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Lenzburg, Bernhard Emmanuel von

getauft 29.11.1723 (François-Pierre-Emmanuel Lentzburger) Freiburg, gestorben 14.9.1795 Freiburg, kath., von Freiburg. Sohn des Jean-Antoine Lentzburger und der Marie-Ursule de Vevey. 1766 erlangte die Fam. die Erlaubnis, den Namen Lentzburger in von Lenzburg umzuwandeln. Nach dem Besuch des Kollegiums St. Michael in Freiburg trat L. ins Zisterzienserkloster Hauterive ein und legte 1741 das Gelübde ab. 1747 erhielt er die Priesterweihe. Als Abt von Hauterive (ab 1761) beendete er den Bau des Westflügels der Abtei im barocken Stil, bereicherte die Bibliothek, beschäftigte sich mit der Geschichte von Hauterive und der Diözese Lausanne und stand mit zahlreichen Gelehrten in Briefkontakt. Als Delegierter des Nuntius Giovanni Battista Caprara promulgierte er 1778 die päpstl. Bulle über die Auflösung der Kartause La Valsainte. Angesichts des Widerstands der Freiburger Regierung gegen die Wahl des ehem. Jesuiten Niklaus Albert von Diesbach zum Bischof, ernannte Papst Pius VI. L. 1782 zum Bf. von Lausanne und erteilte ihm die Erlaubnis, sein Amt als Abt von Hauterive zu behalten. 1783 wurde L. in Bellelay durch den stellvertretenden Bf. von Basel Johann Baptist Joseph Gobel geweiht. Er visitierte seine Diözese (bis 1786), publizierte 1785 einen neuen Katechismus und begann 1787 mit Hilfe des Chorherrn Charles-Aloyse Fontaine die Reform des Diözesanbreviars nach dem Modell der Breviere von Paris und Besançon. Obwohl er einer Erneuerung der kath. Kirche offen gegenüberstand, kritisierte er gewisse antireligiöse Tendenzen der Aufklärung und verurteilte revolutionäre Schriften. Nach dem Tod des Bf. Raymond de Durfort 1792 wurde er apostol. Verwalter des Erzbistums Besançon und der Diözese Belley. Er ernannte zwölf Generalvikare und rügte den verfassungstreuen Klerus Frankreichs. Die franz. Bischöfe und andere Exilgeistliche fanden bei ihm entschiedene Unterstützung. L. setzte sich für das Projekt eines Diözesanseminars ein. 1786 Ehrenmitglied der Akad. der Wissenschaften von Besançon.


Literatur
HS I/4, 165-167; III/3, 237-240

Autorin/Autor: Marie-Anne Heimo / MD