Gas

G. als Träger von Energie gibt es in der Schweiz seit der Mitte des 19. Jh. Das aus der Destillation von Steinkohle, manchmal auch von Holz gewonnene Industriegas (oder Stadtgas) wurde zuerst für die öffentl. und private Beleuchtung eingesetzt. Es wurde laufend hergestellt und für die Überbrückung der Spitzenzeiten in Gasometern gelagert. Seine Produktion erforderte viel Personal: 1938 beschäftigte die Gasindustrie 3'500 Personen, 2001 noch 1'620. Mit dem Aufkommen der Elektrizität ab 1890 verschwand die Gasbeleuchtung schrittweise und machte therm. Nutzungen wie der Erzeugung von Warmwasser, Kochen und Heizen Platz. Gegen 1950 brachte der günstigere Preis der Erdölprodukte die Gasfabriken dazu, auf andere Herstellungsverfahren - Kracken von Leichtbenzin oder Propan - auszuweichen, die weniger Arbeitskräfte benötigten. Erdgas kam in der Schweiz in den 1970er Jahren auf. Der Verbrauch weitete sich damit auf die Beheizung grosser Gebäude und auf die industrielle Nutzung aus. 2003 erreichte der Bruttoverbrauch 33'987 Mio. kWh (23-mal mehr als 1960), wovon nur 0,1% kein Erdgas, sondern ein Propan-Luftgemisch war. Seit 2002 versucht die Firma Gasmobil AG, die Nutzung von Erdgas und Biogas als Treibstoff zu fördern (800 Motorfahrzeuge im Frühling 2004). Das wegen seiner niedrigen CO2-Emissionen ökologisch interessante G. lieferte 2003 11,8% der in der Schweiz verbrauchten Energie.

Die Grundinvestitionen wurden anfänglich von Privatpersonen finanziert. Als die ersten Konzessionen fällig wurden, gingen versch. Privatfabriken an die öffentl. Hand. 2003 waren 781 Gem. ans Gasnetz angeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Schweizer Gasindustrie einige hundert Transport- und Verteilunternehmen, darunter 65 kommunale Industriebetriebe und 35 Aktiengesellschaften. Die Aktien befinden sich im Besitz der Kantone und Gem. oder aber in Privatbesitz. Zahlreiche öffentl. Dienste streben die Umwandlung in Aktiengesellschaften an, um ihre Flexibilität zu erhöhen.

Das Aufkommen von Erdgas brachte Zusammenschlüsse mit sich, die den Abschluss von Gaskaufverträgen und den Transport in Hochdruckleitungen bis zum Eintritt in die Verteilnetze ermöglichten. Der seit 1964 bestehende Gasverbund Mittelland AG vereinigt die Verteiler des Schweizer Mittellandes (Dreieck Bern-Basel-Aarau). Zürich und die Ostschweiz gründeten 1966 den Gasverbund Ostschweiz AG, der 1993 in Erdgas Ostschweiz AG umbenannt wurde. Die 1968 geschaffene Gaznat SA sichert die Versorgung und den Gastransport in der Westschweiz. Um die Versorgung in der Zentralschweiz kümmert sich seit 1973 die Erdgas Zentralschweiz AG. Die 1971 von den drei wichtigsten Regionalgesellschaften (Gasverbund Mittelland AG, Gasverbund Ostschweiz AG und Gaznat SA) gegr. Swissgas verhandelt und schliesst die Kaufverträge mit den ausländ. Gasgesellschaften ab. Die so gekauften Mengen entsprechen mind. 60% der Schweizer Versorgung, der Rest wird von den Regionalgesellschaften importiert. Die Tessiner Achse Chiasso-Lugano (1% der Gesamtschweiz) versorgt sich direkt in Italien. Das in die Schweiz importierte Erdgas stammt hauptsächlich aus den Niederlanden, Norwegen, Deutschland, Russland und Algerien. Seit 1964 setzt das Bundesgesetz über Rohrleitungsanlagen die rechtl. Bestimmungen für diese Anlagen fest. Die Netze mit einem Druck über 5 Bar (2'208 km im Jahr 2003) brauchen eine Bundeskonzession, diejenigen unter 5 Bar (13'900 km Ende 2003) sind hingegen keiner Bewilligungspflicht unterstellt.

Ein kleines, heute erschöpftes Erdgasvorkommen wurde von 1985 bis 1994 in Finsterwald (Gem. Entlebuch) im Kt. Luzern ausgebeutet. Spuren von G. wurden auch in verschiedenen anderen Regionen entdeckt, und die Suche geht weiter.


Literatur
– F. Müller et al., La compagnie du gaz et du coke S.A. a cent ans: 1861-1961, 1962
– K.W. Egger, Von der Gaslaterne zum Erdgas: die Gesch. der Berner Gasversorgung, 1843-1993, 1993
– J.-C. Mayor, Les dons du gaz: lumière, chaleur, énergie: 150 ans de gaz à Genève, 1994
Kdm ZH 9, 1997, 219-264
– G. Duc, «Genève et croissance du réseau gazier à Sion», in SZG 53, 2003, 34-57

Autorin/Autor: Roland Mages, Bernard Gardiol / CN