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Humlikon

Polit. Gem. ZH, Bez. Andelfingen, Haufendorf südlich der Thur im Zürcher Weinland. 1228 Humlincon. 1467 ca. 60 Einw.; 1634 178; 1850 346; 1880 320; 1900 263; 1950 213; 2000 408. Der Name auf -ikon deutet auf eine alemann. Gründung im FrühMA hin. 1228 erscheint der Ort als Sitz der Frh. von H., die im 14. Jh. ausstarben. Der Kehlhof gehörte dem Domstift Konstanz und kam 1450 an die einheimische Fam. Stucki. Nieder- und Hochgerichtsbarkeit übte um 1400 die Herrschaft Andelfingen aus. Mit dieser gelangte H. 1434 von den Hohenlandenbergern an die Stadt Zürich und verblieb bis 1798 im Unteramt der Zürcher Landvogtei Andelfingen. 1518 kaufte die Dorfgemeinde die aufgelassene Siedlung Dindlikon (1238 in kyburg. Besitz); das aufgeforstete Hofgebiet wurde zu einer wichtigen Einnahmequelle der Gem., in der hauptsächlich Acker- und Weinbau betrieben wurde. Kirchlich gehörte H. immer zu Andelfingen. 1798 wurde H. der polit. Gem. Andelfingen zugeteilt, 1817 kam es als Zivilgemeinde zur neu gebildeten Gem. Adlikon. 1872 wurde H. durch eine kant. Volksabstimmung zur polit. Gemeinde. Das etwas abseits der Landstrasse gelegene Dorf erhielt 1857 beim Bau der Bahnstrecke Winterthur-Schaffhausen keine Station, da es die dazu notwendige Landabtretung verweigerte. Ab 1873 wurde H. von der Reisepost Henggart-Flaach bedient, die 1921 motorisiert wurde. Es blieb jedoch ein abgeschiedenes Bauerndorf mit wenig Gewerbe - 1873 ist eine Schmiede mit Schlosserei bezeugt - und fehlender Industrie. Die Folge war ein bis Mitte des 20. Jh. anhaltender Bevölkerungsrückgang. Nationale Bekanntheit erlangte H. am 4.9.1963 durch die Flugzeugkatastrophe von Dürrenäsch, bei der 43 Einwohner ums Leben kamen. Die zunehmende Motorisierung und der Bau der Weinland-Autobahn 1958 förderten den Wandel zu einer ländl. Wegpendlergemeinde; am Fuss des Goldenbergs entstand ab den 1970er Jahren ein Einfamilienhausquartier. 1977 wurde in H. die Heilpädagog. Schule des Bez. Andelfingen eröffnet.


Literatur
Kdm ZH 1, 1938, 197 f.
– E. Stauber, Gesch. der Kirchgem. Andelfingen 1, 1940, 97-100; 2, 1941, 656-664
– A. Spaltenstein et al., Der stille Wandel, 1997

Autorin/Autor: Ueli Müller