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Bérenger, Jean-Pierre

geboren 26.3.1737 Genf,gestorben 23.6.1807 Genf, ref., Natif von Genf, aus einer hugenott. Refugiantenfamilie. Sohn des Zacharie, eines kleinen Transportunternehmers, der 1733 Habitant geworden war. ∞ 1773 Jeanne-Etiennette (gen. Antoinette) Lorentz, Tochter des Gaspard, Schwertfegers, aus Sachsen. Seinen angestammten Beruf als Goldschmied gab B. auf, um sich autodidaktisch als Literat zu versuchen, was allerdings scheiterte. Es folgten glücklose Versuche als Hauslehrer, Pensionatslehrer und Verleger. Daneben war B. als Historiker (u.a. sechsbändige "Histoire de Genève", 1772-73) und Journalist (1792-94 am "Journal de Genève") tätig. Ab 1766 setzte er sich für die Genfer Natifs ein und forderte deren rechtl. Gleichstellung mit den Bürgern (Bourgeois) bzw. den polit. berechtigten Bürgern (Citoyens) von Genf, was ihm 1770 die Verbannung einbrachte. B. lebte u.a. in Versoix und ab 1776 in Lausanne, wo Jean-Pierre Heubach ihn zu seinem Partner im Buchhandel machte. Als die Natifs in das Bürgerrecht aufgenommen wurden, kehrte B. 1791 nach Genf zurück. Obschon er die Dezember-Revolution von 1792 ablehnte, wurde B. danach regelmässig vom Volk in Ämter gewählt: als Parlamentarier, Richter und schliesslich Regierungspräsident (ab April 1796 Syndic für ein Jahr). In der radikalen Revolutionsphase z.Z. der Pariser Schreckensherrschaft (Herbst 1793-Sommer 1794) war er vorübergehend in Ungnade gefallen. Nach der Annexion Genfs durch Frankreich (26.4.1798) war B. in der Verwaltung des Dep. Léman tätig. Dessen ungeachtet veröffentlichte er 1801 eine gegen den Expansionismus Frankreichs gerichtete Schrift, die er mit der Aufforderung an den Ersten Konsul abschloss, Genf an die Helvet. Republik anzugliedern.


Archive
– AEG, Nachlass
Literatur
Dictionnaire des journalistes, 1600-1789, hg. von J. Sgard, 1999

Autorin/Autor: Marc Neuenschwander / AL