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Château-d'Oex

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Polit. Gem. VD, Bez. Pays-d'Enhaut. Grösste Gem. des Kantons mit dem grossflächigen Dorf C. im oberen Saanetal, den Dörfern L' Etivaz, Les Moulins und Les Granges, 35 Weilern und 22 Alpen. Im 14.-18. Jh. gliederte sich die Gem. in die sieben établées (Fraktionen) Sous le Scex, Mont, Village, Frasse, Entre deux Eaux, Monteiller und L'Etivaz. 1115 Oit, Oyz, Oix, Oyez, dt. früher Oesch. 1416 120 Haushalte; 1764 1'751 Einw. bzw. 480 Haushalte (ohne L'Etivaz); 1803 2'001 Einw.; 1850 2'054; 1900 3'025; 1930 3'840; 1950 3'381; 1980 2'872; 1990 3'110; 2000 2'949.

Ein spätpaläolith. und mesolith. Abri (9500 bis mind. 6000 v.Chr.) diente als saisonale Niederlassung. Messerfunde weisen in die Bronzezeit. Auf eine kelt. Besiedlung deuten nur Ortsbezeichnungen (Combe=Tal, Joeur=Wald, Man=Fels) hin, die im Dialekt bis ins 20. Jh. weiterlebten. Das Fehlen von Eisenerzen und die Kargheit des Bodens verhinderten wahrscheinlich eine Romanisierung des Talgebiets, das ohnehin in der galloröm. Zeit nur dünn bevölkert gewesen sein dürfte. Dagegen erreichte die alemann. Besiedlung, die sich vor dem 10. Jh. nur bis Le Vanel (Gem. Rougemont) erstreckt hatte, schliesslich auch höher gelegene Gebiete wie die Weiden von L'Etivaz im südl. Teil der Gemeinde. Das Tal (Hochgau oder Ogo, vielleicht auch Œx, obschon einer anderen Deutung zufolge Œx von Äesch, d.h. Esche, abgeleitet ist) eroberten die Gf. von Greyerz ab dem 10. Jh. über La Tine bzw. den Creux de l'Enfer. In der Folge bildete C. mit Rossinière eine Kastlanei. Die dem hl. Donat geweihte und 1175 erstmals erw. Kirche von C. hing vom 1080 gegr. Cluniazenserpriorat Rougemont ab. Sie wurde zu Beginn des 14. Jh. auf La Motte wiederaufgebaut, wo sich eine Burg der Gf. von Greyerz befand. Eine Feste stand vermutlich einst auch auf dem Felssporn Château Cottier. Nach Rodungen wurde eine intensive gemischte Landwirtschaft betrieben (Gerste, Heu, Hanf, Käse). 1388 erfolgte die Ablösung der Fallpflichten, und 1403 schlossen die Dorfgenossen gegen den Willen des Gf. von Greyerz einen Burgrechtsvertrag mit Bern ab.

1555 erhielt Bern den oberen Teil der Grafschaft Greyerz; C. wurde in die deutschbern. Vogtei Saanen eingegliedert. Rechte und Freiheiten wurden nun nach bern. Recht gewährt und nicht mehr nach dem Landrecht von Moudon. Kirchlich unterstand C. jedoch weiterhin dem Kapitel Lausanne. Die nach 1555 ref. Pfarrei umfasste bis 1713 auch L'Etivaz. Die lange Tradition militär. Vereine fand 1794 mit der Gründung einer Schützengesellschaft (die sog. abbaye) durch Bürgerfamilien ihren Höhepunkt. In bern. Zeit erlebte die Wirtschaft einen erhebl. Aufschwung. Die Allmende wurde aufgeteilt und war vor Ende des 16. Jh. verkauft. Die Privatalpen wurden an Käser verpachtet, die dort Greyerzer produzierten. Im 18. Jh. verkauften die Einwohner den Käse ihrer rund 2'000 Kühe auf dem Markt von Vevey, zu dem sie über den Col de Jaman gelangten. Von Marseille aus wurde dieser Käse bis nach Asien und Amerika exportiert.

1798 kam C. zum neu gegründeten Kt. Léman. 1800 wurden bei einem Brand die auf dem zentralen Hügel stehenden Holzhäuser zerstört; deren Eigentümer hatten mit dieser Lage die Grundstücksteuer umgangen. Dank der Kollekte des Dekans Philippe-Sirice Bridel kam genügend Geld für den Wiederaufbau der Häuser in Stein zusammen. Die Gem. liess Maurer aus Savoyen, Schreiner aus dem Simmental und Gipser aus dem unteren Greyerzerland kommen. Die Emigration der vorhergehenden Jahrhunderte ins Mittelland und ins Ausland dauerte indes auch im neuen Kt. Waadt an.

1849 wurde das Institut Henchoz eröffnet, ein Progymnasium, das die vorherige Lateinklasse ersetzte. Die Primarschule erhielt 1907 ein neues Gebäude. Nach 1847 bestand eine grössere Gemeinde der Freikirche des Kt. Waadt mit zwei Priestern. Die kath. Pfarrei wurde 1896 eingerichtet, die anglikan. Kirche 1899 erstellt. Auch andere religiöse Gemeinschaften, wie z.B. die Darbysten, fassten im Tal Fuss. Bis 1953 bildeten die Liberalen und Freisinnigen getrennte polit. Lager, die je ihre eigene Zeitung herausgaben. Der freisinnige "Le Progrès" ging indes 1940 im liberalen "Journal de Château-d'Œx" auf, das 1989 zum "Journal du Pays-d'Enhaut" wurde. Erst 1957 gelangten mit der Einführung des Proporzes Sozialisten und Agrarier ins Gemeindeparlament. Das Spital, das 1926 die alte Krankenstation ersetzt hatte, wurde 1979 zum Alters- und Pflegeheim sowie Bezirkspital (mit Solarheizung) umgestaltet. Das 1912 erbaute Gemeindehaus wurde 1958 restauriert. Seit 1922 besteht das Musée du Vieux Pays-d'Enhaut.

Im 19. Jh. litt C. mehrfach unter Viehseuchen; zum Schutz der Milchwirtschaft wurde deshalb fremden Herden der Durchzug untersagt. Der Käsetransport, der früher durch Träger erfolgt war, wurde nun mit Lastpferden abgewickelt. Auf der Route über den Col de Chaude nach Villeneuve (VD) erreichte man das Ufer des Genfersees, ohne freiburg. Boden betreten zu müssen. Die Abschaffung der kant. Zölle und Währungen 1848 führte zur Aufhebung des freiburg. Zollpostens an der Fahrstrasse, die C. seit 1748 mit dem Getreide- und Viehmarkt von Bulle verband. Verbesserungen in der Viehzucht hatten zur Folge, dass die Aufzucht von Schlachtvieh der Simmentaler Rasse die Käseproduktion teilweise verdrängte. Der Bau der Strasse über den Col des Mosses (1865-71) sowie die Anlage einer neuen Strasse nach Bulle (1895) verbesserten die Verkehrsmöglichkeiten. Ein Elektrizitätswerk in La Chaudanne war von 1894 bis ca. 1901 in Betrieb. Mit der Eröffnung der Montreux-Berner-Oberland-Bahn (MOB) 1904 stieg die Attraktivität von C. als Sommerkurort, der von der Nähe zur Waadtländer Riviera profitierte. Besonders geschätzt wurde C. von engl. Touristen (1916-18 beherbergte der Ort engl. Internierte). Ein halbes Dutzend Grandhotels mit Tennisplätzen (Klub seit 1894) und Eisbahnen entstanden, die Hängebrücke Turrian (1883), ein Schwimmbad und ein Campingplatz (1932), eine Gondelbahn (1945) und der Pont du Berceau (1945). Der Agrarsektor ist bis heute wichtig geblieben; das Schwergewicht liegt wieder auf der Käseherstellung. Zusätzl. Einkommen schafft der Wintertourismus. Um attraktiv zu bleiben, wurden die tourist. Angebote aber diversifiziert (Heissluftballons, Rafting). Einheim. Handwerk, Sägereien und Kiesabbau sind die Hauptzweige des Industriesektors. Das Gebiet La Pierreuse steht seit 1945 unter Naturschutz.


Literatur
– E. Henchoz, L'Ancienne Abbaye de C., 1946
– «Le centenaire du collège Henchoz», in Journal de C., Dez. 1949
– A. Gétaz, Le Pays d'Enhaut sous les comtes de Gruyère, 1949
– C. Quartier, Le Pays-d'Enhaut, 1980
Sur nos monts quand la nature ...: le Pays-d'Enhaut tourné vers l'avenir, hg. von F. Lieberherr-Gardiol, E. Stucki, 1987
– M. Henchoz, G. Morier-Genoud, C. et son district au début du siècle, 1990, (mit alten Fotografien)
– D. Birmingham, «Gruyère's Cheesemakers», in History Today, 1991, 21-26
– «Chronique archéologique 1992», in RHV, 1993, 163-167
– D. Birmingham, Switzerland: a village history, 2000
Premiers hommes dans les Alpes, 2002, 159-163

Autorin/Autor: David Birmingham / EM