronimo Norte) aus. Der Bau der Furkastrasse am Südrand des Dorfs (1857), die Eindämmung der Rhone (1873-76 und 1899-1900) und die darauffolgende Urbarmachung des Natischer Grunds sowie der Bau und Ausbau des Simplontunnels (1898-1906 und 1912-21) brachten einen stetigen wirtschaftl. Aufschwung. N. dehnte sich im Osten entlang der Furkastrasse durch eine Barackensiedlung für die meist ital. Tunnelarbeiter aus. Das neue Viertel wurde wegen der dunkleren Hautfarbe seiner Bewohner "Negerdorf" genannt (heute Quartier Feld). Zur Entlastung des Dorfzentrums wurde 1957 südlich der alten die neue Furkastrasse gebaut, an der mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser entstanden. 1978-80 erstellten private Investoren zwischen Blatten und Belalp in steiler Hanglage das Feriendorf Tschuggen. Mit der Erschliessung des Skigebiets auf der Belalp (2'000-3'100 m) wurde der Tourismus zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor der Gemeinde.


Literatur
– E. Jossen, N., 2000

Autorin/Autor: Anton Riva