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Yvonand

Polit. Gem. VD, seit 2006 Bez. Jura-Nord vaudois. Die Gem. umfasst Y. (1010 Evonant) und die Weiler La Mauguettaz, Niédens und Mordagne. 1776 401 Einw.; 1850 861; 1900 1'187; 1950 1'295; 2000 2'278. Die Bucht von Y. in der fruchtbaren Gegend nahe der Einmündung der Mentue in den Neuenburgersee wurde vom Neolithikum (ca. 3900 v.Chr.) bis zur Spätbronzezeit (um 1000 v.Chr.) mehrfach besiedelt. Bekannt sind fünf Siedlungen. In Mordagne am rechten Ufer der Mentue bestehen Überreste einer röm. Villa. Der Gutshof wurde ab 100 n.Chr. bewirtschaftet und umfasste ein Gutshaus, das bis ca. 400 n.Chr. teilweise bewohnt war, sowie eine Einfriedung von 600 auf 60 m, die rund ein Dutzend Gebäude umschloss. Im MA entwickelte sich das Dorf Y. am linken Ufer der Mentue. Es gehörte zur Freiherrschaft Grandson und bildete nach den Burgunderkriegen (1474-77) eines der fünf Meierämter der gemeinen Herrschaft Grandson mit einem Gericht sowie einem 24-köpfigen und einem 17-köpfigen Rat. 1798-2006 war Y. dem Distrikt bzw. dem Bezirk Yverdon angegliedert. Die 1010 erstmals erw. Kirche Saint-Ours wurde 1749 neu gebaut. Sie erhielt 1906 einen neuen Glockenturm und 1988 eine barocke Orgel. 1531 predigte Antoine Froment den neuen Glauben. Seit 1989 existiert eine kath. Kapelle. Bis ins 19. Jh. waren die Landwirtschaft und das Handwerk die Haupterwerbsquellen in Y. Der Bau der Eisenbahnlinie Yverdon-Payerne (1877 Einweihung des Bahnhofs) und der Route des Grèves entlang des Sees nach Yverdon begünstigten die Ansiedlung von Industrie. 1880-1979 war die Ziegelei Dutoit-Morandi in Betrieb, 1975-97 das Metallbauunternehmen Geilinger und 1982-2002 das Kabeltechnologieunternehmen Swisscab. Die Wirtschaft diversifizierte sich durch den Handel (ab 1923 Radio-TV Delay, Fischgeschäfte), den Tourismus (vom Anfang des 20. Jh. bis zum 2. Weltkrieg Internate, seit 1950 Camping, 1977 Freizeithafen) und die Kultur (seit 1986 Editions Bernard Campiche). Ab 1950 baute Y. seine Gemeindeinfrastruktur aus, u.a. mit einer Sekundarschule und einer Mehrzweckhalle. Es entstanden auch neue Quartiere.


Literatur
– M. Colombo, «La villa gallo-romaine d'Y.-Mordagne et son cadre rural», in Etudes de lettres, 1982, Nr. 1, 85-103
– R. Pasche-Cuagnier, J.-P. Grossrieder, Y. raconté par la carte postale (1890-1940), 1990

Autorin/Autor: Régine Pasche-Cuagnier / ASCH