Lieu, Le

Polit. Gem. VD, Bez. La Vallée (1798-2006), seit 2006 Bez. Jura-Nord vaudois, am Ostufer des Lac de Joux. Die Gem. umfasst die Dörfer Le L. (1155 loco dompni Poncii heremite, 1408 le Lieu Poncet), Les Charbonnières (1489), Le Séchey (1489) und mehrere Weiler. 1382 30 Feuerstätten; 1483 13; 1550 43; 1764 980 Einw.; 1850 999; 1900 1'161; 1930 917; 1950 1'020; 1980 703; 2000 795. 1155 wurde in Le L. eine Klostergemeinschaft unbekannter Regel errichtet. Einer nicht bewiesenen Hypothese zufolge geht dieses Kloster auf den Eremiten Poncet zurück, der es zwischen dem 5. und 9. Jh. als Verbindung zwischen der Abtei Saint-Oyend (Gem. Saint-Claude) und Romainmôtier gegründet haben soll. Bei seiner Auflösung vor 1204 ging sein Besitz an die Prämonstratenserabtei Lac de Joux über. Die erste bekannte Besiedlung nach dem Abgang des Klosters datiert aus dem Jahre 1304, als Rodungszentrum des Vallée de Joux. Die Weiler wurden v.a. ab dem 16. Jh. bevölkert. Le L. gehörte 1334-1536 zur Kastlanei Les Clées, ab 1536 zur Landvogtei Yverdon und ab 1566 zu derjenigen von Romainmôtier. Die 1396 erw. Gemeinde erstreckte sich über das ganze Tal, 1571 wurde L'Abbaye selbstständig, 1646 Le Chenit. 1719 entstanden fünf Teilgemeinden. Im 18. Jh. wurde Le L. von einem Zwölfer- und einem Vierundzwanzigerrat geführt. Die Anzahl Teilgemeinden wurde 1939 auf drei reduziert, 2004 auf zwei (Aufhebung der Fraktion Le L.).

Die Kapelle Saint-Théodule von 1416 wurde von der benachbarten Abtei betreut, nachher vom Pfarrer von L'Abbaye. Die 1612 geschaffene Kirchgemeinde umfasste bis 1705 auch Le Chenit. Eine Strasse in die Franche-Comté (sog. Salzstrasse) war ab 1504 für kurze Zeit befahrbar. Die Eisenhütten von Les Charbonnières (1514) und Bonport (1524) waren bis gegen 1740 in Betrieb. Die Metall verarbeitenden Betriebe (1650-1750) wurden durch die Edelsteinschleiferei und nachher die von Genf abhängende Uhrenindustrie ersetzt. Diese herrscht heute noch vor, wobei v.a. Uhrenbestandteile hergestellt werden. Weitere Wirtschaftsfaktoren waren die Holz- (bis Ende des 19. Jh.) und die Milchwirtschaft (noch im 20. Jh., Vacherin). Seit 1899 besteht in L. ein Bahnhof an der Eisenbahnlinie Pont-Brassus. Ab Anfang des 20. Jh. entvölkerten sich die Weiler. 2000 machte der 2. Sektor etwas mehr als zwei Drittel der Arbeitsplätze aus; knapp über zwei Fünftel von ihnen waren durch Zupendler besetzt, darunter auch Grenzgänger.


Literatur
– A. Piguet, Le territoire et la commune du L. jusqu'en 1536, 1946
– P.-L. Pelet, Fer, charbon, acier dans le Pays de Vaud 2, 1978; 3, 1983
HS III/1, 262-271
– R. Rochat, 1396-1996, riche et belle histoire de la communauté du L., 1996

Autorin/Autor: Olivier Pichard / CN