Villarzel

Politische Gemeinde VD, Bezirk Broye-Vully, auf den Höhen am rechten Broyeufer. 2006 wurden Rossens (VD) und Sédeilles in V. eingemeindet. 1228 Vilarsel, 1346-47 Villarse levesque, 1453 Villarsel Levesque. 1677 36 Feuerstätten; 1741 18; 1764 167 Einw.; 1850 358; 1900 296; 1950 226; 1990 158; 2000 190. V. bildete mit Sédeilles, Cerniaz, Villars-Bramard, Rossens, Marnand sowie Granges eine Kastlanei, die zum weltl. Herrschaftsgebiet des Bischof von Lausanne gehörte und zur Teilnahme an der beratenden Ständeversammlung des Bistums berechtigte. Mit der Kastlanei Lucens war sie eine von savoyischem Besitz umgebene bischöfliche Herrschaft. In der Kastlanei V. lebten 1397 7,2% der Einwohner des bischöflichen Territoriums, die 5,5% der Einkünfte des bischöflichen Mensalguts erzeugten. Berthold von Neuenburg, 1212-20 Bischof von Lausanne, liess in V. eine Burg errichten (castrum) und Bischof Bonifazius Befestigungen (1231-39). Zwei Motten befanden sich im Norden des Fleckens. Ab 1248 ist ein bischöflicher Kastlan bezeugt; mehrmals bekleideten Vertreter der Familie de V. dieses Amt. In V. wurde 1316 der Friede zwischen dem Bischof von Lausanne und Ludwig II. von Savoyen-Waadt, der die bischöflichen Güter verwüstet hatte, unterzeichnet. Von der Burg blieb nur der von der Ringmauer gestützte und im ausgehenden 16. Jh. restaurierte Turm erhalten. Das Dorf bestand schon vor seiner Ersterwähnung im 15. Jh. Unter bernischer Herrschaft blieb V. 1536-1798 eine Kastlanei in der Landvogtei Moudon. Im 17. Jh. zogen die Einwohner nach und nach vom Burgflecken (la ville) ins Dorf. 1798-2006 gehörte es zum Bezirk Payerne, der 1798-1803 vorübergehend dem Kanton Freiburg angegliedert war. Die spätmittelalterliche Kapelle war 1416 eine Filiale der Kirche Granges. Ab 1622 bildete V. mit Rossens und Sédeilles eine eigene Kirchgemeinde, die 2000 wieder mit Granges vereint wurde. Spätestens ab Mitte des 16. Jh. gab es ein Wirtshaus. Noch zu Beginn des 21. Jh. wurde in der landwirtschaftlich geprägten Gemeinde hauptsächlich Viehzucht und Milchwirtschaft betrieben.


Literatur
– A. Kohler, «V. l'Evêque, des origines à 1798», in RHV, 1922, 18-29, 43-50, 76-83, 109-123, 129-136, 161-170, 213-219, 323 f.
– A. Kohler, «Configuration territoriale des châtellenies de Lucens et de V.», in RHV, 1941, 275-278
– J.-D. Morerod, La genèse d'une principauté épiscopale, 2000, 349-353, 423 f.
Kdm VD 8, 2015, 316-345

Autorin/Autor: Gilbert Coutaz / MD