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Oberburg

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Burgdorf. Die Gem. erstreckt sich links der Emme (ohne Schachen- und Uferanteil) in den Luterbachgraben und umfasst das Dorf O., Weiler, versch. Einzelhöfe sowie die Exklaven Rohrmoos und Tannen. 1240 Obrunburc. 1764 799 Einw.; 1850 2'200; 1900 2'745; 1950 2'990; 2000 2'740. Röm. Münzfund bei Pfaugarten, unbestimmte Wehranlage bei Bachholen am Weg im Luterbachtal, einem Übergang vom Aare- ins Emmental, Erdwerk im Waldbrueder. Die namengebende hochma. Burg auf der Rothöchi, die "obere Burg" - im Gegensatz zur unteren in Burgdorf -, war vermutlich die Stammburg eines kyburg. Ministerialengeschlechts; in Frage kämen die im 13. Jh. bezeugten Herren von O. oder die 1241-1402 erw. Herren von Rohrmoos. Im 14. Jh. waren die Gf. von Kyburg Besitzer von O., das im Burgdorferkrieg (1383-84) an Bern fiel. Hochgerichtlich unterstand O. dem kyburg. bzw. ab 1408 bern. Landgericht Ranflüh. 1431 gelangte O. an den Ausburgerbezirk der Stadt Burgdorf, was Bern vor 1525 bewog, es nieder- wie hochgerichtlich vom Emmental ans Schultheissenamt Burgdorf umzuteilen. 1803 kam O. zum bern. Oberamt bzw. Amtsbez. Burgdorf.

Die Kirche (Georgspatrozinium, Bau des Schiffs ab 1497, des Chors ab 1510) ist 1242 erstmals erwähnt. Der Kirchensatz gehörte spätestens ab 1324 den Gf. von Kyburg, ab 1401 dem Kloster Trub, das von 1247 an eine Nebenpfründe der Kirche besass. Mit der Reformation 1528 gingen alle Rechte an Bern über. Das grosse Kirchspiel, das ehemals auch Burgdorf, Heimiswil und Teile von Hasle umfasst hatte, schmolz schrittweise auf den heutigen Umfang: Der östl. Teil ("sieben alte Höfe") von Heimiswil fiel vor 1275 an die dortige zähring. oder kyburg. Eigenkirche, 1704 kam auch der Rest (Niederdorf, Busswil) an die nunmehrige Kirchgemeinde Heimiswil. Die Stadtkirche Burgdorf, Filiale von O., löste sich 1401 ab und wurde Pfarrkirche. Gomerkinden wurde 1539 Teil der Kirchgemeinde Hasle. Der Standort der ma. Kapelle St. Maria im Weiler Tschamerii ist unbekannt.

Während im Hügelland um O. Einzelhofwirtschaft (im 18. Jh. u.a. Pferdezucht) vorherrschte, betrieb das Dorf O. Ackerbau in Zelgen. Die Allmend im Schachen beidseits der Emme wurde gemeinsam mit Burgdorf und Hasle bestossen. Ab dem 16. Jh. verschärften sich die Konflikte um die Nutzung mit Hasle (1534/55, 1545 unterhalb Oschwand) und v.a. mit Burgdorf, das Teile dieser Allmend als Wiesen für sich einschlug (1520-21, 1546, 1608), aufforstete (1635) oder übernutzte (1619) und sich auf Vorrechte in Reisgrund, Schachen und Allmend innerhalb der Burgernziele berief. Nach teilweisem Weideabtausch (1635) wurde 1700-04 die gemeinsame Weide aufgehoben und Allmenden sowie Emmenwehr auf die drei Gem. aufgeteilt.

Dank guter Verkehrslage an der Emmentalstrasse und Stadtnähe siedelte sich am Gewerbekanal schon früh Grossgewerbe an, im 17. Jh. Hammerwerke, 1672 und 1761 Drahtzugbetriebe, 1771 eine Sensenfabrikation und 1787 eine Walkerei. Von Burgdorf nicht akzeptierte Fremde gründeten im 18. Jh. in O. Unternehmen (u.a. Engroshandel Hagenbach). Burgdorf suchte die gewerbl. Entwicklung O.s zu behindern; so erhob es z.B. 1698 Einsprache gegen die Hammerschmiede und liess 1736 und 1752 eine Metzgerei und einen Krämerladen verbieten. Nach 1800 entstanden in O. neue Industrien (frühes 19. Jh. Weberei und Giessereien, ab 1822 Lackfarbenfabrik, spätes 19. Jh. Maschinen- sowie Möbelfabrik, Ziegelei). Die Emmentalbahn mit Station auf Burgdorfer Gemeindegebiet (1881) förderte die weitere Industrialisierung längs der Bahn auf Oberburger wie auf Burgdorfer Boden, so dass dem Dorf O. zu Beginn des 21. Jh. der Charakter einer Gewerbe- und Industriesiedlung zukam. Das Weiler- und Einzelhofgebiet blieb dagegen auf die Landwirtschaft ausgerichtet. Genossenschaftlicher und privater Wohnbau v.a. seit den 1960er Jahren vergrösserte den Wegpendlerverkehr Richtung Bern und Burgdorf. Die Gem. verfügt über drei Schulhäuser; Schulverbände bestehen mit Mötschwil (Rohrmoos) und Lützelflüh (Tannen). Die Sekundarschule wurde 1913 eröffnet, die Behindertenwerkstätte Oberburg 1985 gegründet.


Quellen
SSRQ BE II/9
Literatur
– K. Schweizer, Chronik von O. auf die Einweihung der neuen Orgel, 1902
Heimatbuch des Amtes Burgdorf und der Kirchgem. Utzenstorf und Bätterkinden, 2 Bde., 1930-38
– P. Lachat, Die Kirchensätze zu O., Burgdorf und Heimiswil bis zur Reformation, 1960
O., 1992
– U. Boos, Bauinventar der Gem. O., 2002

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler