• <b>La Tour-de-Peilz</b><br>"Plan de la Ville de La Tour De Peyl", gezeichnet von  Jean Grenier und Jean-François Michel  anlässlich der Erstellung eines neuen Lehensgüterverzeichnisses zu Handen der Berner Obrigkeit, 1697 (Archives cantonales vaudoises, Gb 347/a2, Foto Rémy Gindroz). Dieser Katasterplan zeigt das zur bernischen Vogtei Chillon gehörende Städtchen mit der Kirche Saint-Théodule (oben), die teilweise in die Stadtmauer integriert ist, und der weiter unten liegenden Grande Rue, welche den Ort von Westen nach Osten durchquert und von Lausanne zum Grossen Sankt Bernhard führt. An dieser Strasse liegt der kleine gedeckte Brunnen der Gemeinde. Im unteren Teil der Darstellung sind neben der Kartusche die Umfassungsmauer des Schlosses und der kleine Hafen erkennbar, den die Bürgerschaft bauen konnte, nachdem ihr die Berner 1644 den östlichen Schlossgraben zu diesem Zweck überlassen hatten. Mit den beiden Nauen deutet der Zeichner an, dass der Genfersee von der Schifffahrt genutzt wurde.

Tour-de-Peilz, La

Polit. Gem. VD, Bez. Riviera-Pays-d'Enhaut. Kleinstadt am Genfersee zwischen Vevey und Montreux. 1163 Turre, 1229 Pel, 1294 Turrim de Peilt, dt. früher Vivis zum Thurn. 1764 638 Einw.; 1798 778; 1850 1'035; 1900 2'417; 1950 5'015; 2000 10'230. Pfähle und eine Axt aus dem Neolithikum, kleines latènezeitl. Gräberfeld, ein Meilenstein und Siedlungsspuren aus röm. Zeit sowie ein ausgedehnter frühma. Friedhof mit rund 578 Gräbern (6.-9. Jh.). Um die Mitte des 12. Jh. gehörte das Gebiet von La T. den Bf. von Sitten, die es den Gf. von Genf zu Lehen gaben. Diese verliehen den nördl. Teil an die Herren von Fruence, den südl. Teil an Ministeriale, die den Namen La T. annahmen (1160 erstmals erw.). Zwischen 1248 und 1255 erwarb Peter II. von Savoyen das Gebiet von La T. und alle damit verbundenen Rechte, darunter den Salzzoll. Hugues de Palézieux erbte 1268 die Kastlanei La T. und trat sie dem Gf. Philipp I. von Savoyen ab. Dieser gründete 1282 eine neue, mit Freiheitsrechten ausgestattete Stadt an der Ostgrenze des Herrschaftsgebiets des Bf. von Lausanne und an der Strasse zum Gr. St. Bernhard. Um seine Position zu stärken, liess er die Burg 1282-88 vergrössern und eine Stadtbefestigung bauen (ab 1284 aus Holz, ab 1288 Mauerwerk). Das Städtchen wurde von einem Kastlan verwaltet, dem ab 1341 Bürgermeister zur Seite standen. Seine Entwicklung verdankte es einem Wochenmarkt und zwei Jahrmärkten. Während der Burgunderkriege wurde 1476 der Ort geplündert und die Burg von den Bernern in Brand gesteckt.

1536-1798 gehörte La T. zu den bern. Vogteien Chillon bzw. Vevey (ab 1735), in denen es nach der Abtrennung von der Kastlanei Vevey 1642 wieder eine eigenständige Kastlanei bildete. Die Stadt regierte ein Zwölferrat, aus dessen Mitgliedern alle zwei Jahre ein Bürgermeister gewählt wurde. Der Gerichtshof unterstand Bern für die mittlere und hohe Gerichtsbarkeit. Den Turm der Burg nutzten die Berner als Gefängnis. 1644 überliessen sie den östl. Graben der Bürgerschaft von La T. für den Ausbau des Hafens, der 1766-70 neu gestaltet wurde. 1749 kaufte Jean Grésier, Bau- und Festungsinspektor des franz. Königs, die Überreste der Burg, die er teilweise wieder aufbaute, und erlangte von Bern gleichzeitig auch die niedere Gerichtsbarkeit über die dazugehörigen Ländereien.

Die Kapelle Saint-Théodule, 1307 als Filiale der Kirche Saint-Martin von Vevey erbaut, wurde in den Burgunderkriegen teilweise zerstört. Nach der Restauration wurde sie ab 1536 für den ref. Gottesdienst genutzt. 1792-96 wurde sie vergrössert und zur Pfarrkirche umgebaut, nachdem La T. 1783 zur Kirchgemeinde erhoben worden war.

<b>La Tour-de-Peilz</b><br>"Plan de la Ville de La Tour De Peyl", gezeichnet von  Jean Grenier und Jean-François Michel  anlässlich der Erstellung eines neuen Lehensgüterverzeichnisses zu Handen der Berner Obrigkeit, 1697 (Archives cantonales vaudoises, Gb 347/a2, Foto Rémy Gindroz).<BR/>Dieser Katasterplan zeigt das zur bernischen Vogtei Chillon gehörende Städtchen mit der Kirche Saint-Théodule (oben), die teilweise in die Stadtmauer integriert ist, und der weiter unten liegenden Grande Rue, welche den Ort von Westen nach Osten durchquert und von Lausanne zum Grossen Sankt Bernhard führt. An dieser Strasse liegt der kleine gedeckte Brunnen der Gemeinde. Im unteren Teil der Darstellung sind neben der Kartusche die Umfassungsmauer des Schlosses und der kleine Hafen erkennbar, den die Bürgerschaft bauen konnte, nachdem ihr die Berner 1644 den östlichen Schlossgraben zu diesem Zweck überlassen hatten. Mit den beiden Nauen deutet der Zeichner an, dass der Genfersee von der Schifffahrt genutzt wurde.<BR/>
"Plan de la Ville de La Tour De Peyl", gezeichnet von Jean Grenier und Jean-François Michel anlässlich der Erstellung eines neuen Lehensgüterverzeichnisses zu Handen der Berner Obrigkeit, 1697 (Archives cantonales vaudoises, Gb 347/a2, Foto Rémy Gindroz).
(...)

1798-2006 gehörte La T. zum Bez. Vevey. Im 19. Jh. wählten Berühmtheiten (Prinzessin von Liegnitz, Gustave Courbet) und reiche Fam. den Ort als Wohnsitz und errichteten dort repräsentative Herrenhäuser (La Becque, La Doges, La Faraz, Schloss Sully). Weinbau und Landwirtschaft überwogen; daneben wurden am Ognonnaz noch einige Mühlen und Sägereien betrieben. Der wirtschaftl. Aufschwung begann mit der Firma Peter, Cailler, Kohler, Schweizer Schokoladen A.-G., die sich 1917 in La T. niederliess. Seit 1978 hat die Nestlé Suisse SA in La T. ihren Hauptsitz; infolge des geplanten Ausbaus soll die Zahl der Arbeitsplätze 2014 auf 700 steigen. Die moderne Stadtentwicklung nahm ihren Ausgang beim 1861 erbauten Bahnhof der Simplonlinie. 1977 wurde das Gymnasium Burier gegründet. Das 1979 von der Gem. erworbene Schloss beherbergt seit 1987 das Schweiz. Spielmuseum. Schloss Sully war 1986-96 Sitz des Art Center College of Design Europe. Anfang des 21. Jh. ist La T. Teil der Agglomeration Vevey-Montreux. 2000 arbeiteten mehr als drei Viertel der in der Gem. wohnhaften Erwerbstätigen auswärts.


Literatur
– A. de Montet, Histoire de la ville de La T., 1927 (Neudr. 1977)
– D. de Raemy, Un château... peut en cacher un autre, Liz. Lausanne, 1983
– A. Geiser, «Un trésor de monnaies de Pépin le Bref trouvé à La T. (VD)», in Schweizer Münzbl. 40, 1990, 94-105
– M. Klausener et al., «La T. VD: le cimetière du Clos d'Aubonne [...]», in ArS 15, 1992, 24-33
– I. Roland, L'église de La T., 1992
– D. Perreten, «La T. 1850-1914», in RHV, 2006, 253-279
– L. Steiner, La nécropole du Clos d'Aubonne à la T., 2 Bde., 2011

Autorin/Autor: Elisabeth Salvi / EM