• <b>Paillard</b><br>Werbeplakat für Radios der Marke Paillard,  geschaffen von Hans Handschin,  1936 (Schweizerische Nationalbibliothek). Angesichts der Bedrohung durch Nationalsozialismus und Faschismus war das Radio in den 1930er Jahren ein zentrales Medium zur Verteidigung der Grundwerte der Schweiz. Wie wichtig die neuen Medien für die Geistige Landesverteidigung waren, zeigt das abgebildete Soldatendenkmal von Les Rangiers (1924), das an die Rolle der Armee im 1. Weltkrieg erinnert.

Paillard

Ab 1397 belegte Fam. von Sainte-Croix, die 1814-1974 das Unternehmen Paillard führte. Seinem 1814 in Sainte-Croix eröffneten Uhrmacheratelier fügte Moïse ( -> 4) 1825 eine Werkstätte für Musikdosen an, die seine Enkel Eugène (1813-89) und Amédée (1814-80) 1875 zu einer Fabrik ausbauten. 1889 ging die Fabrik an Eugènes Sohn Ernest ( -> 3) über. Unter der Leitung von Ernests Sohn Albert (1881-1937) und dessen Onkel Eugène Thorens wurde das Unternehmen 1920 in die Aktiengesellschaft Paillard SA umgewandelt. E. Paillard & Cie. stellte ab 1898 auch Walzenphonographen und ab 1904 Grammofone her. 1913 arbeitete die Firma an der Konstruktion einer Schreibmaschine, die sie ab 1923 in Yverdon unter dem Markennamen Hermes serienmässig herstellte. Der Erfolg stellte sich 1935 mit der Hermes Baby ein. 1930 trat das Unternehmen mit Projektoren und Kameras der Marke Bolex in den Markt für Kinogeräte ein, den es bis in die 1960er Jahre dominierte. 1969 wurde Bolex teilweise und 1974 ganz an den österr. Konzern Eumig abgetreten. Ab 1932 führte die Firma auch eine Radioabteilung. 1960 erwarb Paillard die Aktienmehrheit am Zürcher Rechenmaschinenhersteller Precisa AG und wurde 1974 dessen Alleinbesitzerin. Aus dieser Übernahme ging die Hermes Precisa International AG hervor. Bereits 1962 hatte die Paillard SA den Plattenspielerhersteller Thorens SA gekauft. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs zu Beginn der 1960er Jahre besass die Firma Werke in Yverdon, Orbe, Säckingen, Beaucourt (bei Belfort) und in Brasilien. Die Zahl der Angestellten stieg von rund hundert (1885) auf etwa 8'000 (1964), davon arbeiteten 4'400 im nördl. Teil der Waadt (Yverdon, Sainte-Croix, Orbe). Zehn Jahre später zählte das Unternehmen nur noch 2'000 Mitarbeiter. Die Firma hatte die Umstellung auf die Elektronik verpasst und auch die Übernahme durch Olivetti 1981 konnte nicht verhindern, dass sie 1989 verschwand.

<b>Paillard</b><br>Werbeplakat für Radios der Marke Paillard,  geschaffen von Hans Handschin,  1936 (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>Angesichts der Bedrohung durch Nationalsozialismus und Faschismus war das Radio in den 1930er Jahren ein zentrales Medium zur Verteidigung der Grundwerte der Schweiz. Wie wichtig die neuen Medien für die Geistige Landesverteidigung waren, zeigt das abgebildete Soldatendenkmal von Les Rangiers (1924), das an die Rolle der Armee im 1. Weltkrieg erinnert.<BR/>
Werbeplakat für Radios der Marke Paillard, geschaffen von Hans Handschin, 1936 (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Archive
– ACV, Nachlass
Literatur
– H. Rieben et al., Portraits de 250 entreprises vaudoises, 1980, 175-179
– L. Tissot, E. Paillard & Cie, SA, 1987

Autorin/Autor: Grégoire Montangero / AHB