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Palézieux

Ehemalige politische Gemeinde VD, Bezirk Lavaux-Oron, seit 2012 mit Bussigny-sur-Oron, Châtillens, Chesalles-sur-Oron, Ecoteaux, Oron-la-Ville, Oron-le-Châtel, Les Tavernes, Les Thioleyres und Vuibroye Teil der neuen Gemeinde Oron. Unterhalb des Zusammenflusses von Broye und Mionnaz gelegen, aus den zwei Ortsteilen P.-Village und P.-Gare bestehend. 1134 de Palaisol. 1416 50 Feuerstätten; 1764 261 Einwohner; 1850 426; 1900 587; 1950 635; 2000 1'091. Grab aus der Bronzezeit, römischer Gutshof mit Badeanlage, Mosaiken und Hypokaustum bei Le Martinet in der Nähe der Römerstrasse Vevey-Moudon. Zu Beginn des 12. Jh. errichteten die Edlen von P. ein Schloss, um die Brücke über die Broye zu kontrollieren. 1302 kaufte Nicolas de Billens Schloss und Herrschaft, ein Teil der Güter ging an die Abtei von Hautcrêt und den Bischof von Lausanne. Von da an hatte die Familie von P. in der Region keinen Besitz mehr. 1344 verlieh Humbert de Billens, der zu dieser Zeit das Schloss umbaute, dem mit Mauer und Gräben befestigten Flecken das Stadtrecht. 1381 gelangte P. durch Erbschaft an Franz von Greyerz, Herrn von Oron. 1398 gewährte der Graf von Greyerz den Einwohnern das Recht, jährlich Gouverneure einzusetzen. Nach dem Konkurs Michaels von Greyerz kam P. unter bernischer Herrschaft und war 1557-1798 Teil der Landvogtei Oron. 1798-2006 gehörte die Gemeinde zum Bezirk Oron. Die Pfarrei P. wird ab dem 12. Jh. erwähnt. 1196 ging die Kirche Saint-Pierre durch Schenkung an die Abtei Hautcrêt. Der heutige Bau stammt von 1828-29. 1279 wird eine Mühle an der Broye erwähnt. Vom Schloss, das schon 1629 zur Ruine zerfallen war, sind nur noch einige Mauerreste vorhanden. 1862 wurde an der Eisenbahnlinie Lausanne-Bern der Bahnhof P.-Gare in Betrieb genommen, der seit 1901 auch Kopfstation der Linie P.-Châtel-Saint-Denis-Montbovon ist. P.-Village verfügt seit 1875 über eine Station an der Linie P.-Lyss. Das landwirtschaftlich geprägte P. (2000 15 Betriebe) mit Gewerbe- und Industriezonen (1962-92 Siemens-Albis SA, pharmazeut. Produkte) ist als wirtschaftlicher Entwicklungsschwerpunkt vorgesehen. Das 1863 gegründete Institut agricole et professionnel de Serix wurde 1916 in das Institut pédagogique et thérapeutique und 1994 in das Institut romand d'éducation de Serix umgewandelt.


Literatur
– W. Lacher, La chronique de P., 2 Bde., 1955-58
– M. Fontannaz, Les cures vaudoises, 1986, 104-107, 420

Autorin/Autor: Emmanuel Abetel / AHB