• <b>Baulmes</b><br>Kirche und Pfarrhaus um 1830. Kolorierte Umrissradierung von   Samuel Weibel (Privatsammlung, alle Rechte vorbehalten).

Baulmes

Polit. Gem. VD, Bez. Orbe, auf dem Schwemmkegel der Baumine gelegenes Dorf an der Grenze zu Frankreich. 652 in loco Balmensi, 1123 Balmis. 1764 443 Einw.; 1798 573; 1850 862; 1900 1'241; 1950 1'006; 1970 811; 2000 970.

1 - Urgeschichte

Die Felsvorsprünge am Fusse einer nördlich des Dorfes aufragenden Wand waren während über zwölf Jahrtausenden periodisch bewohnt. 1874 wurden beim Bau der Bergstrasse zum Suchet im Geröll Reste von Steingeräten, Keramik und Knochen aus dem Neolithikum und der Bronzezeit freigelegt. Drei Sondierungen, die 1966 durchgeführt wurden, bestätigten die Anwesenheit des prähist. Menschen an diesem Ort. Die ergiebigste Fundstelle befindet sich im Garten des Pfarrhauses und wurde entsprechend Abri de la Cure benannt. Die längst nicht abgeschlossenen Ausgrabungen wurden 1974 vorübergehend eingestellt. Der ganz nach Süden gerichtete Abri befindet sich oberhalb des Schwemmkegels, auf dem später das Dorf erbaut werden sollte, sowie an der Mündung der Passstrasse Col de l'Aiguillon, einer Verbindung zwischen franz. Mâconnais und Schweizer Mittelland, die dem tief eingeschnittenen Flusslauf der Baumine folgt. Die eher bescheidenen Ausmasse des Felsüberhangs liessen nicht auf ein derart reiches Vorkommen schliessen: Mit über 30 Siedlungsphasen von mind. 7 m Mächtigkeit ist diese Stelle die am häufigsten und am längsten aufgesuchte archäolog. Fundstätte der Schweiz. Feuerstellen, Pollen, pflanzl. Makroreste, Gebeine, Mollusken und anthropogenes Material erlauben sehr genaue Rückschlüsse auf techn. und landschaftl. Entwicklungen. Vom Ende des Spätglazials bis zur Gegenwart sind die Übergänge vom Jungpaläolithikum (eine Feuerstelle, bisher ohne Funde) zum Azilien, Sauveterrien, Tardenoisien, zum frühen und mittleren Neolithikum, zur Früh- und Spätbronzezeit, in die galloröm. Zeit bis hin zu den Anfängen des MA ablesbar. Der nahe gelegene Felsabri von Mistredame lieferte einen zwischen den beiden Hälften eines gebrochenen Mühlsteins aus Granit wieder beigesetzten menschl. Schädel. Auf dem Gipfel des Felsens befindet sich eine frühgesch. Befestigung.

Autorin/Autor: Michel Egloff / AL

2 - Gemeinde

Die schriftl. Überlieferung setzt 652 mit der Stiftung eines der hl. Maria geweihten Klosters in B. durch Hzg. Chramnelenus ein. Seine Witwe Ermentrud vollendete 667/668 (oder 671/672) die Gründung. Der Konvent befolgte anfängl. die Regeln des hl. Kolumban, später jene des hl. Benedikt. Aus dieser Zeit sind lediglich ein aus dem 7. oder 8. Jh. stammender Ambo und eine karoling. Inschrift zu Ehren der Jungfrau Landoalda erhalten geblieben. Das Kloster besass Güter in Orbe und Champvent. Zu einem unbestimmten Datum ging es, in verwahrlostem Zustand, an das Cluniazenserpriorat Payerne über. Vor 1174 (erste Nennung eines Propstes) wurde ein Maria und Michael geweihtes Kloster errichtet. Obwohl der Abt von Cluny bereits 1294 seine Vereinigung mit dem Priorat Payerne verfügt hatte, wurde es diesem erst 1356 direkt unterstellt. Bis dahin hatten kirchl. Verwalter (Rektoren) die Gemeinschaft geleitet. Der klösterl. Besitz umfasste Güter in B., Montcherand, Orbe und Bonvillars. 1536 fiel das Priorat Bern zu. Die Prioratskirche ist vollständig verschwunden. Die Pfarrkirche Saint-Pierre betreut spätestens seit 1228 neben B. auch die Kirchgenossen der Nachbargemeinde Vuiteboeuf (inkl. Peney). Im Dorf am Fusse des Klosters liessen sich hauptsächlich Freie und steuerpflichtige Freigelassene, die 1516 von ihrer Abgabepflicht entbunden wurden, nieder. Vom 14. Jh. an wurden den Einwohnern - nach dem Vorbild von Payerne - Freiheiten gewährt, was diese allerdings nicht daran hinderte, das Bürgerrecht in Les Clées (ab 1375 bis 1462) oder Sainte-Croix (ab 1396) zu erlangen. Ab dem 15. Jh. ist die Leitung der Dorfgemeinschaft durch vier Syndics und neun Geschworene belegt. 1595 wurde ein Spital gegründet. Unter Berner Herrschaft (1536-1798) gehörte B. zur Vogtei Yverdon. Dem in sechs sog. Dizaines aufgeteilten Dorf stand ein Rat aus zwölf Mitgliedern vor. Die Revolution von 1798 wurde schlecht aufgenommen. Bis 1809 war B. Teil des Bez. Grandson, danach des Bez. Orbe.

Ab dem 15. Jh. trieb die Baumine mehrere Mühlen, Stampfen und Schleifsteine an, die anfänglich vom Priorat Payerne konzessioniert wurden. Das gemeindeeigene Holz wurde zur Kohlegewinnung genutzt. Vom 16. bis 18. Jh. waren an der Jougnena nacheinander mehrere Hochöfen in Betrieb. 1464 erhielt die Tuchindustrie, die ab dem 14. Jh. florierte, das ausschliessl. Recht auf Nutzung eines Schauzeichens. Als eine der ersten Gem. in der Schweiz verfügte B. bereits 1867 über eine Druckwasserversorgung. Der Bau der Eisenbahnlinie Yverdon-Sainte Croix 1893 ermöglichte die Inbetriebnahme einer Zementfabrik, die 1957 geschlossen wurde. 1997 liess die Gem. eine Fernheizung, die mit Holz aus den gemeindeeigenen Wäldern betrieben wird, erstellen. Ende des 20. Jh. waren in B. neben der noch immer stark vertretenen Landwirtschaft mehrere hauptsächlich holzverarbeitende Unternehmen tätig.

<b>Baulmes</b><br>Kirche und Pfarrhaus um 1830. Kolorierte Umrissradierung von   Samuel Weibel (Privatsammlung, alle Rechte vorbehalten).<BR/>
Kirche und Pfarrhaus um 1830. Kolorierte Umrissradierung von Samuel Weibel (Privatsammlung, alle Rechte vorbehalten).
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Autorin/Autor: Germain Hausmann / AL

Quellen und Literatur

Literatur
  • Urgeschichte

    – M. Egloff, «Les gisements préhistoriques de B. (Vaud)», in JbSGUF 53, 1966/67, 7-13
    – M. Egloff, «Huit niveaux archéologiques à l'Abri de la Cure», in US 31, 1967, 53-64
    – A. Leroi-Gourhan, M. Girard, «L'Abri de la Cure à B. (Suisse): analyse pollinique», in JbSGUF 56, 1971, 7-15
  • Gemeinde

    – P.-L. Pelet, Fer, charbon, acier dans le Pays de Vaud, Bde. 2-3, 1978-83
    HS III/1, 231-238; III/2, 469-486
    – A. Rodriguez et al., Une abbaye dans son village, 1595-1995, 1995