Slowakei

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Ein slowak. Staat entstand erstmals am 14.3.1939, kurz bevor die übrigen Gebiete der Tschechoslowakei von Deutschland annektiert worden waren. Am 19.4.1939 wurde die S. von der Schweiz anerkannt. Die slowak. Gesandtschaft wurde in Bern am 27.2.1940, das schweiz. Generalkonsulat in Bratislava am 3.2.1942 errichtet. Die beiden Länder nahmen sofort wirtschaftl. Beziehungen auf. Die Schweiz exportierte Maschinen, Kriegsmaterial, Präzisionsinstrumente, chem. und pharmazeut. Produkte, Textilien, Uhren, Käse und Schokolade. Der slowak. Staat lieferte Mangelware wie Holz, Holzkohle, Zement, Eisen, Maschinenöle, Futtermittel, Zucker oder Malz. Der Handelsaustausch wurde bis zum Kriegsende aufrechterhalten. Da die Arisierungsprozesse in der S. 1942 Handelsverluste verursachten, wurden 70 bis 80 jüd. Handelspartner mit schweiz. Schutzbriefen ausgestattet. Nach Ausbruch des slowak. Nationalaufstands im Aug. 1944 wurden die meisten in dt. Konzentrationslager deportiert. Am 27.2.1945 beschloss der Bundesrat, die diplomat. Beziehungen mit der S. abzubrechen und selbige mit der tschechoslowak. Exilregierung in London aufzunehmen. Die am 5.4.1945 wiedererrichtete Tschechoslowakei spaltete sich am 1.1.1993 in die Tschech. und die Slowak. Republik, die beide von der Schweiz an diesem Datum anerkannt wurden. In der Übergangsphase der 1990er Jahre war die S. ein Schwerpunkt der Schweiz. Osthilfe. Die Schweizer Botschaft in Bratislava besteht seit 1999, die S. betreibt eine Botschaft in Muri bei Bern sowie ein Konsulat in Zürich. 2010 waren 32 bilaterale Verträge in Kraft. Schweizer Firmen wie Nestlé oder Vetropack betreiben in der S. Niederlassungen. Die kulturellen Beziehungen zwischen der Schweiz und der S. sind intensiv. In der Schweiz waren 2009 5'589 Slowaken niedergelassen, während 294 Schweizer in der S. lebten.


Literatur
– S. Parak, Die Schweiz und der slowak. Staat 1939-1945, 1987
Prager Frühling, Ausstellungskat. Basel, hg. von H. Kanyar Becker, 2008

Autorin/Autor: Helena Kanyar Becker