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Brig (Stadt)

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Hauptsiedlung der polit. Gem. B.-Glis VS, dem Hauptort des Bez. B. Die Stadt im oberen Rhonetal, zwischen den Brücken über die Rhone und die Saltina gelegen, wurde 1972 mit den ehemaligen polit. Gem. Glis und Brigerbad zur Gem. B.-Glis vereinigt. Markt-, Rast- und Zollort sowie Eisenbahnknotenpunkt am Fuss des Simplonpasses. 1215 Briga, franz. Brigue, ital. Briga. 1798 468 Einw.; 1802 412; 1827 596; 1850 721; 1860 1'012; 1888 1'172; 1900 2'182; 1920 3'132; 1950 3'854; 1970 5'191; 1980 9'608 (mit Glis und Brigerbad); 1990 10'602; 2000 11'590.

Hinweise auf menschl. Anwesenheit in B. sind einige wenige Funde aus der Bronze- (Armspange, Dolch) und der Latènezeit (zwei Skelette, zwei Walliser Armspangen, zwei Fibeln). Rom. Namen (Kastel, Saltina, Geschina) finden sich im Bereich des alten röm. Verkehrswegs, sonst überwiegen dt. Namen. Seit 1988 fördern archäolog. Untersuchungen in Gamsen bedeutende Siedlungsspuren aus der Eisenzeit, der Antike und dem FrühMA zutage. Erstmals 1215 erwähnt ist ein Geschlecht de Briga, wahrscheinlich ein Zweig der erstmals 1181 in Naters fassbaren Mangoldi und vermutlich identisch mit den 1308-35 bezeugten Junkern im Hof (de Curia). Deren Sitz war die sog. Höllenburg, ein Turm oberhalb von B., der im 17. Jh. abgetragen worden ist. Ein 1970 abgebrochener Turm aus dem 13. Jh., mit einem Vorläufer aus dem 12. Jh. (Turm und Ringmauer), war vielleicht Ausgangspunkt der Stadtsiedlung. B. gehörte ursprünglich zur Grosspfarrei Naters, ab 1642 zur Pfarrei Glis, wurde 1957 eigene Pfarrei und erhielt 1967-70 eine Pfarrkirche. 1624-27 hatten die Jesuiten eine Niederlassung. 1662-1773 und 1814-47 führten sie ein Kollegium (1663-73 erbaut, 1673-87 Kirchenbau). 1773-1814 wurde das Kollegium von Piaristen geführt. Seit 1848 wird es vom Kt. Wallis betrieben; Rektor war bis 1990 ein Weltgeistlicher. Ein erstes Kapuzinerkloster bestand 1650-60; das bestehende Kloster ist 1947-48 erbaut worden. 1661 wurde ein Ursulinenkloster mit Mädchenschule gegründet, die Ursulinenkirche datiert von 1732. Seit 1937 besteht das Missionshaus (zeitweise Seminar) der Mariannhiller-Missionare. 1304 wurde das Antoniusspital gestiftet (got. Spitalkirche des 14. Jh., erste Spitalordnung 1399). Es ging später an die Burgergemeinde B. über und bestand bis 1908. Die Burgerschaft errichtete 1636-37 die Sebastianskapelle (restauriert 1972-73). 1951 erbaute Karl Schmid die Wehrmannskapelle.

Als Stadtgründer wird der Bf. von Sitten vermutet. Im 14. Jh. ist B. erstmals als Gemeinde belegt. Diese gewann an Bedeutung und bildete einen der sog. Gumper im Zenden Brig. 1518 wurde B. Zendenhauptort, Sitz und Wahlort des Zendengerichts (1740-41 Neubau des Zendenkerkers). Das Gemeindehaus ist 1618 erstmals erwähnt. Rechtsaufzeichnungen von 1576-1631 enthalten Bestimmungen über die Gemeindeorganisation, die Gewerbe- und Marktordnung, das Strafrecht und Luxusmandate. An der Spitze der Gemeinde standen zwei sog. Gewalthaber und ein Rat der Sechser. Eine Stadtmauer war wohl zugleich Schutzmauer gegen die Saltina, die immer wieder Verheerungen anrichtete, zuletzt 1920 und 1993. Überschwemmungen verursachte 1469, 1506, 1640, 1752, 1775, 1868 und 1920 auch die Rhone. 1755 und 1855 schädigten Erdbeben die Stadt. 1465, 1475, 1485 und 1575 dezimierte die Pest die Bevölkerung. 1799 plünderten franz. Truppen die Stadt, verbrannten die Archive und richteten grossen Schaden an.

1658-78 liess sich Kaspar Stockalper ein Schloss mit drei Türmen, Arkadenhof und Park erbauen, das Stockalperschloss, welches das Stadtbild dominiert. Prägend war einst auch der Renaissanceturm des Landeshauptmanns Kaspar Metzelten (1526). Die frühneuzeitl. Stadt charakterisierten weiter das alte Stockalperhaus (ca. 1533), der als Umschlag- und Lagerplatz dienende Salzhof (16. Jh., 1967 abgerissen), die Patrizierhäuser Wegener (17. Jh.), Mannhaft (1709) und Fernanda von Stockalper (1727). Ausserhalb der Stadt erbaute 1677 Kaspar Stockalper für Georg Christoph Mannhaft das Schlösschen Matteni. In B. stand ab der Mitte des 13. Jh. eine Sust als Lager, Umschlagplatz und Zollstätte für den Warentransport über den Simplonpass. Bis ins 16. Jh. bestanden an der Sust Rechte des Bf. von Sitten, der diese und die Zollrechte als Lehen weitergab. 1397 wird ein Mass als Briger Mass bezeichnet. Die Verwalter der Sust (Ballenteiler) spielten auch eine polit. Rolle. Der Wochenmarkt wurde 1572 neu belebt. Schneider, Schuhmacher und Transporteure schlossen sich vom 15. Jh. an zu Bruderschaften und Korporationen zusammen.

Der Bau der neuen Strasse 1801-05 über den Simplonpass, deren Ausbau 1949-60 und der Nationalstrassenbau seit 1960 beeinflussten auch die Verkehrssituation in B.: 1890-1905 beförderten Postkutschen 152'816 Personen von B. nach Domodossola. 1906 fuhr das erste Auto von B. aus über den Simplon, und seit 1919 verkehren Postautos über den Pass (ganzjährig seit 1970). Seit 1906 bzw. 1921 gewährleisten die Simplontunnels die Bahnverbindung mit Italien. 1874 erhielt B. den Bahnanschluss nach Westen durch das Rhonetal, 1913 durch den Lötschbergtunnel nach Bern. 1926 entstand die Furka-Oberalp-Bahn. Dem 1877-78 erbauten Bahnhof folgte 1910 ein Neubau, der auch als Güter- und Grenzbahnhof (Zollinspektorat) dient (1957, 1961 und 1993 Erweiterungen). 1859 wurde ein Telegrafenbüro errichtet, 1898 ein Telefon-Ortsnetz. Die Zahl der Hotelbetten ist von 120 (1800) über 425 (1912) auf 1'000 (1993) gestiegen; 2002 betrug sie noch 820. Einer 1858 errichteten grösseren Sägerei folgten erst im 20. Jh. weitere, kleinere Industriebetriebe (u.a. Holzbearbeitung, Teigwarenfabrikation, Telefonapparatebau, Strickwaren und Handschuhe); die Energie lieferte das 1900 erbaute Elektrizitätswerk B.-Naters. 1976 erhielt B. Anschluss an die im selben Jahr erbaute ARA. 1990 dominierte der 3. Sektor mit 81% der in B. Erwerbstätigen gegenüber dem 2. (18%) und dem 1. Sektor (unter 1%). 2001 zählte B.-Glis 7'129 Beschäftigte in 803 Betrieben.

1889 war die erste Druckerei in B. entstanden, in der ab 1899 der "Briger Anzeiger" erschien (seit 1933 "Walliser Nachrichten"). 1934-41 publizierte die Jungkonservative Bewegung des Oberwallis den "Fenner". 1908 wurde das Oberwalliser Kreisspital eröffnet; 1978 folgte das Spital für Chronischkranke, 1992 das Altersheim Englischgruss. Bereits in der 1. Hälfte des 16. Jh. sind Humanisten, Schulmeister und eine Notariatsschule in B. bezeugt. Eine 1834 errichtete Stiftung unterstützte die Elementarschule B. 1897 übernahmen Marienbrüder die Primarschulen für Knaben. Als Nachfolger des alten Jesuitenkollegiums entstand 1848 das staatl. Gymnasium, seit 1858 mit einer Real- und seit 1952 mit einer Handelsabteilung. In dem von Ursulinen geführten Institut St. Ursula sind seit 1853 ein Lehrerinnenseminar, seit 1902 eine Handelsschule, ebenso eine Haushaltungs- und Webschule sowie seit 1985 eine Familienhelferinnenschule untergebracht. Seit 1953 wird eine kaufmänn. Berufsschule geführt. 1992 eröffnete die Fern-Univ. Hagen ihr Studienzentrum B., und im selben Jahr nahm eine Hotelfachschule den Unterrichtsbetrieb auf. 1800 und 1872 wurden Musikgesellschaften gegründet, 1906 eine Volksbibliothek, die 1971 in einer neuen Bibliothek (Neubau 1994-95) aufging. Im Stockalperschloss befindet sich seit 1991 das Forschungsinstitut zur Geschichte des Alpenraums und ein Institut für Mehrsprachigkeit.


Literatur
– L. Carlen, B., 1968
– L. Carlen, Zur Gesch. von B., 21980
– L. Carlen, B. in alten Ansichten, 2 Bde., 1983-95

Autorin/Autor: Louis Carlen