16/02/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Städtebünde

Die aus der Landfriedensbewegung (Landfrieden) erwachsenen S. waren -- entsprechend den auf ständ. Grundlage gebildeten Adels- oder Ritterbünden, z.B. der Gesellschaft mit Sankt Jörgenschild (1407), oder auch den landschaftsbezogenen Zusammenschlüssen, z.B. dem Dreiländerbund von 1291 bzw. 1315 (Bundesbriefe) -- organisator. Zusammenschlüsse einer Mehrzahl von Städten mit dem Ziel, gemeinsame polit. Anliegen zu verfolgen. Frühe Formen waren die im 12. Jh. zur Friedenssicherung gebildeten "Gegenrechtsverträge" sowie die gegen die zentralist. Herrschaftsansprüche der Staufer gerichteten lombard. Städtebünde.

Nördlich der Alpen erfuhren die S. vom 13. Jh. an eine fast inflationäre Entwicklung: Viele entstanden in allen Teilen des Reichs, wechselten häufig die Zusammensetzung, zerfielen oder bildeten sich neu. Der 1243 zwischen Bern und Freiburg geschlossene Städtebund wurde mit rasch wechselnden Partnern fortgesetzt (Burgundische Eidgenossenschaft). Weitere Beispiele mit der Beteiligung von heute schweiz. Städten sind der Rhein. Städtebund 1254/57 (u.a. mit Basel, Zürich), der Städtebund der Bodenseestädte 1312 (u.a. mit Zürich, Schaffhausen, St. Gallen), der Südwestdt. Städtebund 1327 (u.a. mit Zürich, St. Gallen, Basel, Bern), der Schwäbische Städtebund (1376) oder der Konstanzer Bund (1385).

Über die Friedenswahrung im Interesse von Handel und Verkehr hinaus versuchten die S. Unzuträglichkeiten im Zoll-, Gerichts-, Steuer- und Münzwesen zu überwinden. Die Reichsstädte wehrten sich insbesondere auch gegen den Integrationsdruck der Fürsten (Schutz vor Verpfändungen durch den Kaiser, Erhaltung der Reichsunmittelbarkeit) und strebten auch nach einer entsprechenden verfassungsmässigen Absicherung. Zudem bewahrten die S. in Zeiten der Sedisvakanz die Reichsverfassung. So versuchte der Rhein. Städtebund nach dem Zusammenbruch der Staufer die Funktion der Reichsgewalt interimistisch auszufüllen (Interregnum) und die durch den Mainzer Reichslandfrieden von 1235 bestimmte Ordnung wiederherzustellen. Noch der Bundesbrief des Schwäb. Städtebunds formulierte 1377 das Ziel, dass "das hailig riche gesterket und gemeret werden mag".

Die S. (oft als coniurationes bezeichnet) entstanden durch einen Eid der Städtevertreter. Sie institutionalisierten sich durch eigene Organe (Bundestage, Ausschüsse, Vororte, Schiedsgerichte) und führten zuweilen eigene Siegel. Ungleichheit der Partner konnte zu einer Integration der Schwächeren führen (z.B. die Bündnisse Berns mit kleineren Städten). Die Bündnisse waren meist befristet (mit Offenhaltung einer Verlängerung), selten unbefristet ("ewig"). Die Bündnisverträge folgten in der Regel einem einheitl. Schema: gegenseitige Hilfeleistung, gemeinsame Verbrechensverfolgung, interne Konfliktbereinigung durch Schiedsgerichte, gelegentlich auch polit. Sonderbestimmungen (Existenzsicherung, gemeinsame Reichspolitik). Die Haltung der Reichsgewalt zu den S.n war schwankend, je nachdem, ob sie sich der Hilfe der Städte gegen die Fürsten bedienen wollte oder aber ihre eigene Macht durch die Bündnisse eingeschränkt sah. Ab 1350 lehnte die Reichsgewalt S. -- die sich damals in einer ausgesprochenen Blütezeit befanden -- ab und bevorzugte grossräumige und gemischtständ. Provinzialbünde: Adelige und Städte sollten sich gegenseitig verteidigen und unterstützen. Die Goldene Bulle verwarf die S. 1356 als conspirationes (Verschwörungen). Im süddt. Städtekrieg von 1376-88 mussten die Städte nach der Niederlage bei Döffingen (Württemberg, 1388) nachgeben und um ihrer Handelsinteressen wegen eine Verständigung suchen. 1389 wurden die S. im Landfrieden von Eger ganz verboten. Der gleichwohl neu gegr. Schwäb. Städtebund von 1390 konnte seine frühere Bedeutung nicht wiedererlangen. Ebenso blieb der 1390 von Kg. Wenzel genehmigte "Bund der gemeinen Städte um den See" (unter Beteiligung St. Gallens) auf eine örtl. Friedenswahrung beschränkt. Die grossräumigen und gemischtständ. Provinzialbündnisse setzten sich schliesslich 1512 mit der Bildung der Reichskreise durch, in welche die Eidgenossenschaft nicht mehr einbezogen wurde. Insgesamt waren die Erfolge der S. sehr unterschiedlich; längerfristige polit. Bedeutung erlangte nur das eidg. Bündnissystem (Eidgenossenschaft).


Quellen
Die Urk. und Akten der oberdt. S., 3 Bde., 1979-2005
Literatur
– J. Füchtner, Die Bündnisse der Bodenseestädte bis zum Jahre 1390, 1970
Kommunale Bündnisse Oberitaliens und Oberdeutschlands im Vergleich, hg. von H. Maurer, 1987
HRG 4, 1851-1857

Autorin/Autor: Karl Heinz Burmeister