• <b>Fatio</b><br>Alexandrine Lullin, geborene Fatio, mit 102 Jahren. Bleistift und Rötel von  Jean-Etienne Liotard,   1762. Foto von Jean-Marc Yersin (Cabinet d'arts graphiques des Musées d'art et d'histoire Genève, Dépôt de la Fondation Jean-Louis Prevost, no inv. 1985-0043). Als Freundin Voltaires erhielt Madame Lullin-Fatio am 6. Januar 1759 vom Philosophen folgenden Vierzeiler: "Nos grands-pères vous virent belle. / Par votre esprit, vous plaisez à cent ans. / Vous méritiez d'épouser Fontenelle / Et d'être sa veuve longtemps."

Fatio [Fazio]

Aus dem Val d'Ossola stammende Patrizierfamilie, die noch heute in Genf lebt. Aus religiösen Gründen flüchtete Jean (1530-97) ins Bergell (1558 Bürger der Drei Bünde und 1578 von Chiavenna). Das Massaker an den Protestanten im Veltlin 1620 zwang seine Söhne erneut ins Exil. Ihre geschäftl. Verbindungen führten sie nach Zürich, von wo aus Paul (1577 bis ca. 1657) nach Vevey zog (1641 Bürger) und Jean (1591-1659), nach einem Umweg über Wien, nach Basel (1640 Bürger). Paul ist der Begründer der Linie von Vevey, von der die Familienzweige von Genf (1647) und Florida (1771) ausgingen; Jean gilt als Stammvater der Basler Linie, von welcher der Zweig von Duillier abhing. Begründet von wohlhabenden Kaufleuten, engagierten sich beide Linien der Familie in der Politik, stellten Offiziere in fremden Diensten sowie Gelehrte, Architekten, einige Pfarrer und Theologen, Bankiers und Publizisten. Der Sohn von Paul, François ( -> 1), wurde Genfer; seine Kinder heirateten in führende Fam. wie die der Pictet, Lect, Gallatin, Chouet und Lullin ein. François ältester Sohn Jacques-François (1656-1729) wurde 1705 Kleinrat; die Fam. blieb bis 1840 in der Regierung vertreten. Pierre ( -> 7) wurde 1707 hingerichtet, weil er die Oligarchie in Frage gestellt hatte. Sein Enkel, der Syndic Jean-Baptiste (1736-94), wurde während der Genfer Terreur erschossen. Unter den F. von Basel gab es ebenfalls einen Aufständischen, nämlich Johannes ( -> 5), der 1691 enthauptet wurde. Sie waren jedoch ebensowenig wie die F. von Genf dazu berufen, Unruhe zu stiften. Nachdem sie sich in Basel niedergelassen hatten, verbanden sie sich mit den Iselin, Burckhardt und Faesch. Jean-Baptiste (1625-1708) wurde 1669 Herr von Duillier und 1678 Bürger von Genf. 1690 zählte er mit seinem Cousin François zu den vermögendsten Männern Genfs. Im 19. und 20. Jh. zeigten Angehörige des Genfer Zweigs wissenschaftliches (z.B. Victor -> 9), politisches (Guillaume -> 2) und soziales Engagement. Guillaumes ( -> 3) Sohn Maurice (1897-1942) baute Luxusvillen in Palm Beach (USA). Die Fam. besass im 17. Jh. das Gut von Saugey (Satigny) und im 17. und 18. Jh. ein Gut in Châtelaine. Das Gut Elysée in Céligny, das Jean-François 1801 kaufte, ist immer noch in Familienbesitz.

<b>Fatio</b><br>Alexandrine Lullin, geborene Fatio, mit 102 Jahren. Bleistift und Rötel von  Jean-Etienne Liotard,   1762. Foto von Jean-Marc Yersin (Cabinet d'arts graphiques des Musées d'art et d'histoire Genève, Dépôt de la Fondation Jean-Louis Prevost, no inv. 1985-0043).<BR/>Als Freundin Voltaires erhielt Madame Lullin-Fatio am 6. Januar 1759 vom Philosophen folgenden Vierzeiler: "Nos grands-pères vous virent belle. / Par votre esprit, vous plaisez à cent ans. / Vous méritiez d'épouser Fontenelle / Et d'être sa veuve longtemps."<BR/>
Alexandrine Lullin, geborene Fatio, mit 102 Jahren. Bleistift und Rötel von Jean-Etienne Liotard, 1762. Foto von Jean-Marc Yersin (Cabinet d'arts graphiques des Musées d'art et d'histoire Genève, Dépôt de la Fondation Jean-Louis Prevost, no inv. 1985-0043).
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Archive
– Nachlässe in: AEG, BPUG
Literatur
– Galiffe, Notices généal. 4, 176-196
Schweiz. Geschlechterbuch 4, 195-198
Livre du Recteur 3, 273-277
– E. Bungener, Filiations protestantes 2, Bd. 1, 1998, 299-301

Autorin/Autor: Olivier Fatio / CSC