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Rougemont (Gemeinde)

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Polit. Gem. VD, Bez. Riviera-Pays-d'Enhaut. Umfasst neben R. und Flendruz auch zahlreiche Weiler, darunter Le Vanel und Ciernes-Picat. 1115 Rubeus Mons, Rogemot, dt. früher Retschmund. 1416 80 Feuerstätten; 1764 1'287 Einw.; 1850 1'190; 1880 1'256; 1900 1'189; 1930 1'150; 1950 922; 2000 901. Die Siedlung breitet sich im Grund des Saanetals, an dessen Hängen und an jenen der Seitentäler aus (Manche, Ciernes-Picat, Fenils). Sie bildete sich ab etwa 1080 um das Priorat R., dessen Kirche Saint-Nicolas vor 1228 Pfarrkirche wurde. R. unterstand den Gf. von Greyerz, die sich ab dem 15. Jh. von einem Kastlan vertreten liessen, und dem Prior von R., dem ein Mistral zur Seite stand. Es gehörte zum Banner der Burg Vanel, die im 12. Jh. erbaut worden war und nach 1407 verfiel. 1398 befreite der Graf, 1456 der Prior die Bevölkerung vom Todfall. Nach dem Konkurs Gf. Michaels 1555 fiel R. an die Berner Vogtei Saanen, und der Vogt bezog das zum Schloss umgestaltete Kloster. Pierre Viret predigte den neuen Glauben. 1798 blieb R. berntreu. 1798-2006 gehörte die Gem. zum Bez. Pays-d'Enhaut. Die lange Zeit einseitige Ausrichtung auf Land- und Viehwirtschaft mit Hartkäseproduktion zwang ab dem 15. Jh. einen Teil der Bevölkerung zur Auswanderung. Ende des 20. Jh. wurden auf etwa 3'000 ha Weideland 3'000 Rinder gesömmert, doch überwinterten nur 1'000 Tiere in rund fünfzig Betrieben. Nach der Eröffnung der Montreux-Berner-Oberland-Bahn 1905 kam der Sommertourismus auf, mit der 1959 in Betrieb genommenen Gondelbahn zur Bergstation Videmanette auch der Wintertourismus. Seither entstanden über 350 Chalets, die mehrheitlich als Zweitwohnungen dienen. Mit seinen alten Holzhäusern aus dem 17. und 18. Jh., die seit 1988 durch die kant. Umfahrungsstrasse vor dem Verkehr geschützt sind, hat R. jedoch seinen Charme bewahrt.


Literatur
R.: 9e centenaire, [1980]

Autorin/Autor: Pierre-Yves Favez / EM