19/11/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Mund

Polit. Gem. VS, Bez. Brig. An der Nordflanke des Rhonetals auf 1'200 m ü.M. gelegen, bestehend aus der Hauptsiedlung und Weilern, u.a. Bodmen, Ferchen und bis 1854 Finnen. 1259 Munt. Das Dorf M. hiess bis um 1800 Wyler, 1850 wurde es letzmals so genannt. 1811 294 Einw.; 1850 442; 1900 546; 1950 646; 2000 574. Die Herrschaftsrechte besassen im 13. und 14. Jh. die Fam. von M., Urnavas und Raron. Die ältesten erhaltenen Bauten sind der 1395 errichtete Turm (Steinspeicher) und der hölzerne Zehntenstadel von 1437. Die Dörfer M., Finnen, Bodmen und auf dem Biel erwarben 1427 von Wilhelm von Raron alle Herrschaftsrechte, Steuern sowie Dienstleistungen und schlossen sich zum Freigericht Finnen zusammen. 1521 gab sich M. eine Waldordnung für den Munderberg, 1538 eine Bauernzunft (Gemeindeordnung), die 1591 ergänzt wurde. An der Spitze der Dorfschaft standen zwei Prokuratoren (Gewalthaber). M. bildete bis 1798 einen der Gumper des Zenden Brig. Bis zur Stiftung eines Rektorats 1348 war M. nach Naters pfarrgenössig. Um 1725 wurde die Kirche St. Jakob der Ältere errichtet, wohl 1727 das Rektorat zur Pfarrei erhoben, 1962-64 die Kirche durch einen Neubau ersetzt und dieser 2005-07 umgebaut. Die 1887 errichtete Wallfahrtskapelle Gstein wurde 1983-84 abgerissen und an ihrer Stelle die Grottenkapelle erstellt. 1799 legten die Franzosen einen Brand, der den östl. Dorfteil zerstörte. 1863-94 wanderten 135 Einwohner nach Nord- oder Südamerika aus. 2000 arbeiteten vier Fünftel der Erwerbstätigen auswärts. Die Landwirtschaft, in der die Schafzucht dominiert, wurde zu Beginn des 21. Jh. vorwiegend im Nebenerwerb betrieben. Zur Bewässerung der Wiesen dienen die seit dem MA genutzten Suonen (Wasserleitungen). 1979 wurde die Safranzunft gegründet und der Anbau des Safrans erfolgreich wieder aufgenommen. 2007 wurde im Zehntenstadel ein Safranmuseum eingerichtet. 1951-84 verband eine Luftseilbahn das zuvor nur über einen Saumweg erreichbare M. mit Gamsen. 1978 wurde das Dorf durch die Strasse von Naters her erschlossen.


Literatur
– E. Jossen, M., 1989, (Kurzfassung mit Ergänzungen, 2001)

Autorin/Autor: Philipp Kalbermatter