• <b>Vevey (Gemeinde)</b><br>Ansicht der Stadt. Federzeichnung auf Papier aus dem Jahr 1633, zugehörig zu einer Handschrift, die 1660 von  André de Joffrey   verfasst wurde (Musée historique de Vevey; Fotografie Studio Curchod). Die älteste bekannte Darstellung Veveys zeigt die mittelalterliche Stadt, die sich von der Veveyse (links aussen) im Westen bis zum Bottonens-Tor im Osten und von der Kirche Saint-Martin auf dem Hügel im Norden bis zum See im Süden (unten) erstreckt. Der einzige toponymische Hinweis findet sich beim grossen Platz links unten, wo das Haus "Logis de l'Aile" bezeichnet ist. Obwohl die Darstellung schematisch ist, lassen sich einzelne Gebäude erkennen, etwa der Turm Saint-Jean im Zentrum oder die Kirche und das ehemalige Kloster Sainte-Claire an der Stadtmauer im Nordosten. Das Haus La Cour au Chantre gegenüber der breiten, zum See führenden Rue du Centre war die Residenz der de Joffrey.
  • <b>Vevey (Gemeinde)</b><br>Die Stadt und der Genfersee aus der Vogelschau. Kolorierte Lithografie von  Alfred Guesdon,   um 1862 (Musée historique de Vevey; Fotografie Studio Curchod). Guesdon hatte in der Serie "La Suisse à vol d'oiseau" bereits 1858 eine ähnliche Darstellung veröffentlicht. Einige Jahre später verwendete er diese Ansicht nochmals, fügte jedoch die Eisenbahnlinie mit der Brücke über die Veveyse (im Vordergrund) und den Bahnhof hinzu, während er an der Stadt nichts änderte. Links über der Altstadt ist die Kirche Saint-Martin mit ihrem Friedhof zu erkennen, rechts am See liegt der Marktplatz. An ihn grenzt das im neogotischen Stil erbaute Schloss Aile, das der Architekt Philippe Franel zwischen 1840 und 1846 erbaut hat. Im 19. Jahrhundert wuchs die Stadt ausserhalb der mittelalterlichen Mauern rasant.

Vevey (Gemeinde)

Polit. Gem. VD, Hauptort des Bez. Riviera-Pays d'Enhaut, am Ufer des Genfersees gelegen. 1892 wurden die Quartiere L'Arabie, Plan-Dessous, Plan-Dessus, Sous-Crêt, Les Crosets und Le Faubourg-Saint-Antoine von der Gem. Corsier-sur-V. abgetrennt und V. angegliedert. Um 280 Vibisco, 998 Uiueisi, 1220 Viveys, dt. früher Vivis. 1764 3'350 Einw.; 1798 3'300; 1850 5'201; 1900 13'664; 1950 14'264; 2000 16'202.

1 - Von der Urgeschichte bis zum Frühmittelalter

Die Ufersiedlung Creux de Plan, die sich teilweise auf dem Gemeindegebiet von Corseaux befindet, sowie die Reste einer Siedlung oberhalb der Kirche Sainte-Claire und Einzelfunde (Beile) belegen die Besiedlung des Orts im späten Neolithikum. 1901 wurde das kelt. Gräberfeld En Crédeyles nahe der Kirche Saint-Martin aus der frühen und mittleren Latènezeit (450-200 v.Chr.) entdeckt, das auf eine Siedlung aus der jüngeren Eisenzeit verweist.

In röm. Zeit bestand eine Häusergruppe, die als vicus interpretiert wird und sich dank ihrer Lage an der Verkehrsroute zum Gr. St. Bernhard bei der Verzweigung der Strassen nach Lausanne und Avenches günstig entwickelte. Sie wird im "Handbuch der Geographie" von Klaudios Ptolemaios (2. Jh. n.Chr.) unter dem Namen Ouikos erwähnt, im "Itinerarium Antonini" als Etappenort Vibisco und in der "Tabula Peutingeriana" als Vivisco. Sie erstreckte sich auf einer Fläche von etwa 20 ha im Zentrum der heutigen Stadt zwischen den Flüssen Veveyse und Ognonaz. Die 1996-2000 durchgeführten archäolog. Grabungen lieferten Belege für sieben Bauphasen zwischen dem Beginn des 1. Jh. und der 2. Hälfte des 4. Jh. n.Chr. Ende des 1. Jh. lösten Steinbauten die Häuser aus Lehm und Holz sowie die Plätze und Wege aus gestampfter Erde ab. Zur gleichen Zeit wurden einzelne Häuserblocks errichtet, die durch breite Wege oder schmale Gässchen voneinander getrennt waren.

Vom ausgehenden 4. Jh. an wurde die Siedlung allmählich aufgegeben, aber deren Einwohner verliessen den Ort nicht vollständig. Dass der Ort auch zwischen dem 5. und 7. Jh. bewohnt blieb, belegt das frühma. Gräberfeld unter der Kirche Saint-Martin, das 1989 gefunden wurde.

<b>Vevey (Gemeinde)</b><br>Ansicht der Stadt. Federzeichnung auf Papier aus dem Jahr 1633, zugehörig zu einer Handschrift, die 1660 von  André de Joffrey   verfasst wurde (Musée historique de Vevey; Fotografie Studio Curchod).<BR/>Die älteste bekannte Darstellung Veveys zeigt die mittelalterliche Stadt, die sich von der Veveyse (links aussen) im Westen bis zum Bottonens-Tor im Osten und von der Kirche Saint-Martin auf dem Hügel im Norden bis zum See im Süden (unten) erstreckt. Der einzige toponymische Hinweis findet sich beim grossen Platz links unten, wo das Haus "Logis de l'Aile" bezeichnet ist. Obwohl die Darstellung schematisch ist, lassen sich einzelne Gebäude erkennen, etwa der Turm Saint-Jean im Zentrum oder die Kirche und das ehemalige Kloster Sainte-Claire an der Stadtmauer im Nordosten. Das Haus La Cour au Chantre gegenüber der breiten, zum See führenden Rue du Centre war die Residenz der de Joffrey.<BR/>
Ansicht der Stadt. Federzeichnung auf Papier aus dem Jahr 1633, zugehörig zu einer Handschrift, die 1660 von André de Joffrey verfasst wurde (Musée historique de Vevey; Fotografie Studio Curchod).
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Autorin/Autor: Claude-Alain Paratte / ANS

2 - Mittelalter

Im 11. Jh. bestand V. aus einem Kern mit den beiden Flecken Vieux-Mazel und Oron. Ersterer war von der Fam. de Blonay auf Land, das sie vom Bf. von Lausanne erhalten hatte, gegründet worden, Letzterer von den Herren von Oron, denen die de Blonay wahrscheinlich einen Teil ihrer Güter zu Lehen gegeben hatten. Das 1147 erw. Spital Mont-Joux bei der Brücke über die Veveyse unterstand dem Priorat vom Gr. St. Bernhard. Die Bf. von Sitten und Lausanne, die Abtei Saint-Maurice und das Kapitel Lausanne besassen ebenfalls Güter und Rechte in V. Der Bf. von Sitten unterstellte seine Ländereien dem Schutz des Gf. von Genf und des Herrn über das Faucigny, der auch die Kastlanei V. übernahm. Von ihm kam die Kastlanei an Rudolf III. von Greyerz, der sie 1257 an Peter II. von Savoyen verkaufte. Dieser richtete zwei vererbbare Gerichtsherrschaften ein: die Kastvogtei, die 1267 an die Fam. de Blonay ging, und das Meieramt, das an die Herren von Oron kam.

Die de Blonay dehnten ihre Herrschaft durch die Gründung der Flecken Blonay (1280) und Bottonens (1341) östlich von Vieux-Mazel aus. Die Herren von Oron dagegen vergrösserten ihr Territorium im Westen, wo sie zwischen 1238 und 1241 den Bourg franc gründeten und mit einem Freiheitsbrief austatteten, der auch von den übrigen Stadtquartieren sowie den Flecken Villeneuve (1290), Le Marché (vor 1356) und Le Sauveur (vor 1397) übernommen wurde. Gf. Amadeus VI. von Savoyen versah die Stadt 1370 mit einem Freiheitsbrief. 1376 und 1379 vereinigte er unter seiner Herrschaft die Rechtsprechung der Mitbesitzer von V. und wies die Aufgaben des Kastvogts und des Meiers dem Kastlan von La Tour-de-Peilz zu. Er liess die versch. befestigten Flecken mit einer neuen Ringmauer umgeben und fasste sie zu einer polit. Einheit in der Vogtei Chablais zusammen. V. wurde von einem Zwölferrat und einem Zweitrat mit 60 Mitgliedern verwaltet. 1406 bestätigte Amadeus VIII. die Rechte und den Freiheitsbrief von V., das damals schon ein wichtiger Markt- und Handelsplatz für das Wallis, das Pays-d'Enhaut und Freiburg war. 1459 verpfändete Hzg. Ludwig von Savoyen V. und La Tour-de-Peilz wegen finanzieller Schwierigkeiten an seine Gläubiger Freiburg und Bern. Während der Burgunderkriege wurde die Stadt 1475 mehrmals geplündert und 1476 in Brand gesetzt. Gegen Ende der savoy. Herrschaft stand V. unter der Oberhoheit des Herzogs und war zwischen François de Luxembourg-Martigues, der die Rechte über seine Ehefrau Louise von Savoyen erhalten hatte, und Charles de Challand, Frh. von Le Châtelard, aufgeteilt.

Die im 12. Jh. erstmals erw. Kirche Saint-Martin geht wohl auf eine frühma. Gründung zurück. Ab 1496 wurde sie neu gebaut und in der Reformation zu einer ref. Kirche umgewandelt. V. war Sitz des 4. Dekanats der Diözese Lausanne. Zur 1228 erstmals erw. Pfarrei gehörte bis 1584 La Tour-de-Peilz. Das 1297/1301 gegr. Augustinerkloster wurde 1312 aufgegeben. Das Klarissenkloster Sainte-Claire, das 1422 von Amadeus VIII. und der hl. Colette von Corbie gegründet worden war, wurde 1536 säkularisiert und die Kirche für den ref. Gottesdienst genutzt.

Autorin/Autor: Elisabeth Salvi / ANS

3 - Frühe Neuzeit

Während der Eroberung der Waadt 1536 stritten sich Bern und Freiburg, das einen Hafen am Genfersee anstrebte, um V. Bern ging siegreich aus dem Konflikt hervor und schuf die Landvogtei Chillon, die ab 1735 V. hiess, als der Landvogteisitz in die Stadt verlegt wurde. V. besass ein Strafgericht, dem der Untervogt vorsass. Die städt. Behörden wurden erweitert um einen Dreissigerrat, der sich um Appellationen in Policeysachen kümmerte, und um einen die Bürgerversammlung ersetzenden Rat mit 120 Mitgliedern. 1710 zogen die städt. Behörden von einem Gebäude im neuen Spital von Vieux-Mazel in das heutige Rathaus um.

Im Ancien Régime entwickelte sich V. zu einer Durchgangsstadt. Sie erlebte dank vier Jahrmärkten einen wirtschaftl. Aufschwung und etablierte sich als wichtiger Markt für Häute und Leder aus dem Wallis und aus Freiburg. Ab 1671 bestand ein erster privater Postdienst. Auf der Veveyse wurde Holz transportiert und ihre Wasserkraft trieb an einem Seitenkanal Mühlen an. Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes trafen ab 1685 rund 700 franz. Glaubensflüchtlinge in V. ein, welche die städt. Wirtschaft durch Handel und die Einführung neuer Industriezweige (Hutmacherei, Gerberei, Uhrmacherei, Tabak) belebten. 1698 waren mehr als 260 Flüchtlingsfamilien in V. niedergelassen. Nach dem Stadtbrand von 1688 reagierte der Rat unter dem Eindruck der neuen Wirtschaftspolitik Berns rasch und gewährte den neu ankommenden Unternehmern Darlehen und Unterkunft. Der Franzose Isaac Chenebié betrieb in V. die erste Druckerei, die ab 1707 den "Messager boiteux" vertrieb. die franz. Ausgabe des in Basel herausgegebenen Almanachs "Der Hinkende Bote" (ab 1799 unter dem Titel "Le Véritable Messager boiteux de V."). 1733 eröffneten David Doret und sein Vater ein Marmorwerk. Es hatte länger Bestand als die Uhrmacherei, die wegen der Konkurrenz aus Genf und dem Jura am Ende des Ancien Régime verschwand. Mit der Waadtländer Revolution wurde V. zum Hauptort des gleichnamigen Distrikts und späteren Bezirks erhoben (1798-2006). Am 24.3.1799 wurde eine Munizipalität gewählt, die den Zwölferrat ablöste. Neun Munizipalräte und zwei Sekr. bildeten die Gemeindekammer. Während der Revolution fand 1797 erstmals die Fête des Vignerons statt.

Autorin/Autor: Elisabeth Salvi / ANS

4 - 19. und 20. Jahrhundert

Die Stadt breitete sich im 19. Jh. im Westen über die Veveyse, im Osten über den Ognonaz hinaus aus. Die Ringmauer war bereits niedergerissen und die neun Stadttore waren nach den Bränden von 1676, 1688 und 1732 sowie den Überschwemmungen von 1701 und 1726 z.T. abgebrochen worden. Das Kornhaus (Grenette) wurde 1808 errichtet. 1840 liess Jacques Edouard Couvreu an der Stelle eines alten Gebäudes das Schloss Aile im neogoth. Stil bauen. 1830 wurden die Mühlen am Kanal Monneresses abgerissen, um einem Kasino Platz zu machen (1880 restauriert). Das Theater wurde 1868 eingeweiht (1992 neu eingerichtet). Vincent Perdonnet veranlasste 1839 die Änderung der Strassennamen. 1814 erhielt der Platz Ronjat, 1817 der Platz Le Sauveur einen Brunnen. 1842 wurde neben dem von Michel-Vincent Brandoin gestalteten Brunnen mit drei Becken der Uhrturm, auch Tour Orientale genannt, errichtet. Die Strassenbeleuchtung mit Gaslaternen wurde 1863 eingeführt. 1888 verkehrte erstmals eine elektr. Strassenbahn auf der Strecke V.-Montreux-Chillon. Sie wurde 1958 durch einen Trolleybus ersetzt. Die Schiffsanlegestellen entstanden zwischen 1853 und 1873. Der Bahnhof an der Simplonlinie wurde 1862 eröffnet, die Standseilbahn V.-Chardonne-Mont-Pèlerin 1900, die Eisenbahnlinie von V. nach Chamby 1902 und jene von V. nach Châtel-Saint-Denis 1904. Diese Bahnverbindungen verliehen dem Gastgewerbe Auftrieb. Neben dem Hotel Trois-Couronnes (1842) nahmen die Hotels Park Moser (1850), Grand-Hôtel (1867), Du Lac (1868) und zahlreiche Pensionen den Betrieb auf (1936 136'200 Übernachtungen, 1960 232'000, 2010 113'600).

<b>Vevey (Gemeinde)</b><br>Die Stadt und der Genfersee aus der Vogelschau. Kolorierte Lithografie von  Alfred Guesdon,   um 1862 (Musée historique de Vevey; Fotografie Studio Curchod).<BR/>Guesdon hatte in der Serie "La Suisse à vol d'oiseau" bereits 1858 eine ähnliche Darstellung veröffentlicht. Einige Jahre später verwendete er diese Ansicht nochmals, fügte jedoch die Eisenbahnlinie mit der Brücke über die Veveyse (im Vordergrund) und den Bahnhof hinzu, während er an der Stadt nichts änderte. Links über der Altstadt ist die Kirche Saint-Martin mit ihrem Friedhof zu erkennen, rechts am See liegt der Marktplatz. An ihn grenzt das im neogotischen Stil erbaute Schloss Aile, das der Architekt Philippe Franel zwischen 1840 und 1846 erbaut hat. Im 19. Jahrhundert wuchs die Stadt ausserhalb der mittelalterlichen Mauern rasant.<BR/>
Die Stadt und der Genfersee aus der Vogelschau. Kolorierte Lithografie von Alfred Guesdon, um 1862 (Musée historique de Vevey; Fotografie Studio Curchod).
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In V. niedergelassene Ausländer und grosse Unternehmungen beeinflussten das Kulturleben der Stadt stark. Die kath. Pfarrei wurde 1834 gegründet. Die 1839 geweihte kath. Kirche wurde 1872 durch das heutige Gotteshaus ersetzt. Die russ. Kirche wurde 1878 errichtet, die englische zwischen 1880 und 1882. 1880 entstand der Verein des späteren Museums Jenisch, das 1897 dank eines Legats von Fanny Jenisch, der Witwe eines Senators aus Hamburg, gegründet wurde. Das Museum beherbergt seit 1987 auch die Sammlung der Fondation Kokoschka, seit 1989 die graf. Sammlung des Kantons und seit 2004 das Centre national du dessin. Das Schweizer Fotoapparatemuseum wurde 1979 eröffnet, das von Nestlé gegr. Alimentarium 1985.

Der Bau des Spitals Le Samaritain 1857 wurde durch Spenden finanziert, das Spital La Providence geht auf eine private Stiftung von 1866 zurück. Zu Beginn des 21. Jh. wurden diese Spitäler mit jenen von Montreux und Mottex (Gem. Blonay) zum Spitalnetz Hôpital de la Riviera und jenes wiederum 2014 mit dem Hôpital du Chablais zum Hôpital Riviera-Chablais, Vaud-Valais zusammengelegt (geplanter Neubau in der Gem. Rennaz).

1287 wird ein magister scolarum Viviaci erwähnt. Die Lateinschule Les Innocents bereitete Jugendliche auf das Priesteramt vor. Die heutige Sekundarschule von 1838 stand anfänglich nur Knaben offen. Die Höhere Töchterschule wurde 1877 eingerichtet, die Knabenprimarschule 1909. Zum klass. und naturwissenschaftl. Gymnasium kam 1914 eine Gewerbeschule (seit 2002 Hochschule für angewandte Kunst) und 1915 eine Handelsschule hinzu.

Die Nahrungsmittelindustrie fasste in V. mit der von François-Louis Cailler 1819 in Corsier-sur-V. gegr. ersten Schweizer Schokoladefabrik Fuss. Die Firma, die ab 1911 Peter-Cailler-Kohler SA hiess, fusionierte 1929 mit Nestlé, an deren Hauptsitz in V. 2010 1'600 Angestellte arbeiteten. Die Tabakindustrie erfuhr mit der 1848 von Bernard Lacaze gegr. Tabakmanufaktur, der späteren Rinsoz & Ormond Tabacs SA (1930-2004), einen Aufschwung. Sie erhielt Konkurrenz von mehreren anderen Tabakverarbeitern in V. 1890 beschäftigte die Tabakindustrie 800 Personen. 1842 schuf Benjamin Roy die Ateliers de Constructions Mécaniques de Vevey, die sich u.a. auf den Bau von Turbinen spezialisierten. Die industrielle Entwicklung zog die Gründung von Banken nach sich, so entstand 1814 die Caisse d'Epargne des Bez. V. als erste derartige Institution im Kanton. 1850 eröffnete die Waadtländer Kantonalbank eine Niederlassung in V.

Die einst auf Landwirtschaft und v.a. auf den Weinbau ausgerichtete Gem. wandelte sich im 19. und 20. Jh. zu einer von Industrie, Tourismus und Handel geprägten Stadt. Während der Blütezeit der Industrie zwischen 1880 und 1910, als immer mehr Arbeiter zuzogen, wurde V. nach Lausanne zur Stadt mit dem zweitgrössten Bevölkerungswachstum im Kanton. Die Krise der 1990er Jahre traf V. hart: Zahlreiche Unternehmen mussten den Betrieb einstellen. Zu Beginn des 21. Jh. war V. das Zentrum des Entwicklungsgebiets am oberen Genfersee, in dem die Gem. im Bereich der Infrastruktur zusammenarbeiten, bei der Wasserversorgung bereits seit 1890. Seit 2003 befindet sich das Agglomerationsprojekt V.-Montreux-Riviera in Prüfung. 2000 ging mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen einer Arbeit ausserhalb der Gem. nach, v.a. in Montreux und La Tour-de-Peilz.

Autorin/Autor: Elisabeth Salvi / ANS

Quellen und Literatur

Literatur
– A. Cérésole, Notes historiques sur la ville de V, 1890 (Nachdr. 1990)
– E. Recordon, Etudes historiques sur le passé de V., 3 Bde., 1944-46 (Nachdr. 1970)
– A. Hilfiker, V., centre économique régional, 1966
– A. de Montet, V. à travers les siècles, 1978
HS V/1, 601-605
– P. Bissegger, «Une dynastie d'artisans vaudois: les marbriers Doret», in ZAK 37, 1980, 97-122
– S. Martin-Kilcher, «Das kelt. Gräberfeld von V. VD», in JbSGUF 64, 1981, 107-156
– L. Auberson, M. Martin, «L'église de Saint-Martin à V. au haut Moyen Age et la découverte d'une garniture de ceinture en os gravé», in ArS 14, 1991, 274-292
– M.-J. Ducommun, D. Quadroni, Le Refuge protestant dans le Pays de Vaud (fin XVIIe-début XVIIIe s.), 1991, 152-158
– L. Napi, V. après le grand incendie de 1688, Liz. Lausanne, 1992
– I. Ackermann-Gachet, «Le pont Saint-Antoine à V. et sa reconstruction au début du XIXe siècle sur le plan de Nicolas Céard», in Des pierres et des hommes, hg. von P. Bissegger, M. Fontannaz, 1995, 499-522
– C.-A. Paratte, «V. VD, Sainte-Claire», in ZAK 85, 2002, 331
INSA 9, 423-520