No 1

Pol, Luzius

geboren 18.3.1754 St. Moritz, gestorben 2.12.1828 Fideris, ref., von Malix und ab 1791 von Luzein. Sohn des Jan Tamin, Schuhmachers, und der Anetta Castel, von Pany (Gem. Luzein). ∞ 1787 Elsa Flütsch, Tochter des Christian, Landwirts, von Pany. 1764-72 erhielt P. eine humanist.-theol. Ausbildung durch Pfarrer Luzius Bansi, mit dem er 1769-70 in der dt. Herrnhuter Gem. Neuwied (Rheinland) weilte. 1772 wurde er in die Bündner Synode aufgenommen (1821 deren Präs.). 1772-75 wirkte P. als Pfarrer in Schuders (heute Gem. Schiers), 1776-90 in Luzein, 1792-99 in Fläsch, 1803 in Malix, 1804-14 wieder in Luzein und schliesslich ab 1823 in Fideris. 1799-1801 befand er sich in österr. Geiselhaft in Innsbruck und Graz, wo er sich an den dortigen Universitäten weiterbildete. Nach der Rückkehr geriet er in eine religiöse Krise. 1802-03 hielt er sich erneut in Neuwied auf. P. leistete als Autodidakt ab 1803 Pionierarbeit bei der Eindämmung der Landquart und entfaltete eine reiche gemeinnützige und wissenschaftl. Tätigkeit als Botaniker, Entomologe, Landwirt, Geograf, Alpinist und Pädagoge. Er schrieb für die Wochenschrift "Der Sammler" und "Der Neue Sammler" und gründete 1825 die Naturforschende Gesellschaft Graubündens mit.


Literatur
– J. Zimmerli, Dekan Luzius P. (1754-1828), 1923
Bedeutende Bündner aus fünf Jahrhunderten 1, 1970, 374-382
Neue Bündner Ztg., 23.1.1971
– H. Finze-Michaelsen, Pioniergeist im Prättigau, Luzius P. 1754-1828, 2004
– D.L. Fischer, «Der Bündner Theologe Lucius P. und die Landquartkorrektion», in Wasser, Energie, Luft, 2009, H. 3, 227-230

Autorin/Autor: Karin Marti-Weissenbach