16/12/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken

Rances

Polit. Gem. VD, Bez. Jura-Nord vaudois, auf einem Hochplateau über dem Tal des Mujon gelegen, einem Nebenfluss der Zihl. 972/973 Rancias. 1684 80 Feuerstellen; 1764 385 Einw.; 1850 518; 1900 493; 1950 412; 1970 314; 2000 419.

1 - Von der Urgeschichte zum frühen Mittelalter

Ab Mitte des 19. Jh. fanden Frédéric-Louis Troyon, Gustav von Bonstetten und Edouard Mabille in Champs des Bois, im Bois du Vuavre und bei Le Montet Tumuli aus der Hallstattzeit. Der Grabhügel von Champs des Bois war der erste, der im Kt. Waadt wissenschaftlich untersucht wurde. Er war von einer mächtigen Schicht von Steinen bedeckt. Das zentrale Grab enthielt Überreste eines Wagens, eine Bronzeschale, eine Gürtelschnalle, einen eisernen Dolch aus der ausgehenden Hallstattzeit sowie ein Nebengrab aus der frühen Latènezeit, in dem eine Fibel lag. In Pra Técoz fand man 1861 drei Gräber aus der frühen Latènezeit mit einer Fibel sowie mehrere Gräber ohne Beigaben. In la Vy-des-Buissons wurden 1945 zwei vielleicht aus dem Neolithikum stammende Schalensteine entdeckt. Bei den Grabungen von 1974-76 fand man dort eine Feuerstätte und Keramikgefässe aus dem frühen oder mittleren Neolithikum, eine Grube mit zahlreichen tier. Überresten und Keramik aus der Latènezeit, ferner eine Grabstätte mit einer Fibel und eine Gruppe von Gräbern mit Beigaben aus der frühen Latènezeit (Fibel, Halsreifen, gerillter Ring). 1974 wurde bei Sur-la-Cheneau ein frühgeschichtl. Graben (vermutlich ein Schutzgraben) mit Keramik aus dem ausgehenden Neolithikum (Glockenbecherkultur) und aus der Latènezeit entdeckt. Die Grabungen bei Champ-Vully 1974-81 - sie fanden parallel zum Kiesabbau statt - förderten eine grosse Siedlung aus dem Anfang der mittleren Bronzezeit mit Hunderten von Pfostenlöchern und Gruben (Überreste von Gebäuden), einer grossen Anzahl von Keramikobjekten (ganze Gefässe), einer Pfeilspitze und Teilen einer Bronzesichel zutage. In einer älteren Schicht stiessen die Archäologen auf eine grosse Siedlung und Steinwerkzeuge aus der Glockenbecherkultur. Auf dem Gebiet von R. wurden nur wenige Spuren aus der Römerzeit gefunden (Ziegel, Keramik). Bei Champ-Vully befinden sich Grabstätten aus dem FrühMA und bei Le Crêt du Châtelard eine vermutlich aus dem MA stammende Erdburg.

Autorin/Autor: Mireille David-Elbiali / BE

2 - Gemeinde

Erstmals erw. im 10. Jh., war R. der Hauptort der Herrschaft Les Clées. Jacques de Gallera, Junker und Bürger von Les Clées, verkaufte Bern 1539 die Mistralie R., die seine Fam. 1286 erworben hatte. Unter der Berner Herrschaft gehörte R. 1536-1798 zur Vogtei Yverdon (Kastlanei Les Clées) und war Sitz eines Gerichtshofs. 1798-2006 war es Teil des Bez. Orbe. Die dem hl. Sulpicius geweihte Kirche wurde 1228 eine selbstständige Pfarrkirche, der die Kapelle von Valeyres-sous-R. unterstand. Die 1896 restaurierte Kirche enthält Bauteile aus dem 15. Jh. Das Pfarrhaus wurde 1541 errichtet. Die Pfarrei von R. umfasste auch L'Abergement, Sergey und Valeyres-sous-R. sowie bis 1662 und 1846-49 Montcherand. Seit 2000 gehören R. und Valeyres-sous-R. zur Kirchgem. Baulmes-R. 1548 wurde das Dorf durch einen Brand zerstört. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über Rebberge, Landwirtschaftsland, Wald und Alpweiden. 1889 wurde eine Molkereigenossenschaft gegründet. 2005 stellte der 1. Sektor noch 45% der Arbeitsplätze in der Gemeinde. Die Eröffnung der Autobahn A9 1989 beschleunigte R.s Wandel zu einer Wohngemeinde. Der Mont Suchet (1588 m) und die Alp La Mathoulaz werden touristisch genutzt.

Autorin/Autor: Emmanuel Abetel / BE

Quellen und Literatur

Literatur
– M. Fontannaz, Les cures vaudoises, 1986, 33-35, 423
– G. Kaenel, Recherches sur la période de La Tène en Suisse occidentale, 1990, 52-58, 92-94
– C. Dunning, Le premier âge du fer sur le versant méridional du Jura, 2005