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Lestrange, Augustin de

geboren 19.1.1754 (Louis-Henri) Colombier-le-Vieux (Ardèche), gestorben 16.7.1827 Lyon-Vaise, kath., Franzose. 1778 Priesterweihe in Paris (Saint-Sulpice), 1780 Generalvikar von Vienne. L. ging der bischöfl. Würde durch Eintritt in die Zisterzienserabtei La Trappe aus dem Weg und wurde dort Subprior und Novizenmeister. Er zog - einer Verfolgung zuvorkommend - 1791 mit Gleichgesinnten in die Schweiz und erlangte von der Freiburger Regierung die Erlaubnis zur Niederlassung von 24 Trappisten in der ehem. Kartause La Valsainte; 1791 wurde er Oberer und 1794 Abt des Klosters. Unter seiner Leitung verzeichnete die Valsainte zahlreiche Neueintritte und den Zulauf von Flüchtlingen, was neue, kurzlebige Niederlassungen nötig machte, darunter Sembrancher als erstes Frauenkloster der Reform von La Trappe. Ausserdem gründete L. einen III. Orden für Lehr- und Erziehungsaufgaben. 1798 wurden die Trappisten aus der Schweiz ausgewiesen. L. sammelte Trappisten, Trappistinnen, Schüler und Schülerinnen (254 Personen) um sich und führte sie durch Süddeutschland, Österreich, Russland und zurück nach Deutschland (sog. "Odyssée monastique"). 1802-11 wirkte L. wieder in der Valsainte, später unternahm er Gründungsversuche in den USA (1813) und in England. 1815 kehrte er nach La Trappe zurück, von wo aus er eine rastlose Visitationstätigkeit entfaltete. 1825 wurde L. in Rom wegen Missbrauchs seiner Autorität und allzu grosser Strenge angeklagt. Sein plötzl. Tod kam der Absetzung zuvor. Trotz berechtigter Kritik an seiner Person ist unbestritten, dass L. mit der von ihm in der Valsainte initiierten monast. Reform - niedergelegt in den "Réglements" von 1794 - das Überleben und die Erneuerung der Strengen Observanz des Zisterzienserordens im 19. Jh. ermöglicht hat.


Literatur
Catholicisme: hier, aujourd'hui, demain 7, 1972, 477-479
HS III/3, 1055-1076
LThK 6, 853
– A.-H. Laffay, Dom Augustin de L. et l'avenir du monachisme, 1998

Autorin/Autor: Patrick Braun