Junker

Als J. (mittelhochdt. junc-herre) wurde im 12. und 13. Jh., im Unterschied zu seinem Vater, der noch nicht zum Ritter (Rittertum) geschlagene Adelsspross (Adel) bezeichnet; die franz. Benennung donzel und die ital. donzello sind auf lat. dominicellus, den Diminutiv von dominus, zurückzuführen, bezeichnen allerdings nicht den J. der Frühneuzeit aus der städt. Führungsschicht. Vom 14. Jh. an trugen auch Ministeriale diesen Titel, über den adlige Distinktion weitervererbt wurde. Zunehmend begleitete er den Adligen von der Jugend bis zum Tod. Vom 15. Jh. an führten ihn auch reiche bürgerl. Ratsherren, die vom Adel mit den Herrschaften auch den Lebensstil übernommen hatten. Ab Ende des 16. Jh. war der Junkertitel in allen regierenden Fam. üblich, ob es sich nun um Patrizier in patriz. Orten, Aristokraten in Zunftstädten oder Herrschaftsinhaber in Graubünden handelte; eine Ausnahme bildeten die den Titel tragenden St. Galler Grosskaufleute. Die junkerl. Lebensweise zeichnete sich durch Solddienst und Soldunternehmertum, Rats- und Beamtenkarrieren sowie saisonales Landleben auf dem Familiensitz aus. Der Neid der Nicht-Ratsfähigen machte sich oft in Spott Luft: In Luzern nannte man 1615 verarmte J. "Bettel- und Habermus-J." und junge "Jünkerlin"; in Zürich galt bis ins 19. Jh. als "Stadt-J." oder "Stude-J.", wer Vornehmheit vortäuschte. Im Französischen wurde nur noch die abwertend gemeinte, weibl. Form donzelle verwendet. Seit dem 15. Jh. ist J. im Oberaargau, in Solothurn und Rapperswil (SG) auch als Familienname überliefert.


Literatur
Idiotikon 3, 50 f.
– K. Messmer, P. Hoppe, Luzerner Patriziat, 1976, 259-273
LexMA 5, 811
– J.-F. Poudret, Coutumes et coutumiers 2, 1998, 333-335, (mit Bibl.)

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler