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Krauer, Franz Regis

geboren 5.7.1739 (Johann Werner Franz Anton) Luzern,gestorben 5.10.1806 Luzern, kath., von Luzern. Sohn des Anton Martin. Bruder des Nivard ( -> 7). 1748-56 besuchte K. das Luzerner Jesuitenkolleg. 1756 trat er in den Jesuitenorden in Luzern ein und machte das Noviziat in Landsberg am Lech (Bayern). Er studierte 1758-63 Philosophie in Freiburg i.Br., Ingolstadt und Amberg (beide Bayern) und 1763-67 Theologie in Ingolstadt. 1767 wurde K. in Augsburg zum Priester geweiht und absolvierte das Tertiatsjahr in Altötting (Bayern). In Solothurn wurde er 1768 Grammatikprofessor, dann in Luzern 1769 Prof. für Rhetorik und Poesie der obersten beiden Klassen am Jesuitenkolleg. 1772 legte er die Profess ab. Obwohl 1773 der Jesuitenorden aufgehoben wurde, unterrichtete K. bis kurz vor seinem Tod am nun verstaatlichten Kollegium weiter. Zusammen mit seinem Freund und Ordensbruder Josef Ignaz Zimmermann setzte sich K. als Exponent der kath. Aufklärung für eine zeitgemässe Schule ein, insbesondere für die Pflege der dt. Sprache und Literatur. 1783 erschien seine zweibändige Übersetzung "Virgils Aeneis", die wie das Original in Hexametern verfasst war. Für das Schultheater schrieb er 1778-87 sechs Dramen mit schweizergeschichtl. Inhalt; nur sein "Brutus" (1800) behandelte einen antiken Stoff. K.s deutschsprachige Theaterstücke zeichnen sich eher durch pädagog. und patriot. Emphase als durch die folgerichtige Entwicklung einer dramat. Handlung und geschickte Charakterisierung der Personen aus. 1805 erschienen anonym K.s "Hauptepochen der schweiz. Geschichte". Dieses Geschichtswerk steht in der Tradition der populären Darstellungen des 18. Jh., stützt sich aber als erstes auf Johannes von Müllers "Geschichten der Schweizer". Kurz vor seinem Tod wurde K. Chorherr am Stift St. Leodegar in Luzern.


Archive
– Provinzarchiv der Ges. Jesu, Zürich
Literatur
– J. Wassmer, «Zwei um dt. Unterricht und vaterländ. Gesinnung hochverdiente Luzerner Jesuiten», in Monat-Rosen 63, 1918, 198 f., 257-259
– H. Wicki, Staat, Kirche, Religiosität, 1990, 497

Autorin/Autor: Karin Marti-Weissenbach