Hess (ZG)

Ältestes Geschlecht des Ägeritales und des Kt. Zug, wohl aus Innerschwyz zugewandert. 1268 und 1305 war eine Adelheid H. von Ägeri Meisterin des Klosters Gnadenthal, vielleicht dieselbe Person, die 1267 als Schwester der Wurmsbacher Äbtissin Judenta (?) genannt wird. Die H. gehören zu den sieben alten Ägerer Geschlechtern, die das Zugrecht zwischen Oberägeri und Unterägeri besitzen, d.h. je nach Wohnsitz in der jeweiligen Allmendkorporation nutzungsberechtigt sind. In Unterägeri erlangte das stets kleine Geschlecht erhebl. Bedeutung. Dort sind 1331 Ulrich und Heinzli belegt, auf deren Hof Lutischwand die H. mit Unterbrüchen bis 1939 sassen. Aus dieser Linie stammten zwischen dem 16. und 18. Jh. mehrere Amtsträger, so der eidg. Landvogt Christian ( -> 3) und die Ratsherren Peter (1619-88) und dessen Sohn Karl (1660-1732). Von der vom Sigristen Johann Kaspar (1705-70) ausgehenden Linie prägten vier gleichnamige Mitglieder im 19. und im frühen 20. Jh. die konservative Politik in Gem. und Kanton, nämlich Josef Anton ( -> 22), der von ihm erzogene Neffe (1802-53), Gemeindepräs. und Textilunternehmer, dessen Sohn ( -> 23) und dessen Enkel (1864-1945), Tuchhändler, Gemeinde- und Kantonsrat. Peter (geboren 1948), Enkel des Letztgenannten, war 1983-2003 Zuger Nationalrat und 1991-98 Präs. der CVP-Fraktion. 1999 scheiterte er bei den Bundesratswahlen knapp.

Die ausgestorbenen Chamer H., Ausburger der Stadt Zug, sind seit 1399 mit Jenni nachgewiesen. Die wohl von ihnen abstammenden H. in Zug - ein Ruedi wird schon 1435 erwähnt - wohnten als Handwerker in der Stadt oder als Bauern im Umland wie der Chamer Wirt Rudolf, der 1645 nach Oberwil zog und 1655 städt. Obervogt wurde. Mit seinem Sohn Oswald (1649-1726) gelangte das Geschlecht 1699 erstmals in den Stadtrat. Seine Linie, zu der auch Dominik ( -> 6) zählt, hatte bis Ende des 19. Jh. einiges polit. Gewicht.


Literatur
– A. Iten, E. Zumbach, Wappenbuch des Kt. Zug, 21974
Ägerital - seine Gesch., 2003

Autorin/Autor: Renato Morosoli