Chavornay

Politische Gemeinde VD, Bezirk Jura-Nord vaudois, umfasst seit 2017 Corcelles-sur-Chavornay und Essert-Pittet. Grosses Strassendorf am östlichen Rand der Orbe-Ebene, rechts über dem Fluss Talent. 927 Cavorniacum, 1228 Chavornai. 1414 64 Haushalte; 1699 361 Einw.; 1764 639; 1850 805; 1900 789; 1910 1'056; 1950 1'383; 1980 1'598; 2000 2'785.

Archäologisch belegt sind römerzeitl. Siedlungsspuren und Münzen in der Mergelgrube Barraud, Reste der Strasse Entreroches-Yverdon und ein Meilenstein mit den Namen der Ks. Septimius Severus und Mark Aurel. Überreste fanden sich auch vom ma. Spital Saint-Théobald (1228 erw.), das der Kommende La Chaux gehörte. In vorindustrielle Zeiten datieren ausserdem eine Asphaltmine und der Entreroches-Kanal. Im 9. Jh. kam C. zum Königreich Hochburgund. 927 bestätigte Kg. Rudolf II. in C. die Wahl Libos zum Bf. von Lausanne. Im 11. Jh. ging C. an die Lausanner Kathedrale über. 1397 empfing der Bf. von Lausanne den Zehnten, das Patronatsrecht der Pfarrkirche Saint-Marcel (im 12. Jh. erw., Chor des 15. Jh., Umbau 1648) stand dem Domkapitel zu. Auch das Haus Savoyen besass in C. Einfluss: 1266 bezahlten Einwohner von C. dem Kastlan von Yverdon ein Wehrgeld. Unter bern. Herrschaft war C. Teil der Landvogtei Yverdon und bildete eine Kastlanei mit einem Gericht; die kommunalen Angelegenheiten oblagen einem Dreizehnerrat. 1798-2006 war es dem Bezirk Orbe zugeteilt. Zur Kirchgemeinde C. gehört seit der Reformation auch Bavois, seit 1934 zudem Essert-Pittet. Die Melioration der Orbe-Ebene ab 1870 führte zu Güterzusammenlegungen (1941-50) und ermöglichte den Anbau von Gemüse. Der Anschluss an das Bahnnetz (1855 Morges-Yverdon, 1894 Orbe-C.) begünstigte die Industrialisierung C.s (Ziegelei Barraud 1904-66, Sägerei, mechan. Werkstätten). Die Eröffnung der Autobahnen A1 (1981) und A9b (1989) förderten diese Entwicklung weiter: Zollfreilager 1977, Druckfarbenfabrik Sicpa et Fidink 1983. Ein Zonenplan besteht seit 1981.


Literatur
– G. Rochat, Histoire de C., 1965 (21985)
– R. Cuagnier, Aspects des systèmes de culture pratiqués à C. et Suchy aux 18e et 19e siècles, Liz. Lausanne, 1984
– M. Grandjean, Les temples vaudois, 1988, 63 f.

Autorin/Autor: Anne Rochat-Morel / MF