22/08/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Maultier

Das M., auch Muli genannt, ist die Gebrauchskreuzung zwischen Eselhengst (Esel) und Pferdestute (Pferd). Die männl. Tiere sind immer, die weibl. meistens unfruchtbar. Die umgekehrte Kreuzung zwischen Pferdehengst und Eselstute wird als Maulesel bezeichnet und kommt in der Schweiz praktisch nicht vor.

M.e gelten als genügsam, sind trittsicher und eignen sich besonders für die Säumerei im unwegsamen Gelände. Sie werden im Train, einer Truppengattung der Schweizer Armee, als Zug- und Tragtiere eingesetzt. Seit dem Beginn des 21. Jh. erfährt ihre Verwendung im Freizeitbereich als Reit- und Saumtiere einen Aufschwung (Haustiere). Während die Armee bis in die frühen 1990er Jahre die Maultierzucht gezielt gefördert hatte, besass das Nationalgestüt in Avenches 2008 nur noch einen Eselhengst. Wegen ihres ruhigen Charakters kommen in der Zucht oft Freiberger Stuten zum Einsatz. Die Maultierfohlen werden durch den Freibergerzuchtverband registriert.

Während aus den Schriften antiker Autoren wie Varro, Columella oder Plinius der Ältere die Bedeutung der M.e für das röm. Transport- und Postwesen hervorgeht, sind archäozoolog. Nachweise aus nordalpinen röm. Fundstellen selten. Dies ist z.T. darauf zurückzuführen, dass sich das Skelett des M.s kaum von dem des Pferdes unterscheidet. Aus dem röm. Solothurn liegt ein archäolog. Befund mit Pferde-, hauptsächlich aber Maultierkadavern vor, der mit einer Pferde- und Maultierwechselstation in Verbindung gebracht wird. Weitere Maultierfunde sind aus den röm. Siedlungen Tenedo (Zurzach) und Vitudurum (Oberwinterthur) bekannt.

Im MA spielten M.e als Handelsware im alpenquerenden Verkehr - im Vergleich zu den Ochsen und wertvolleren Pferden - eine untergeordnete Rolle (Viehhandel). Vielmehr kamen sie, vermehrt im 16. bis 19. Jh., als Zug-, Trag- und Reittiere zum Einsatz. Archäolog. Funde aus dem MA wie diejenigen auf der Burg Scheidegg in der Gem. Gelterkinden, der Frohburg oder in der Burgruine Alt-Wartburg sind rar. Ein auf einem Wasenplatz in Zürich-Albisrieden gefundenes Maultierskelett aus dem 18. Jh. dürfte von einem für den Transport im Gebirge eingesetzten Tier stammen.

Der durchschnittl. Maultierbestand in der Schweiz betrug 1866-1942 ca. 3'200 Tiere. Davon entfielen 60-70% auf den Kt. Wallis, wo die 1835-72 betriebenen kant. Eseldeckstationen die Zucht schon früh förderten. 2005 gab es in der Schweiz noch ca. 700-800 M.e.


Literatur
– F.X. Weissenrieder, Vom M. und der Maultierzucht, 1941
– P. Armitage, H. Chapman, «Roman Mules», in The London Archaeologist 3, 1979, H. 13, 339-346, 359
– G. Breuer et al., Die Vigier Häuser in Solothurn, Ms., 1992, (Seminar für Ur- und Frühgesch., Basel)
– P. Morel, «Die Tierknochenfunde aus dem Vicus und den Kastellen», in R. Hänggi et al., Die frühen röm. Kastelle und der Kastell-Vicus von Tenedo-Zurzach (Textbd.), 1994, 404

Autorin/Autor: Peter Lehmann