• <b>Gottlieb Sigmund Gruner</b><br>Frontispiz und Titelseite des ersten Bandes seines Hauptwerks, das 1760 bei Abraham Wagner in Bern erschien (Schweizerische Nationalbibliothek). Der Kupferstich von Adrian Zingg nach einer Zeichnung von Johann Ludwig Aberli, der von zwei Gedichtversen Albrecht von Hallers begleitet wird, zeigt die Staubbachfälle im Lauterbrunnental. Es handelt sich um eine der ersten nach der Natur gezeichneten Alpenansichten. Die Begegnung zwischen dem Maler Aberli, dem Dichter und Naturforscher Haller und dem Gelehrten Gruner steht für die Wiederentdeckung der Schweizer Alpen, die von nun an Scharen von Reisenden aus ganz Europa anziehen sollten.

No 6

Gruner, Gottlieb Sigmund

getauft 20.7.1717 Trachselwald, gestorben 10.4.1778 Utzenstorf, ref., von Bern. Sohn des Johann Rudolf ( -> 9). ∞ 1) 1755 Rosina Schnell, von Burgdorf, 2) 1764 Katharina Esther Delosea. Besuch der Lateinschule in Burgdorf. 1737 Sprachaufenthalt in Neuenburg. Stud. der Rechtswissenschaften in Bern, 1739 Notar. 1741 für kurze Zeit Archivar des Landgrafen von Hessen-Homburg. Als Hofmeister des Prinzen Christian von Anhalt-Schaumburg bereiste G. ab 1743 Preussen und Schlesien. 1749 war er Vizeamtsschreiber im bern. Thorberg, 1755 Fürsprech in Bern, 1764 Landschreiber von Landshut und Fraubrunnen. In seinem wegweisenden Werk "Die Eisgebirge des Schweizerlandes" (3 Bde., 1760-62) lieferte G. die erste allg. Eiszeit- und Gletschertheorie und die erste schweiz. Fundstellenkarte für Mineralien, in seinem "Versuch eines Verzeichnisses der Mineralien des Schweizerlandes" (1775) den ersten Klassifikationsversuch der Schweizer Mineralien. G. baute eine reiche Mineralien- und Fossiliensammlung auf. Ab 1762 war er Mitglied der Ökonom. Gesellschaft Bern, die ihm sechs Mal einen Preis verlieh. Als Aufklärer hatte er weit gespannte Interessen, jedoch keinen Anspruch auf wissenschaftl. Genauigkeit.

<b>Gottlieb Sigmund Gruner</b><br>Frontispiz und Titelseite des ersten Bandes seines Hauptwerks, das 1760 bei Abraham Wagner in Bern erschien (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>Der Kupferstich von Adrian Zingg nach einer Zeichnung von Johann Ludwig Aberli, der von zwei Gedichtversen Albrecht von Hallers begleitet wird, zeigt die Staubbachfälle im Lauterbrunnental. Es handelt sich um eine der ersten nach der Natur gezeichneten Alpenansichten. Die Begegnung zwischen dem Maler Aberli, dem Dichter und Naturforscher Haller und dem Gelehrten Gruner steht für die Wiederentdeckung der Schweizer Alpen, die von nun an Scharen von Reisenden aus ganz Europa anziehen sollten.<BR/>
Frontispiz und Titelseite des ersten Bandes seines Hauptwerks, das 1760 bei Abraham Wagner in Bern erschien (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Literatur
– R. Wolf, Biogr. zur Kulturgesch. der Schweiz 4, 1862, 161-172
NDB 7, 229 f.
– A.-E. Vögele, «Eiszeitforschung», in Mitt. der Naturforschenden Ges. Luzern 29, 1987, 18-20
– N. Broc, Les montagnes au siècle des lumières, 21991, 199-201

Autorin/Autor: Karin Marti-Weissenbach