09/01/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Grandcour

Polit. Gem. VD, seit 1803 Bez. Payerne. Umfasst das Dorf G. und die Weiler Ressudens und Chesard; Vernay ist im 15. Jh. verschwunden. 1212 apud grancort. 1550 60 Feuerstellen; 1764 431 Einw.; 1798 581; 1850 716; 1870 782; 1900 725; 1910 802; 1941 719; 1950 764; 1970 642; 2000 730. Im FrühMA wurde die 1 km südlich des heutigen Dorfes gelegene Villa mit ihrer Kirche zu G.-la-Ville. Im 10. Jh. erfolgte der Bau der befestigten Stadt mit Schloss und Kirche am neuen Standort. Die ersten bekannten Herren waren die gegen 1200 erw. Prangins. 1293 ging G. an Ludwig I. von Savoyen über; die Stadt unterstand fortan dem Gewohnheitsrecht von Moudon. Sie stellte manchmal Abgeordnete in der Waadtländer Ständeversammlung. Die Rechtssprechung der Kastlanei G. dehnte sich bis zum Murtensee (Bellerive) auf einen Teil des Mont Vully aus. 1311-97 war G. in den Händen der Grandson. Zu den wichtigen Herren von G. gehörten Humbert von Savoyen (1403-40), Georges de Rive (1526-32), die Diesbach von Freiburg (1532-1736), die Labat von Genf (1756-98). Nach 1536 unterstand die Herrschaft, die auf die heutige Gem. und auf Chevroux beschränkt war, der Vogtei Avenches; sie wurde Mitte des 16. Jh. zur Baronie erhoben. Das Rathaus stammt von 1563. Ein Rat der Zwölf verwaltete die Gemeinde. Abram Sinner liess 1738 ein klassizist. Schloss errichten; es wurde 1817 von der Fam. Oulevey gekauft, die es heute noch besitzt. 1803 wurde G. Hauptort des Kreises. Das Collège besteht seit 1903. Die Kirche Saint-Nicolas aus der Zeit vor dem 15. Jh. wurde 1946 renoviert und gehört zur Pfarrei Ressudens; bis 1536 bestand zudem ein Abhängigkeitsverhältnis zur Pfarrei Dompierre-en-Vully (Carignan). 1847-1966 gehörte die evang. Freikirche zur Gem. von Missy. 1884 wurde in G. ein Heilsarmeezentrum gegründet, 1825 eine Käserei. 1849-92 fanden zweimal jährlich Messen statt. Die landwirtschaftl. Mühle wurde 1970 geschlossen. Wasserturm von 1936. Die 1381 gegr. Milice bourgeoise, der älteste Schiessverein des Kt. Waadt, existiert heute noch.


Literatur
– A.-H. Ruchat, G. à travers les âges, 1981
– F. Ciardo, J.-D. Morerod, «Les chartes de franchises du XIIIe siècle», in RHV, 1991, 9-41, (mit Charta von 1293)
– F. Ciardo, G. Marion, La ville de G. au Moyen Age, 1993

Autorin/Autor: Gilbert Marion / CN