Berchem, van [Berthout van Berchem]

Adelsfamilie, die vom 11. Jh. an im ehemaligen Herzogtum Brabant begütert war und deren Mitglieder in Antwerpen, wo sie sesshaft war, vom frühen 16. Jh. an wiederholt die Ämter eines Bürgermeisters bzw. dessen Stellvertreters bekleideten. Eine mögl. Verwandtschaft mit dem Adelshaus Berthout führte dazu, dass die Schweizer Linie der van B. im 18. Jh. dessen Namen übernahm.

In der Reformationszeit verliess ein zum neuen Glauben übergetretener Zweig Brabant in Begleitung des Häretikers David Joris und hielt sich kurzfristig in Basel auf, dessen Bürgerrecht Joachim 1544 erhielt. Als erster B. liess sich Joachims Nachfahre Jacob (1736-93), Vater des Jacob-Pierre ( -> 3), in der Westschweiz nieder. Ab 1764 lebte er in der Umgebung von Lausanne, eine Folge seiner zweiten Ehe mit Anne Marie Madeleine d'Illens-Roguin. Weil er 1791 am Revolutionsbankett von Rolle teilgenommen hatte, wurde er mit seiner Familie aus der Waadt ausgewiesen und liess sich in Frankreich nieder. Die bestehende Schweizer Linie geht auf Jacobs Sohn Guillaume (1772-1857) zurück, einen Bankier, der zunächst in Frankreich eine brillante militär. Karriere absolvierte, 1799 Georgette Marianne Julie d'Illens-Audibert ehelichte, und sich 1815 in der Schweiz auf seinem Gut Les Grands Hutins in Céligny niederliess, einem Dorf, dem er 1820-30 als Gemeindepräsident vorstand. 1816 erwarb er das Bürgerrecht von Genf. In den folgenden zwei Generationen vergrösserte sich der Familienbesitz durch vorteilhafte Eheschliessungen: Arthur (1803-78) heiratete Ariane-Augusta Saladin, die das Schloss Crans (VD) in die Ehe einbrachte; 1861 verkaufte er Les Grands Hutins. Charles-Alexandre (1836-72) ehelichte Louise-Victoire-Mathilde Sarasin, Erbin des Château des Bois in Satigny. Durch diese Heirat kam auch das Gut Frontenex in Cologny in den Besitz der Fam., der mit Denis ( -> 2), Max ( -> 4) und Victor ( -> 5) internat. bekannte Geschichtsforscher entstammen.


Archive
– AEG, Fonds Barde
Literatur
– R. van Berchem, Les premiers seigneurs de B., 1950
– L. Jéquier, R. van B., «Sceaux et armoiries de la maison de Ranst et de B. du XIIIe au XVIe siècle», in SAHer, 1980, Bull. 3 und 4

Autorin/Autor: Catherine Santschi / AZ