Zurlauben

Häuptergeschlecht der Stadt Zug, dessen Herkunft aus dem Wallis unbestritten, eine Abstammung von den Frh. von Turn jedoch konstruiert ist. Die Z. waren vom 17. bis ins 1. Drittel des 18. Jh. die einflussreichste Fam. in Stadt und Amt Zug. In Frankreich gelangten ihre Angehörigen in die höchsten militär. Ränge und in den Grafenstand. Sie waren Pächter des Zuger Salzmonopols und amtierten bis 1728 als Verteiler der für Stadt und Amt Zug bestimmten franz. Pensionen, die jährlich bis zu 7'000 franz. Pfund betrugen. Die um den Salzhandel und die Pensionen entstandenen Konflikte führten - zusammen mit dem Zwist innerhalb der Fam. - im 1. Harten- und Lindenhandel 1729 zur polit. Entmachtung der Z.

Als Stammeltern gelten Hans (gestorben nach 1450), genannt Ziegler, und Agnes Schreiber. Ihr Sohn Anton (1439-1516) wurde 1477 Bürger von Zürich, zog aber 1478 als Stadtziegler nach Zug und fand hier 1488 Aufnahme ins Bürgerrecht. Mit seinem Sohn Oswald (1477-1549) gelangte 1538 erstmals ein Z. in den Zuger Stadt- und Amtsrat sowie 1543 ins Statthalteramt. Beat ( -> 1), ein Neffe Oswalds, schaffte 1587 als Erster der Fam. die Wahl zum Ammann. Zwischen 1677 und 1722 wurde jedesmal ein Mitglied der Z. gewählt, wenn die Stadt Zug an der Reihe war, den Ammann in Stadt und Amt Zug zu stellen. Der frühe Stammsitz war seit Statthalter Oswald der Weingartenhof in der Stadt Zug, 1616 kam der Zurlaubenhof hinzu. Unter Ammann Beat Jakob ( -> 5) erreichte die Fam. in der 2. Hälfte des 17. Jh. den Zenit ihrer Macht. Von seinen 22 Kindern wurden Beat Kaspar ( -> 8), Beat Jakob ( -> 7) und Fidel ( -> 9) ebenfalls Ammänner, während Plazidus ( -> 17), Gerold ( -> 11) und Maria Ursula ( -> 16) als Äbte bzw. Äbtissin wirkten.

1587 bekleidete Hans (gestorben 1606), ein Enkel Oswalds, als erster Z. das Amt des eidg. Landvogts in den Freien Ämtern; sein Sohn Oswald (gestorben 1637) übte es 1615-17 aus. Die Fam. stellte über mehrere Generationen den Landschreiber der Freien Ämter, beginnend 1617-30 mit Beat ( -> 2). Nach dem Tod von Plazidus Beat Kaspar Anton ( -> 18) 1726, seines Urenkels, vermochte die Fam. ihre Ansprüche auf das Amt nicht mehr durchzusetzen. Ebenfalls in den Freien Ämtern erwarben die Z. die Gerichtsherrschaften Nesselnbach (1670), Anglikon sowie Hembrunn (1678) und gründeten das Fideikommiss.

Anton, Sohn des Statthalters Oswald, hob 1567 eine eigene Halbkompanie für das Regiment Pfyffer in franz. Diensten aus und etablierte die Z. als Militärunternehmer. Insgesamt traten 40 Angehörige der Fam. in den Solddienst hauptsächlich von Frankreich, aber auch von Spanien, Savoyen, Venedig, der Toskana und des Papsts. Von 1617 bis zur Franz. Revolution besassen deren Mitglieder, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, stets die Zug zustehende Kompanie des franz. Garderegiments; mit Beat Franz Plazidus ( -> 4) stellten sie 1743-67 sogar den Oberst. Andere wie Gf. Beat Jakob ( -> 6) stiegen bis zu den höchsten Rängen Maréchal de camp und Generalleutnant auf.

Unter den Geistlichen ragt Gerold ( -> 10), Benediktinerabt von Rheinau, neben den bereits erw. Gerold und Plazidus hervor. Augustin (1696-1742) war Konventuale in Rheinau und päpstl. Protonotar. Sein Bruder Abbé Beat Jakob Anton (1684-1755), Kaplan der St.-Konradspfründe in Zug, war einziger Weltgeistlicher. Heinrich (1607-50), Bruder des Ammanns Beat ( -> 2) und Inhaber einer Gardekompanie, gab sich als erster Z. den Zunamen von Gestelenburg. Beat Fidel ( -> 3), Generalleutnant und Historiker, starb 1799 als letzter männl. Vertreter des Geschlechts.


Quellen
Zurlaubiana AH
Literatur
– K.-W. Meier et al., «Benefiziat Beat Jakob Anton Z. (1684-1755) und die St. Konradspfründe», in Ehrengabe an Dr. iur. Damian Bossard-Bütler im Hof, 1975, 39-61
– K.-W. Meier et al., «Grundzüge zuger. Politik im 17. Jh. dargestellt anhand von Tagsatzungsinstruktionen an die Z.», in Zuger Njbl., 1977, 5-30
– R. Stöckli, «Die Fam. Z. und die Freien Ämter», in Unsere Heimat 50, 1978, 12-37
– K.-W. Meier, Die Zurlaubiana, 1981
– N. Büsser, Frauen im Soldunternehmertum, Liz. Zürich, 2004
– U. Amacher, Barocke Körperwelten, 2010

Autorin/Autor: Urs Amacher