Monetarismus

Theorie und Doktrin, die besagt, dass Veränderungen in der vorhandenen Geldmenge die Entwicklung der Produktion, der Beschäftigung und der Preise massgeblich beeinflussen. Bereits im 16. Jh. stellten Nikolaus Kopernikus oder Jean Bodin Überlegungen zu einer quantitativen Geldtheorie an. Modernisiert und neu konzipiert, entstand der M. Anfang der 1950er Jahre in den USA als Reaktion auf den Keynesianismus. Wichtigster Monetarist war Milton Friedman, der Kopf der Chicagoer Schule. Der Begriff des M. wurde vom Schweizer Ökonomen Karl Brunner (1916-89) geprägt, der zahlreiche Artikel und Werke zur sog. M.-Kontroverse beisteuerte. Brunner gilt als einer der entschiedensten Verfechter des Neoliberalismus, dies im Gegensatz zu Jürg Niehans, einem weiteren bekannten Schweizer Monetaristen.

Der Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems (fixe Wechselkurse) verschaffte den monetarist. Konzepten, die dessen Scheitern vermutlich beschleunigt hatten, weiter Auftrieb. Monetaristen übten einen beträchtl. Einfluss auf die Geld- und Währungspolitik der industrialisierten Länder aus. Die Schweizerische Nationalbank (SNB), deren Forschungsabteilung damals in den Händen von überzeugten Monetaristen wie Kurt Schiltknecht (geboren1941) lag, beschloss 1973 als eine der ersten Zentralbanken, auf Interventionen am Devisenmarkt grundsätzlich zu verzichten und ihre Geldpolitik strikte auf vorher festgelegte Geldmengenziele (Geldmenge) auszurichten. Angesichts der zunehmenden Instabilität der Geldnachfrage distanzierte sich die SNB 2000 von dieser Praxis und somit auch von den monetarist. Grundsätzen.


Literatur
– J. Niehans, The Theory of Money, 1978
– D. Nilles, Le monétarisme helvétique est-il mort en 1988?, 1994
– K. Brunner, Monetary Theory and Monetary Policy, hg. von T. Lys, 1997, (Gesammelte Aufs.)
– R. Fink, Le monétarisme et son influence sur la politique monétaire de la Banque nationale suisse à partir du début des années 70, Liz. Freiburg, 1999
Die schweiz. Nationalbank, 1907-2007, 2007

Autorin/Autor: Marian Stepczynski / GL