Aids

Die Abkürzung steht für aquired immune deficiency syndrome (dt.: erworbene Immunschwäche). A. wurde erstmals 1981 in den USA als neuartige Krankheit beschrieben. Die ersten Fälle betrafen v.a. junge homosexuelle Männer. Epidemiolog. Analogien zur Hepatitis-B-Infektion liessen den Verdacht aufkommen, es könnte sich um eine durch Blutkontakt und durch den Geschlechtsakt übertragbare Viruskrankheit handeln. 1983 wurde am Institut Pasteur in Paris ein Retrovirus entdeckt, dessen Rolle bei A. kurz darauf an den National Institutes of Health in den USA bestätigt wurde. Das Virus wird HIV (human immunodeficiency virus) genannt.

Aidsfälle 1982-2010
JahrFälle
vor 198696
198690
1987165
1988348
1989453
1990456
1991611
1992644
1993671
1994710
1995734
1996542
1997562
1998422
1999262
2000255
2001217
2002199
2003281
2004299
2005235
2006163
2007194
2008194
2009176
2010178

Quellen:BAG

In der Schweiz wurden die ersten Fälle 1982 beobachtet. Bis 1985 waren 96 Fälle verzeichnet, die der Definition von A. entsprachen. Die Zahlen nahmen daraufhin rasch zu. Bis zum 31.12.2010 waren 9'157 Erkrankungen registriert worden, von denen zu diesem Zeitpunkt 5'841 zum Tod geführt hatten (Höhepunkt 1994 mit 686 Todesfällen). Am meisten betroffen waren homo- und bisexuelle Männer (3'095) sowie drogeninjizierende Personen (2'121 Männer, 1'055 Frauen). Rein heterosexuelle Übertragungen wurden bei 1'260 Männern und 1'105 Frauen angenommen. Zudem erfolgten einige Ansteckungen über Bluttransfusionen sowie von infizierten Müttern auf ihre Kinder.

Das Auftreten der Krankheit sorgte für eine erhebl. Unruhe unter der Bevölkerung, da anfänglich eine überzeugende Therapie der Grundkrankheit fehlte. Gleichzeitig schürte sie Aggressionen und Ängste gegenüber den besonders gefährdeten Gruppen (Homosexuelle, Drogenabhängige). Das Schwergewicht der Bekämpfung liegt auf präventivem Gebiet mit dem nicht leicht zu erreichenden Ziel, Verhaltensänderungen herbeizuführen. Mit Fernsehspots, Plakaten und Inseraten führt das Bundesamt für Gesundheit in diesem Sinne grössere Informationskampagnen über den Kondomgebrauch und die Verwendung steriler Spritzen durch. Dadurch wird das frühere Tabuthema Sexualität sehr viel breiter und sachlicher diskutiert. Ob das Verhalten des Einzelnen sich in ähnl. Mass wie die öffentl. Debatte verändert hat, ist schwer abschätzbar. Seit Mitte der 1990er Jahre geht die Zahl sowohl der Neuerkrankungen wie auch der durch die Krankheit verursachten Todesfälle in der Schweiz zurück. Dafür verantwortlich zeichnet v.a. der Einsatz von hochaktiven, antiretroviralen Kombinationstherapien. 2010 gab der Bund für Massnahmen im Bereich A. 8,1 Mio. Fr. aus. Unter den Industrienationen gehört die Schweiz zu den von A. am meisten betroffenen Staaten. Innerhalb der Schweiz weisen die Kt. Zürich, Genf, Waadt und Basel-Stadt die höchsten Erkrankungsziffern auf. Weltweit gesehen ist A. in Afrika südlich der Sahara am stärksten verbreitet.


Quellen
Bull. des Bundesamtes für Gesundheitswesen
Literatur
– M.D. Grmek, Histoire du SIDA, 1990, (mit Bibl.)
Ohne Dings kein Bums: 20 Jahre A.-Arbeit in der Schweiz, 2005

Autorin/Autor: Jean Lindenmann