Rüdtligen-Alchenflüh

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Burgdorf, Verwaltungskreis Emmental, die aus den Dörfern Rüdtligen und Alchenflüh am linken Emmenufer besteht. 1241 Ruetilingin. 1764 186 Einw.; 1850 476; 1900 518; 1950 763; 1980 1'959; 2000 2'094. Rüdtligen teilte die geschichtl. Entwicklung gerichtlich, kirchlich und politisch mit Alchenflüh, in dessen Gerichtskreis es lag. Das Kloster Fraubrunnen war in Rüdtligen bis 1528 der grösste Grundbesitzer. Vom 14. Jh. an gab es unter den Zelgdörfern Aefligen, Kernenried, Zauggenried, Rüdtligen und dem Kloster Streit um gemeinsame Weiden im Grenzgebiet, v.a. im klösterl. Rüdtligenwald (1336, 1473 Nutzungsordnung, 1498, 1525, 1556). Rüdtligen und Alchenflüh waren 1640 am Bau der Kirchbergbrücke (vorher Steg) beteiligt. Die Bewohner beider Dörfer waren seit jeher nach Kirchberg kirchgenössig. Der Schulverband von Aefligen, Lyssach, Rüti und R. (Schulhaus in Alchenflüh) stammt aus dem 17. Jh.; seit 1730 war er auf Aefligen und R. beschränkt. 1833 verband sich der ehem. Steuerbezirk Rüdtligen und Alchenflüh auch zur Einwohnergemeinde, die bis 1926 Rüdtligen hiess. Die Umstellung auf Milchwirtschaft (1856 Käserei in Alchenflüh) führte 1858 zur ersten Güterzusammenlegung; weitere erfolgten 1945 sowie 1960-67. Die Station in Alchenflüh an der Burgdorf-Solothurn-Bahn besteht seit 1876. Der 1965 erfolgte Anschluss an die Autobahn A1, die Rüdtligen und Alchenflüh seither trennt, bewirkte eine sprunghafte Bevölkerungszunahme, welche die Entstehung von drei Neuquartieren und den Ausbau der Infrastruktur nach sich zog (1969-70, 1989 und 2006 Schulhausanlagen, 1975 Gemeindeverwaltung, 1987-89 Kindergarten, 1970-80 Kanalisation). Neben dem schon bestehenden Gewerbe (Kiesindustrie, Druckerei) siedelten sich seit 1969 u.a. eine Maschinenfabrik, das Verteilzentrum der Emmi Käse AG, die regionale Kartoffelzentrale und die Möbelfachmärkte Conforama und Pfister an. Lyssach und R. teilen sich die Shopping-Meile Lyssach-Alchenflüh längs der Autobahn. 2005 stellte der 2. Sektor fast 53%, der 3. gut 39% der Arbeitsplätze in der Gemeinde. Eine Fusion mit der Gem. Kirchberg wurde von dieser in einer Konsultativabstimmung 1973 abgelehnt.


Quellen
SSRQ BE II/9
Literatur
Heimatbuch des Amtes Burgdorf und der Kirchgem. Utzenstorf und Bätterkinden, 2 Bde., 1930-38
– A. Nägeli, Bauinventar der Gem. R., 1991
R., 1999
– H. Feuz, «R.», in Burgdorfer Jb. 72, 2005, 83-94

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler