Wynigen

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Burgdorf, Verwaltungskreis Emmental. Die weitläufige Gem. umfasst die Dörfer W. und Bickigen-Schwanden im Tal und die Weiler Rüedisbach, Kappelen, Mistelberg, Ferrenberg, Breitenegg und Brechershäusern sowie Hofgruppen und Einzelhöfe im Hügelland auf 500-849 m. 1887 wurde Brechershäusern, 1911 Bickigen-Schwanden eingemeindet, 1889 die Exklave Lünisberg an die Gem. Ursenbach abgetreten. 1185 Winingen. 1764 1'550 Einw.; 1850 2'897; 1880 3'085; 1900 2'735; 1950 2'386; 1980 1'827; 2000 2'037.

In W. traten ein hallstattzeitl. Grabhügel auf Füstlenberg, latènezeitl. Grabfunde in Bickigen, das prähist. Erdwerk Heidenstatt sowie die ma. Burgstellen Grimmenstein, Friesenberg und Schwanden zutage. Es gehörte zum zähring., ab 1218 kyburg. Gebiet im 1261-63 erw. officium Gutisberg. Kyburg. Dienstadel sicherte mit seinen Burgen die Übergänge von Willisau ins Emme-Aaregebiet, so die Herren von W., die Fries von Friesenberg (12.-14. Jh.) und die Grimmenstein (13.-14. Jh.), die sich im 13. Jh. in Bern (W., Fries, Grimmenstein) und Thun (Grimmenstein) einbürgerten und im 14. Jh. ausstarben. Ihre Burgen kamen schon vorher an andere kyburg. Ministeriale, so die Burg Grimmenstein an die von Rohrmoos und Friesenberg an die von Mattstetten. Im Burgdorferkrieg 1383-84 zwischen den Gf. von Kyburg und der Stadt Bern verlor Kyburg seinen Besitz in W. Bern belagerte die Burgen und zerstörte Friesenberg und evtl. Schwanden. Grimmenstein hingegen wurde übergeben und der Lehnshoheit Berns unterstellt. 1402 musste Kyburg sein Gericht Bickigen-Schwanden an Burgdorf sowie jenes in W. mit der Allmend und den Wäldern Hirseren, Kastel und Waldacker an Petermann von Rohrmoos auf Grimmenstein verkaufen. Ab 1406 unterstand W. in der Grafschaft Wangen der bern. Landesherrschaft. Im 14. Jh. gab es in W. viele bern. Ausburger, doch gelangte W. 1431 zum Ausburgerbezirk Burgdorf und wurde dorthin steuerpflichtig. 1497 kaufte Bern die Herrschaft W. mit der Burg Grimmenstein, dem Niedergericht W. sowie Wäldern und Höfen und übergab sie 1502 der Verwaltung des bern. Schultheissenamts Burgdorf.

Die Rechte an der 1275 erstmals erw. Kirche W., die im frühen 16. Jh. neu errichtet und 1671 umgebaut wurde, gehörten dem Haus Kyburg. 1383 kamen sie ans Ursenstift in Solothurn, das die Kirche inkorporierte und 1539 tauschweise Bern übergab. Die in Kappelen gelegene Kapelle (1275 Cappell) der Burg Friesenberg war eine Eigenkirche mit Pfarreirecht und keine Filiale von W. Sie dürfte mit der 1426-47 bezeugten Kapelle St. Ulrich im Graben bei W. identisch sein, die nach der Reformation einging.

Das ma. Zelgdorf W., ohne Bickigen und Höfe, hatte Weidenutzung in den Herrschaftswäldern (1502). 1503 teilten die Bauersamen von Wil, Alchenstorf und W. ihre Allmend, wodurch sie die westl. Gemeindegrenze festlegten. Einschläge in der Allmend mussten der Obrigkeit mit Urteil von 1521 und 1658 verzinst werden. 1520 fanden Rodungen im Kastelwald, 1574 im Eichwald statt, 1627 entstand eine Zelg am Mieschberg. 1771-72 gerieten die Bauern und Tauner um die Aufteilung der Allmend in Streit, die 1815 endgültig vollzogen wurde. Alle grossen Einzelhöfe mit Getreidebau und Viehwirtschaft sind schon im 13. und 14. Jh. bezeugt. Das dörfl. Handwerk war z.T. grossräumig organisiert, so 1578 in der oberaarg. Schneiderorganisation. Trotz guter Verkehrslage an der Landstrasse Burgdorf-Langenthal und der 1857 eröffneten Station der Bahnlinie Olten-Bern sowie Gewerbe fasste die Industrie in W. nie richtig Fuss. Entweder wanderten Firmen wie die mechan. Werkstätte Aebi nach Burgdorf oder eine Bisquitfabrik nach Hindelbank ab, oder sie gingen wie eine Bierbrauerei, Mosterei und Weichkäserei wieder ein. Die 1930 gegr. Spar- und Leihkasse W. existiert nach wie vor. Die Landwirtschaft im Hügelland stellte zuerst auf Milchwirtschaft um mit Käsereien in Friesenberg, Breitenegg und W. Die Gem. umfasste die Schulkreise Dorf W. mit der 1835 gegr. Sekundarschule, Kappelen, Mistelberg und Rüedisbach. Sinkende Schülerzahlen führten ab 2007 zur Zentralisation des Schulbetriebs im Dorf W. und in Kappelen.


Literatur
– P. Bannwart et al., Bauinventar der Gem. W., [1989]
– M. Zürcher et al., 825 Jahre W., 2010

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler