Saint-Légier-La Chiésaz

Polit. Gem. VD, Bez. Riviera Pays-d'Enhaut, bestehend aus den Dörfern Saint-Légier und La Chiésaz sowie einigen Weilern. 1931 wurde das Gut Gilamont an Vevey abgetreten. 1228 Sanctus Leodegarus. 1764 589 Einw.; 1798 636; 1850 912; 1900 1'101; 1950 1'397; 2000 4'068. Zahlreiche Funde aus versch. Epochen: bronzezeitl. Beil, latènezeitl. Gräber in Hauteville, Münzen aus der späten Kaiserzeit, frühma. Gräber, Reste der ma. Kapelle Saint-Léger, kleine Burg. Ab 1079 gehörte S. zur Herrschaft Blonay (vallis de Blonay). 1257 übernahm Peter II. von Savoyen von den Gf. von Genf, den Lehensherren der Adligen von La Tour de Vevey, den unteren Teil des Gebiets von La Chiésaz. 1300 trat Jean de Blonay die Güter der späteren Freiherrschaft S. an Gf. Amadeus V. von Savoyen ab und empfing sie von ihm als Lehen wieder. Seine Nachkommen tauschten sie mit Amadeus VI. von Savoyen gegen die Burg von Denens. Nach mehreren Handänderungen kam S. 1565 an die de Blonay zurück und ging 1686 durch Erbschaft an die de Joffrey über. 1733 erwarb Jacques-Philippe d'Herwarth die Freiherrschaft und vereinte sie mit dem Gut Hauteville, wo die Cannac in den 1760er Jahren das Schloss erbauten. Unter bern. Herrschaft gehörte S. zur Vogtei, 1798-2006 zum Bez. Vevey. Die Gem. war Gerichtsort und wurde von zwei Räten, einem zwölf- und einem vierundzwanzigköpfigen, verwaltet. Die 1228 erw. Pfarrkirche aus dem 12. Jh. in La Chiésaz diente dem Benediktinerpriorat von Blonay, das 1221 mit demjenigen von Saint-Sulpice (VD) vereinigt wurde. 1830 zerstörte ein Brand grosse Teile von Saint-Légier. Gegen Ende des 19. Jh. waren noch über die Hälfte der Einwohner in der Landwirtschaft beschäftigt. Seine Nähe zu Vevey und Montreux machte S. als Produktionsstandort attraktiv. Der 2. und 3. Sektor entwickelten sich insbesondere dank der 1902 eröffneten Bahnlinie Vevey-Blonay-Chamby, die in den 1960er Jahren in eine Museumslinie umgewandelt, 1998 aber wieder in Betrieb genommen wurde, und der bis 1969 genutzten Strecke Vevey-Châtel-Saint-Denis. Im Gemeindegebiet von S. liegt die 1981 fertiggestellte Verzweigung der Autobahnen A12 (Vevey-Bern) und A9 (Lausanne-Wallis). Die auf einem Plan von 1699 erkennbare Mühle von Gilamont wurde 1860 von Pierre-Samuel Roussy gekauft. Sie zählte zu den grössten der Schweiz und belieferte Nestlé. 1920 ging sie an die Stadt Vevey über, die darin günstige Wohnungen einrichtete. 1874 wurde der Schiessstand Gilamont, 1969, 1972 und 1979 eine neue Schulanlage gebaut.


Literatur
HS III/1, 438-440
– F. Badel, F. Rosselet, L'église de la Chiésaz, 1991
– A. Schwab-Courvoisier, Y. Gasser, S., 1991

Autorin/Autor: Elisabeth Salvi / ASCH