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Blonay

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Polit. Gem. VD, seit 1798 Bez. Vevey, die aus B. (die Dörfer Tercier und Cojonnex wurden zu Quartieren von B.) und mehreren Weilern (darunter Les Chevalleyres) besteht und sich von ca. 500 bis ca. 1400 m ü. M. (Pléiades) erstreckt. Die Gem. B. erhielt ihren Namen von der Fam. de B. 861 Blodennaco, 1108 Bloniaco, im 13. Jh. Blonay, Blonai, Blunai. 1764 1'244 Einw. (inkl. Saint-Légier); 1798 800; 1850 832; 1900 1'048; 1950 1'351; 2000 4'695 Einw. B. gehörte zur gleichnamigen Grundherrschaft, die Ende des 12. Jh. die Gebiete von B., Saint-Légier-La Chiésaz, Corsier und Vevey umfasste und später mehrmals aufgeteilt wurde (Saint-Légier-La Chiésaz wurde 1363 eingetauscht, Ende des 16. Jh. zurückgekauft und kam dann durch Heirat an die Fam. de Joffrey). 1750 wurde die Grundherrschaft infolge finanzieller Schwierigkeiten an Emanuel Franz Rudolf von Graffenried verkauft. Die Herren von B. hatten bis 1798 die niedere, mittlere und hohe Gerichtsbarkeit inne (auf einem Plan von 1671 ist der Galgen zu sehen) sowie die Zehnt-, Weggeld-, Jagd- und Fischereirechte. 1806 kaufte Jean-Rodolphe-Frédéric de B. das Stammschloss zurück, das von da an in Familienbesitz blieb. Das seit 1184 nachgewiesene Schloss, das aus der 2. Hälfte des 12. Jh. stammt, kontrollierte einen strategisch wichtigen Durchgang im Tal der Veveyse. Im 15. Jh. wurde dem befestigten Bauwerk ein Bergfried und eine Umfassungsmauer beigefügt, zudem wurde ein Wohnteil mit Privatkapelle eingerichtet. Unter Berner Herrschaft (1536-1798) gehörte B. zur Vogtei Vevey. Die erst 1478 von der Steuer befreite Gem. wurde im 18. Jh. von zwei Räten verwaltet (Rat der Zwölf und der Vierundzwanzig). Kirchlich gehört B. seit jeher zu La Chiésaz. Die Kirche von La Chiésaz wurde 1105 erstmals erw., als sie vom Bf. von Lausanne an Robert, Abt von Molesme, übertragen wurde. Sie wurde zur Kirche eines kleinen benediktin. Priorats, das vor 1221 mit demjenigen von Saint-Sulpice zusammengelegt wurde, diente aber auch als Pfarrkirche. 1536 gingen nach der Eroberung durch Bern beide Priorate an Lausanne über. Sie wurden säkularisiert, und die Stadt übernahm die Rechte des Klosters. Die Kapelle Saint-Antoine in Tercier, die 1503 von dem aus einer Vasallenfamilie der B. stammenden Nicod de Cojonnay gegründet worden war, stand gestützt auf ein Privileg von 1507 dem Publikum offen. Nach der Reformation bekam B. ein Chorgericht. Zwei Drittel der Beisitzer wurden vom Herrn von B. und ein Drittel von demjenigen von Saint-Légier ernannt. Die kath. Kapelle Sainte-Croix wurde in den 1930er Jahren erbaut.

Ende des 18. Jh. war B. die ländlichste Gem. der Vogtei Vevey. 76% der Bevölkerung arbeiteten im 1. Sektor (v.a. Weinbau, Getreideanbau und Tierzucht). Noch im ausgehenden 19. Jh. war die Landwirtschaft die wichtigste Einkommensquelle. Die Bains-de-l'Alliaz nutzten im 19. Jh. eine Schwefelquelle. Die Entwicklung B.s wurde gefördert durch die 1902 eingeweihte Eisenbahn Vevey-B.-Chamby und die 1911 eröffnete Zahnradbahn B.-Les Pléiades. B.s wirtschaftl. Entwicklung entsprach derjenigen des Bezirks, die vor dem 1. Weltkrieg v.a. vom aufkommenden Regionaltourismus abhing. Ende des 20. Jh. weist B. zwar immer noch Bauernbetriebe und Weingüter auf, der grösste Teil der Bevölkerung ist jedoch im Industrie- und im Dienstleistungssektor tätig und arbeitet ausserhalb der Gemeinde. Der 1970 erstellte Zonenplan wurde 1976 überarbeitet. B. bemüht sich um die Ansiedlung kleiner Dienstleistungsbetriebe und um den Familientourismus (Ski- und Langlauf in Les Pléiades). Die 1960 aufgehobene Linie B.-Chamby wurde 1998 wieder in Betrieb genommen.


Literatur
– M. Reymond, D. Galbreath, B., 1950
– J.-P. Chapuisat, B., 1978
– M. Reymond, Le château de B., 1984
HS III/1, 438-440
La maison de Savoie et le Pays de Vaud, hg. von A. Paravicini Bagliani, J.-F. Poudret, 1989
– F. Badel, F. Rosselet, L'Eglise de la Chiésaz, 1991
B. vous informe, 1996-
– B. Jacot, Chroniques blonaysannes, 1999

Autorin/Autor: Elisabeth Salvi / BE