03/03/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Chenit, Le

Polit. Gem. VD, seit 1798 Bez. La Vallée, an der franz.-schweiz. Grenze gelegen. Grosses Gebiet im oberen Teil des Vallée de Joux mit den drei Teilgemeinden Le Sentier, Le Brassus und L' Orient sowie zahlreichen Weilern. Es gibt keine Ortschaft mit der Bezeichnung Le C. 1489 Chinit. 1590 191 Einw.; 1609 309; 1764 1'733; 1850 2'766; 1900 3'796; 1950 4'604; 1970 5'465; 2000 4'297. 1489 als Sommerweidegebiet erwähnt. Das Gebiet von Le C. wurde durch Bewohner von Le Lieu kolonisiert und 1543 von den Weiden von Pré Rodet abgegrenzt, die den Gem. Bursins und Burtigny gehörten. Die erste dauerhafte Besiedlung ist 1547 belegt. Bis 1566 gehörte Le C. zur Landvogtei Yverdon, danach bis 1798 zur Landvogtei Romainmôtier. Die Gem. Le C. wurde 1646 von der Gem. Le Lieu abgetrennt und unter Berner Herrschaft von zwei Ratsgremien (12- bzw. 24-köpfiger Rat) verwaltet. Die autonomen Teilgemeinden entstanden 1900 (Le Sentier), 1904 (L'Orient) und 1908 (Le Brassus). 1612 wurde in Le Sentier eine Kirche gebaut, wo bis 1704 der Diakon von Le Lieu den Gottesdienst versah. Danach bildete Le C. eine eigene Kirchgemeinde, von der sich Le Brassus 1837 abspaltete. In der Gem. Le C. wurde karger Ackerbau und Viehzucht betrieben sowie Käse fabriziert, ab Ende des 19. Jh. erfolgte die Spezialisierung auf Jungvieh. Im 2. Weltkrieg wurde Torf abgebaut. 1555 setzte die Eisenverarbeitung in Le Brassus ein. Mehrere Glashütten entstanden, die erste ab 1557 in Pré Rodet. Zudem wurde Holz aus dem Wald des Grand-Risoux (Risoux) verarbeitet und eine Gerberei betrieben. An die Stelle dieser Gewerbe traten im 18. Jh. die Steinschneiderei (ab 1712, mit Höhepunkt in den 1770er Jahren), die Uhrmacherei (um 1737) und die Spitzenklöppelei (Ende 18. Jh.). 1769 erfolgten der Bau der Passstrasse über den Col du Marchairuz, 1899 der Anschluss ans Eisenbahnnetz durch die Privatlinie Le Pont-Le Brassus. 1902 öffnete eine techn. Schule für Uhrmacher und Mikromechaniker. Die grosse Wirtschaftskrise der 1930er Jahre hatte einschneidende Folgen (9,5 % Arbeitslose). Der 2. Sektor bot 2000, wie bereits im Jahr 1799, im Bereich der Luxusuhren und Uhren mit aufwändigen Komplikationen mehr als die Hälfte der Stellen.


Literatur
– A. Piguet, La commune du C., 3 Bde., 1947-71
– P.-L. Pelet, Fer, charbon, acier dans le Pays de Vaud, 2-3, 1978-1983
– C. Schindler-Pittet, «La commune du C. pendant la Seconde Guerre mondiale», in Etudes de Lettres, Nr. 3, 1979, 105-126

Autorin/Autor: Germain Hausmann / MF