Turrettini [Turrettin]

Im 16. Jh. aus Lucca eingewandertes Genfer Geschlecht, das mit Bernardo aus Nozzano 1280 erstmals erwähnt wird. Im 15. und 16. Jh. gehörten die T. zu den regierenden Patrizierfamilien der toskan. Stadt. 1583 anerkannte Ks. Rudolf II. den Adelsstatus der Familie. Diese hatte Bankiers, Notare, Seidenfabrikanten und Kaufleute hervorgebracht. Francesco ( -> 4) trat zur Reformation über, floh und liess sich 1592 in Genf nieder, wo er 1627 eingebürgert wurde. Er erwarb Ländereien, auf denen sein Sohn Jean ( -> 7) 1631 das Schloss Turrettin erbauen liess (Château des Bois, ging 1860 durch Heirat an die Fam. van Berchem über). 1620 erbaute Francesco am Standort der ehem. Bischofskanzlei einen grossen Familienstammsitz. Seine Nachkommen verbanden sich mit Genfer Patrizierfamilien oder solchen hugenott. Abstammung. Die T. brachten bedeutende Politiker, Diplomaten, Kaufleute, Bankiers, Theologen, Akademiker und Industrielle hervor. Francescos Söhne begründeten zwei Familienzweige. Der erste Zweig geht auf Bénédict ( -> 2) zurück, dessen Sohn François ( -> 5) und dessen Enkel Jean-Alphonse ( -> 8) bedeutende Theologen und Professoren waren. In der dritten Generation brachte dieser Zweig, der 1844 erlosch, mit Horace-Bénédict (1651-1728) einen Ersten Syndic hervor. Stammvater des zweiten Zweigs, der noch besteht, war der oben erw. Jean. Ludwig XIV. anerkannte in einer 1653 ausgestellten Urkunde den Adelsstand von Jeans Fam., wodurch diesem die gleichen Privilegien wie den franz. Adligen zustanden. Jean erbte die Güter und Titel seines in Italien verbliebenen Cousins Mario. Diesem Zweig gehörten bedeutende Staatsmänner an wie François (1690-1765), Gédéon ( -> 6), Albert (1753-1826), William ( -> 11) und Théodore ( -> 10), der entscheidend zur industriellen Entwicklung Genfs beitrug. Weitere Mitglieder dieses Familienzweigs taten sich im akadem. und theol. Bereich hervor, so Michel ( -> 9) und der Sinologe François (1845-1908).


Archive
– AEG, Nachlass
– Archiv der Stiftung T., Genf
Quellen
– V. Burlamacchi, Libro di ricordi degnissimi delle nostre famiglie, hg. von S. Adorni-Braccesi, 1993
Literatur
– J.-B.-G. Galiffe, Le refuge italien de Genève aux XVIe et XVIIe siècles, 1881
– M. Berengo, Nobili e mercanti nella Lucca del Cinquecento, 1965

Autorin/Autor: Micheline Tripet / GL